Aus der Hochschule

Fortschrittliche Arzneibuchanalytik

Studierende der FU Berlin freuen sich über NIR-Spektrometer

An der Freien Universität Berlin übt das 5. Semester im Praktikum „Arzneibuchanalytik“ neben den traditionellen Methoden auch die Nah­infrarot-(NIR-)Spektrometrie, denn die Firma HiperScan, Dresden, hat dem Institut ein NIR-Spektrometer „Apo-Ident“ geliehen.
Foto: FU Berlin/Witte
Das soeben geprüfte weiße Pulver ist Lidocainhydrochlorid – sicher und schnell identifiziert.

Farb- oder Fällungsreaktionen, Dünnschichtchromatografie usw. sind altbewährte Analysenmethoden, die jedoch meist sehr arbeitsaufwändig sind, nur eine begrenzte Selektivität aufweisen und den Studierenden kein Erfolgserlebnis garantieren. Anders gesagt: Welcher Pharmaziestudent hat nicht mindestens einmal davon geträumt, eine Arzneibuchanalyse innerhalb ­weniger Sekunden und mit einem ­validen Ergebnis abzuschließen? Umso erfrischender war es für die Berliner Studierenden, mit dem Apo-Ident solche Identitätsprüfungen auszuführen.

Zuvor hatte Dr. Peter Witte ihnen in einer einführenden Vorlesung die Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen der NIR-Spektroskopie vermittelt. So ist z. B. eine visuelle Auswertung der NIR-Spektren (wie bei MIR-Spek­tren) nicht möglich. Zur Interpretation der Messwerte werden Ober- und Kombinationsschwingungen eines Stoffes aufgenommen, mithilfe von mathematisch-statistischen Methoden verarbeitet und mit Verfahren der multivariaten Datenanalyse ausgewertet. Klingt kompliziert? Ist es auch! Aber wenn man alternative Prüfverfahren anwenden möchte, muss man sie auch beurteilen können.

Dagegen ist die praktische An­wendung aufgrund einer Computer-gestützten Menüführung sehr einfach. Für eine NIR-Analyse ist wenig Er­fahrung nötig, da die zu prüfende ­Substanz (fest, halbfest oder flüssig) nur in ein kleines, gläsernes Gefäß gegeben werden muss, worauf die Messung in diffuser Reflexion oder Transflexion erfolgt; eine weitere Probenvorbereitung ist nicht erforderlich. Auf teure CRS-Substanzen kann verzichtet werden, da die Identifikation der Probe automatisch mithilfe einer validierten Datenbank erfolgt, die mehr als 1000 Ausgangsstoffe umfasst und stets aktualisiert wird. Ein Protokoll nach jeder Messung meldet (mit Angabe der statistischen Wahrscheinlichkeit), welcher Stoff identifiziert wurde.

Frischer Wind

Die NIR-Spektroskopie bringt frischen Wind ins Pharmaziestudium sowie in die Apotheke und reduziert mensch­liche Fehlerquellen durch die schnelle und unkomplizierte Methodik auf ein Minimum. Sie ist ein nichtdestruktives Verfahren, d. h. dass bei der Iden­titätsprüfung nichts von den (teuren) Ausgangsstoffen verbraucht wird. Zudem werden weder Lösungsmittel noch umweltschädliche Reagenzien verwendet, die sonst teuer und umständlich entsorgt werden müssten. So kann man die NIR-Spektroskopie mit dem Schlagwort „green chemistry“ charakterisieren. Sie ist eine fortschrittliche Alternative zu den traditionellen Methoden, und die Berliner Studierenden sind froh, sie bereits im Studium kennengelernt zu haben. |

Jakob German und Steffen Sailer/cae

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