Die Seite 3

Die Narren sind los

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Doris Uhl, Chefredakteurin der DAZ

Wenn Sie in einer der Karnevals- oder Faschingshochburgen im Land wohnen, dann dürften Sie in diesen Tagen sicher häufiger mit nicht mehr ganz so ausgelassenen Närrinnen und Narren zu tun haben, die die Folgen ihres Treibens mit bewährten Mitteln aus der Apotheke bekämpfen möchten. Aber auch außerhalb der Apotheken werden so einige Überlebenshilfen angeboten, von denen Sie vielleicht noch nichts gehört haben.

Da gibt es beispielsweise von einer Mainzer Firma das „Karnevals-Survivalkit“ oder die „Fasnachts-Crew“ mit „Anti-Hangover“-Shots und -Sticks. Sie sollen „ganz natürlich“ den Folgen einer langen durchzechten Nacht vorbeugen. One:47® nennt sich das Produkt, das als Nahrungsergänzungsmittel basierend auf Vitaminen, Mineralstoffen und Extrakten von Ingwer, Ginkgo, Kaktusfeige, Acerola und Weidenrinde dieses Wunder vollbringen soll. Ähnliches versprechen „Natürlich bei Kater“, Hang&Over®, „After Alc“ und viele andere mehr. Was tatsächlich von diesen derart gepriesenen Nahrungsergänzungsmitteln zu erwarten ist, wir wissen es – noch – nicht.

Doch www.welt.de hat sich Ende 2017 des Themas schon einmal angenommen und berichtet über die weltweit größte „Kater-Studie“, die ein Mainzer Masterstudent derzeit mit One:47® durchführt. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr veröffentlicht werden. Bis dahin müssen wir uns gedulden. Aber zwei Mädels haben für welt.de schon mal einen Selbstversuch unternommen und kommen zu dem überraschenden Schluss: „Es ist kein Zaubertrank!“

Leider haben auch wir kein Patentrezept gegen Katerstimmung, Übelkeit und die vielen anderen Folgen einer feuchtfröhlichen Nacht. Aber wir verschaffen Ihnen einen Überblick über Bewährtes, mit denen sich der ein oder andere närrische Flurschaden vermeiden und gegebenenfalls wieder beheben lässt (s. S. 41). Dabei geben wir Ihnen auch ein Update in Sachen Verhütung und zur „Pille danach“. Wer tiefer einsteigen möchte, dem sei unter anderem der entsprechende Schwerpunkt in DAZ 16/2016 empfohlen. So können Sie auch hier mit überzeugender Beratung trumpfen.

Denn diejenigen, die vor der Entlassung der „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht den Apothekern jegliche Beratungskompetenz abgesprochen haben, lassen nicht locker. Allen voran Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), der schon nach einem Jahr nach der Freigabe auf Basis einer eigenen, abenteuerlichen Interpretation von Schwangerschaftsabbruchdaten über dpa verbreiten ließ: „Die Beratung der Apotheker zur ‚Pille danach‘ kann einfach nur schlecht sein!“ (s. DAZ 2016, Nr. 12, S. 3 „Eine steile These“).

Jetzt sind die Narren los, und Albring hat einen weiteren verzweifelten Anlauf in verschiedenen Medien gestartet, Deutschlands Apotheken eine fachlich ungenügende Beratung zu unterstellen. In Online-Kommentaren kontern Apotheker, dass sich Kundinnen in ihren Apotheken über die intensive Aufklärung und Beratung wundern, in den Arztpraxen hätten sie den Arzt nicht einmal zu Gesicht bekommen. Würde die Bundesapothekerkammer vor diesem Hintergrund fordern, dass Ärzte keine Rezepte mehr für die „Pille danach“ ausstellen dürften, der Aufschrei wäre groß. Alles also nur ein schlechter (Karnevals-)Scherz des BVF-Präsidenten, der am Aschermittwoch schon wieder vergessen ist? Wohl leider nicht!

Doris Uhl

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