Prisma

Wer hat an der Uhr gedreht?

„Clock-Gene“ als Angriffspunkt in der Krebstherapie

cst | Circadiane Rhythmen werden in der Pharmakotherapie schon seit Längerem durch die Gabe von Arzneimitteln zu bestimmten Uhrzeiten genutzt. Auch in der Onkologie wird dieser Ansatz der Chronotherapie bereits verfolgt. Nun wurde untersucht, ob Tumorzellen auch durch eine direkte pharmakologische Intervention an der inneren Uhr angegriffen werden können.
Foto: Miguel Garcia Saaved – stock.adobe.com
REV-ERB-Agonisten greifen in das „Uhrwerk“ von Tumorzellen ein.

Dazu wurden die beiden synthetischen Wirkstoffe SR9009 und SR9011 an Mäusen mit einem Glioblastom getestet. Die Substanzen aktivieren als Agonisten die Zellkern-Rezeptoren REV-ERB-α und REV-ERB-β, welche die Schlüsselproteine der inneren Uhr, BMAL1 und CLOCK, steuern. Tatsächlich töteten die REV-ERB-Agonisten Tumorzellen spezifisch ab und ließen normales Gewebe unbeschadet. Das Tumorwachstum wurde verlangsamt und die Lebensdauer der Mäuse verlängert. Die Autoren der Studie zeigten, dass dieser Effekt auf zwei Mechanismen beruht: Zum einen hemmen die REV-ERB-Agonisten die De-novo-Lipidsynthese, zum anderen inhibieren sie die Autophagie.

Ob dieser neue Wirkansatz in Zukunft auch Tumorpatienten helfen kann, müssen klinische Studien zeigen. Da die pharmakologisch wirksamen Dosierungen im Tierexperiment sehr hoch waren, müssen hierzu vermutlich wohl erst noch potentere REV-ERB-Agonisten entwickelt werden. |

Quelle

Sulli G et al. Pharmacological activation of REV-ERBs is lethal in cancer and oncogene-induced senescence. Nature 2018;553(7688):351-355

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