Die Seite 3

Warnschüsse

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Doris Uhl, Chefredakteurin der DAZ

Wir blicken zurück auf das Jahr 2018. Ein Jahr, das geprägt war von Skandalen, die das Vertrauen in eine sichere Arzneimittelversorgung massiv erschüttert haben. Ein Jahr, das mit Nachdruck verdeutlicht, dass an vielen Stellen das Ruder herumgerissen werden muss, wenn die sichere Arzneimittelversorgung jenseits aller Lippenbekenntnisse tatsächlich wieder oberste Priorität erlangen soll.

Eine sichere Arzneimittelversorgung beginnt mit qualitativ einwandfreien Medikamenten. Hierauf haben sich nicht nur wir Apothekerinnen und Apotheker, hierauf haben sich vor allem unsere Patientinnen und Patienten in der Vergangenheit weitestgehend verlassen können. Doch 2018 markiert hier eine erschütternde Wende. Der Fall rund um kontaminiertes Valsartan hat das Wirklichkeit werden lassen, wovor Kenner der Szene schon lange gewarnt haben: eine außer Kon­trolle geratene, dem Preisdiktat und der Globalisierung geopferte Arzneimittelherstellung, die leichtfertigen bis kriminellen Machenschaften Tür und Tor öffnet und auf einen Schlag Millionen von Menschen gefährden kann.

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Armin Edalat, Chefredakteur der DAZ

Nun ist im Fall Valsartan das Kind in den Brunnen gefallen, Schadensbegrenzung war angesagt. Das ging nur über das breite, gut organisierte Netz von Apotheken und Großhändlern, die die zahllosen Rückrufe abgewickelt haben. Doch damit war es nicht getan. Apothekerinnen und Apotheker mussten zutiefst verunsicherte Patienten aufklären. Sie mussten mit viel Fingerspitzengefühl in persönlichen Gesprächen verloren gegangenes Vertrauen in die Medikation zurückgeben, selbstverständlich auch den Patienten, die ihre Präparate über den Versandhandel bezogen hatten.

Und so machte der Fall Valsartan einmal mehr deutlich, dass das flächendeckende Netz von Apotheken vor Ort ein unverzichtbarer, lebensrettender Garant für die pharmazeutische Betreuung von Millionen von Patienten ist. Ein Netz, das gestärkt und ausgebaut werden muss! Eine Botschaft, die wir von Politikern nahezu aller Coleur, allen voran von unserem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, immer wieder vernehmen dürfen. Doch das, was Spahn der ABDA-Mitgliederversammlung als Alterna­tive zum Rx-Versandverbot präsentiert hat, lässt den Verdacht aufkommen, dass es sich bei seinem Bekenntnis zur Apotheke vor Ort wieder um eines der vielen Lippenbekenntnisse handelt.

Trotzdem geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die Warnschüsse des Jahres 2018 gehört werden und 2019 den Lippenbekenntnissen endlich Einsicht und Taten folgen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir eine spannende und informative Lektüre unseres Rückblicks auf das DAZ-Jahr 2018 und danken Ihnen für Ihre Treue.

Ganz herzlich

Ihre DAZ-Redaktion

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