Aus den Ländern

Apotheker befragen den ABDA-Präsidenten

Kammerversammlung in Westfalen-Lippe mit Besuch von der ABDA

MÜNSTER (bro/daz) | Politischer Höhepunkt der Kammerversammlung in Westfalen-Lippe war sicherlich der Auftritt von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Gemeinsam mit ABDA-Sprecher Reiner Kern war Schmidt am 28. November bei der AKWL, um die Arbeit der ABDA näher zu erläutern. Denn: Die westfälischen Apotheker sind unzufrieden mit der ABDA, das zeigt eine aktuelle Umfrage, die Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening vorstellte. Zwischen den Apothekern und Schmidt entwickelte sich ein lebhafter Dialog um die Zukunft des Apothekenwesens. Für viele Apotheken in Westfalen-Lippe gibt es leider keine Zukunft mehr – das zeigen die aktuellen Apothekenzahlen.
Foto: AKWL
Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening warnte vor einem strukturellen Problem bei der Arzneimittelversorgung.

Overwiening stellte zu Beginn der Kammerversammlung die aktuellen Apothekenzahlen aus dem Kammerbezirk Westfalen-Lippe vor (Stand 28. November). Demnach gibt es in Westfalen-Lippe derzeit 1937 Apotheken, aufgeteilt in 483 Filialapotheken und 1454 Hauptapotheken. Im dreizehnten Jahr in Folge ist die Apothekenzahl somit gesunken: In dieser Zeit mussten in Westfalen-Lippe 320 Apotheken schließen, das entspricht 15 Prozent der Gesamtzahl. Das ist ein Tiefstand, den es zuletzt 1979 gab. Zum Jahresende 2018 sind laut Overwiening schon jetzt 13 weitere Schließungen bekannt. Overwiening warnte vor einer Verschlechterung der Situation: „Wir laufen da in ein strukturelles Problem der Arznei­mittelversorgung hinein.“

Es folgte die Vorstellung einer Studie, die die AKWL beim Institut für Handelsforschung in Köln (IfH) in Auftrag gegeben hatte. Es ging um die Frage, wie zufrieden die Mitglieder mit den jeweils genannten Institutionen sind. Mit der Arbeit der eigenen Kammer sind die Apotheker zufrieden: 75 Prozent gaben an, „absolut“, „sehr“ oder „eher“ zufrieden zu sein. Auch die Arbeit des Verbandes in der Region (AVWL) wird gut bewertet. Die Arbeit der Gewerkschaften (z. B. Adexa) bewerteten 65 Prozent der Pharmazeuten als gut. Aber lediglich drei Prozent der Befragten gaben an, mit der ABDA absolut zufrieden zu sein, insgesamt sind 37 Prozent dem zufriedenen Lager zuzuordnen. Dem stehen 28 Prozent gegenüber, die angaben, sehr unzufrieden mit der Berliner Vertretung zu sein, weitere 35 Prozent sind eher unzufrieden. Schon im Juni kritisierten die Delegierten den ABDA-Haushaltsentwurf heftig. Man sprach von einer „Beitrags-Leistungs-Differenz“.

Auch aus diesem Grund besuchte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die AKWL. Er stellte kurz die Organisationsweise der ABDA vor und sprach dann über die aktuelle politische Lage. An den Fragen, die die Apotheker Schmidt stellten, merkte man, wie angespannt das Verhältnis derzeit ist.

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Kritische Fragen an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt gab es aus den Reihen der westfälisch-lippischen Apotheker.

„Verschlossene Auster“

Angesprochen auf den Kontakt der ABDA zur Apotheker-Basis stellte Schmidt fest: „Wenn man eine Umfrage unter den Verbänden machen würde, bekämen wir sicherlich den Preis der verschlossenen Auster.“ Er wies aber darauf hin, dass Lobbying vom Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern lebe. Einen Großteil der Unzufriedenheit erkläre er sich dadurch, dass die Apotheker nicht Mitglied der ABDA sind. „Unsere Kommunikation richtet sich nur an unsere Mitglieder – das sind die Kammern und Verbände und nicht Sie! Wir sind kein Verein, in dem alle Apotheken Mitglied sind.“ Gefragt, weshalb die ABDA so „langsam“ sei, antwortete Kern, dass die teilweise langsamen Reaktionen „strukturell angelegt“ seien. Die gesundheitspolitische Stoßrichtung der ABDA werde von der Hauptversammlung und der Mitgliederversammlung bestimmt. Und die ABDA müsse sich an die Beschlusslage ihrer Gremien halten.

Wie geht es beim Rx-Versand­handel weiter?

In Sachen Rx-Versandverbot bestätigte Schmidt seinen Kurs der vergangenen Wochen. Er sagte erneut, dass es wohl ein Fehler gewesen sei, sich 24 Monate lang sehr stur auf das Rx-Versandverbot zu konzentrieren. Er sprach auch von einer „Blockadehaltung“. Andere Themen seien aus dem Fokus geraten.

Über den Umgang mit dem Versandhandel stünden ABDA und Bundes­ministerium für Gesundheit (BMG) in Kontakt. Sie würden beraten, wie man den EU-Versandhandel regulatorisch einschränken könnte. „EU-Versender in den Niederlanden werden faktisch nicht beaufsichtigt, weder aus Deutschland noch in den Niederlanden, weil sie ja keine niederländischen Patienten versorgen. Das gehen wir gemeinsam mit dem BMG aber an, das soll auf Ministerialebene geregelt werden“, so Schmidt.

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War gekommen, um Wogen zu glätten: ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

Zum Versandhandelskonflikt stellte er die Pläne für die nächsten Wochen und Monate vor. Am 11. Dezember werde Spahn in der ABDA-Mitgliederversammlung seine Pläne für den Apothekenmarkt vorstellen. Die ABDA rechne damit, dass das Gesetzespaket im Laufe des Jahres 2019 in Kraft treten soll. Am 17. Januar kommen die Apotheker dann nochmals in einer Mitgliederversammlung zusammen, um eine gemeinsame Reaktion auf Spahns Paket zu beschließen. Schmidt machte klar, dass er keine Einstimmigkeit erwarte, die werde es bei einem solchen Thema nie geben, meinte Schmidt.

Den Beschluss des EU-Parlaments über das Rx-Versandverbot für Tierarzneimittel bezeichnete Schmidt als „absoluten Wertungswiderspruch“. Politik sei aber keine Wissenschaft, sondern werde ganz viel „aus dem Bauch heraus“ gemacht.

DAT-Anträge, G-BA-Mitgliedschaft und mehr

Einige Apotheker stellten die Abläufe auf dem DAT infrage und beschwerten sich darüber, dass Anträge zu oft „verschwinden“ würden. Vereinzelt wurde auch Schmidts Sitzungsleitung kritisiert. Der ABDA-Präsident verwies darauf, dass er sich bei der Sitzungsleitung strikt an die Sitzungsordnung und die Satzung halten müsse.

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe diskutiert schon seit einiger Zeit, ob es sinnvoll ist, für einen dauerhaften Sitz der Apotheker im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) einzutreten. Schmidt erklärte dazu, dass man entweder Leistungen auslösen oder Leistungen bezahlen müsse, um Mitglied im Ausschuss zu werden.

Er stellte aber in Aussicht, dass sich das bald ändern könnte, wenn die Apotheker pharmazeutische Dienstleistungen anbieten.

Vereinzelt gab es Beschwerden zum Datenpanel. Es wurde moniert, dass die Teilnahme zu kompliziert sei. Schmidt gab hier seinen Kollegen Recht: „Auch ich habe die Befragung abgebrochen, weil Daten abgefragt wurden, die ich so schnell nicht besorgen konnte. Wir haben aber einen sehr renommierten IT-Anbieter und arbeiten daran.“

Beim Thema Fixhonorar musste Schmidt die Apotheker enttäuschen: „Es besteht politisch derzeit keine Chance auf eine Erhöhung oder Dy­namisierung – deswegen fordern wir die Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen auch zusätzlich zum Fixum.“

Zum Abschluss stellte ABDA-Sprecher Kern aktuelle Projekte seiner Abteilung vor. Dass die ABDA-PR-Arbeit dennoch öfters in der Kritik steht, begründete Kern so: „Wir tun viel, das nehmen Sie in Ihrer täg­lichen Arbeit der Apotheke aber vielleicht nicht wahr.“

Kammer will Nachwuchs­ausschuss gründen

Was die Aktivitäten der AKWL betrifft, verkündete Overwiening, dass ihre Kammer zum neunten Mal in Folge „Deutscher Fortbildungsmeister“ geworden sei – es habe im vergangenen Jahr etwa 27.000 Teilnahmen gegeben. Allerdings erreiche man etwa 60 Prozent der Mitglieder mit dem Fortbildungsangebot gar nicht. Ebenso berichtete sie über die Evaluation des Projektes „ApoAMTS“, das die Kammer mit der AOK Nordwest durchgeführt hat. Diese Evaluation habe gezeigt, dass in 60 Prozent aller Fälle in dem Projekt ein Arzneimittel-bedingtes Problem in der Therapie entstanden ist, das eine Intervention nach sich zog. Overwiening sieht das als „Chance“ für die Apotheker: „Wir können diesen Patienten helfen“, sagte sie. Außerdem beschlossen die Delegierten, einen Nachwuchsausschuss zu gründen. Dieser soll die Arbeit einer entsprechenden Arbeitsgruppe weiterführen. |

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