Arzneimittel und Therapie

Arzneimittel als Dickmacher

Mit der richtigen Therapie „schwer wiegende“ Nebenwirkungen vermeiden

Die weltweit wachsende Zahl übergewichtiger Personen ist ein multifaktorielles Problem. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann das Körpergewicht erhöhen. Doch in vielen Fällen gibt es Alternativen.

Medikamentöse Therapien sind nicht selten mit einer Zunahme an Körpergewicht verbunden – mit weitreichenden Konsequenzen, sei es das Über­gewicht selbst mit all seinen negativen Folgen oder die daraus resultierende Non-Adhärenz. Welche Arzneistoffe in dieser Hinsicht besonders problematisch sind, wurde in einer aktuellen Übersichtsarbeit aus Kanada anhand von Literaturdaten zusammengefasst.

Problematische Antipsychotika

Menschen mit psychischen Problemen neigen eher zur Gewichtszunahme als der Rest der Bevölkerung. Rund 70% der Patienten, die Psychopharmaka einnehmen, legen während der Behandlung Gewicht zu. Bei der Therapie der Schizophrenie führen vor allem Clozapin und Olanzapin zu einer signifikanten Gewichtszunahme, aber auch andere Antipsychotika wie Chlorpromazin, Quetiapin, Haloperidol und Risperidon. Aripiprazol hingegen bedingt eher einen Gewichtsverlust und könnte eine Alternative sein.

Antidepressiva haben einen geringeren Einfluss auf das Körpergewicht als Antipsychotika. Aufgrund der deutlich häufigeren Verschreibungen kommt dieser Nebenwirkung allerdings auch hier eine große Bedeutung zu. Den größten Einfluss auf das Körpergewicht haben trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin. Bei den selek­tiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) kommt es unter Citalopram zu einer Gewichtszunahme. Daher wird von den Autoren der Übersichtsarbeit eher zu Fluoxetin oder Sertralin geraten, die zu einer leichten Gewichtsabnahme führen.

Foto: Thomas Jansa – stock.adobe.com

Unterschiede bei Antidiabetika

Eine wichtige Rolle spielen die Antidiabetika, zumal 80% der Typ-2-Diabetiker unter Adipositas leiden. So führen die meisten Sulfonylharnstoffe zu einer Gewichtszunahme; Glimepirid scheint hier jedoch etwas weniger problematisch zu sein. DPP-4-Inhibitoren wie Saxagliptin und Sitagliptin gelten als gewichtsneutral. Metformin – das Mittel der ersten Wahl in der Behandlung des Typ-2-Diabetes – ist mit einer leichten Tendenz zur Gewichtsabnahme verbunden. Neuere antihyperglykämische Wirkstoffe, zu denen GLP-1-Agonisten wie Exenatide und Liraglutid sowie SGLT-2-Inhibitoren wie Dapagliflozin und Empagliflozin zählen, haben allesamt gewichtsreduzierende Effekte. Insulin selbst, das für Typ-1-Diabetiker die einzige Therapiemöglichkeit darstellt, bedingt wiederum eine Gewichtszunahme.

Bluthochdruck tritt bei übergewichtigen Personen vermehrt auf. Diätetische Maßnahmen und Gewichtsreduktion sind neben einer Behandlung mit Antihypertensiva essenziell. Glücklicherweise wirkt sich der Großteil der Antihypertonika gewichtsneutral oder sogar leicht gewichtsreduzierend aus. Nur unter Betablockern kann es in den ersten Monaten zu einer Gewichtszunahme kommen.

Zuletzt seien noch die Corticosteroide genannt, die bei langfristiger Einnahme zu einer signifikanten Zunahme des Körpergewichts führen. Leider gibt es in diesem Fall wenig bis keine Alternativen. Es hat sich aber gezeigt, dass bei täglich alternierender Gabe (z. B. Einnahme nur jeden zweiten Tag) der Einfluss auf das Gewicht reduziert werden kann.

Insgesamt scheint es basierend auf dieser Zusammenschau möglich zu sein, initial „gewichtsschonende” Arzneistoffe zu verordnen oder gegebenenfalls eine andere Therapie in Erwägung zu ziehen. Eine Änderung des Lebensstils mit Ernährungsumstellung und mehr Bewegung und Sport ist jedoch immer einen Versuch wert. Als letzte Möglichkeit schließlich bleibt die Gabe von Antiadiposita. Zusätzlich zu Orlistat und Amfepramon sind in den letzten Jahren zwei weitere Arzneimittel in Europa zugelassen worden: der GLP-1-Agonist Liraglutid (Saxenda®), der unter dem Handelsnamen Victoza® bereits seit Längerem bei Patienten mit Diabetes eingesetzt wird, und Mysimba®, eine nicht unumstrittene Kombination aus Bupro­pion und Naltrexon. |

Quelle

Wharton S et al. Medications that cause weight gain and alternatives in Canada: a narrative review. Diabetes Metab Syndr Obes 2018;11:427-438

Apothekerin Dr. Birgit Benedek

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