Aus der Hochschule

„Pharmazeutische Spitzenforschung hat eine Heimat“

Preisverleihung im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Phoenix group

Können mit Magic Mushrooms Depressionen behandelt werden? Kann ein Bakterium Wundauflagen herstellen? Dies sind nur zwei der Fragen, mit denen sich die Gewinner des diesjährigen Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreises beschäftigen. Zum 22. Mal wurde am Abend des 25. Oktober der auf 40.000 Euro dotierte Preis im Frankfurter Palmengarten vergeben.
Foto: Phoenix group
Preisträger und Jury (v.l.n.r.): Prof. Dr. Peter Gmeiner; Prof. Dr. Gabriele M. König; Prof. Dr. Dirk Hoffmeister, Universität Jena; Prof. Dr. Dagmar Fischer, Universität Jena; Oliver Windholz, CEO PHOENIX group; Prof. Dr. Peter Ruth; Prof. Dr. Rohini Kuner, Universität Heidelberg; Dr. Daniel Merk, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; Prof. Dr. Jörg Kreuter.

Mit der Ehrung werden jährlich innovative und herausragende Forschungsprojekte im pharmazeutischen Bereich ausgezeichnet. Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich konnten ihre Beiträge in vier Kategorien einreichen. Eine unabhängige Jury unter der Leitung von Professor Jörg Kreuter, Goethe-Universität Frankfurt am Main, bewertete die Arbeiten. Eine Gala-Veranstaltung, moderiert von Nina Ruge, umrahmte die festliche Preisverleihung. Die Veranstaltung bildete zudem den Auftakt für das 25-jährige Jubiläum der Phoenix group. Oliver Windholz, Vorstandsvorsitzender der Phoenix Pharma SE, verwies in seiner Eröffnungsrede auf die nahezu genauso langjährige Förderung pharmazeu­tischer Exzellenz durch den Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis: „Mit inzwischen über 80 ausgezeichneten Forschungsarbeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz leisten wir mit dem Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis unseren Beitrag, damit pharmazeutische Spitzenforschung in der DACH-Region eine Heimat hat. Spitzenforschung, die für die Gesundheitsversorgung von Menschen weltweit bahnbrechend sein kann.“ Die diesjährigen Preisträger sind:

  • Pharmazeutische Biologie: Unter der Leitung von Dr. Dirk Hoffmeister, Professor am Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, mit der Arbeit: Enzymatic Synthesis of Psilocybin (veröffentlicht in: Angewandte Chemie International Edition 56, 12352-12355). „Magic Mushrooms“, wie Psilocybe cubensis, enthalten Psilocybin, welches Strukturähnlichkeit zum Serotonin aufweist. Psilocybin führt zu Bewusstseinsveränderungen und ist wie LSD ein klassisches Halluzinogen. Es greift als partieller Agonist hauptsächlich am 5HT2A-Rezeptor des menschlichen zentralen Nervensystems an. Psilocybin wird derzeit hinsichtlich seines Einsatzes zur Behandlung therapieresistenter Depressionen oder bei Angstzuständen im Zuge fortgeschrittener Krebserkrankungen in klinischen Studien der Phase III untersucht. Die Arbeitsgruppe um Prof. Hoffmeister konnte Psilocybin in einer kombinierten Reaktion mit PsiD, PsiK und PsiM in vitro synthetisieren. Angesichts des wieder aufkommenden pharmazeutischen Interesses an Psilocybin schaffen diese Ergebnisse eine Grundlage für dessen biotechnologische Produktion in vitro oder in vivo.
  • Pharmazeutische Technologie: Unter der Leitung von Dr. Dagmar Fischer, Professorin am Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, mit der Arbeit: Controlled extended octenidine release from a bacterial nanocellulose/ Poloxamer hybrid system (veröffentlicht in: EJPB 112 (2017) 164-176). Die Forschungsgruppe verwendete bakterielle Nanocellulose zur Herstellung von Wundauflagen. Im Fall von Octenidin, einem Antiseptikum in der Wundbehandlung, ist es gelungen, über den Einbau von Poloxamer-Polymeren in Form von Mizellen oder Gelstrukturen in Nanocellulose ein Hybridsystem zu schaffen, das Wirkstoffe etwa als moderne Wundauflage freisetzen kann. In der klinischen Praxis bedeutet das weniger Verbandswechsel und damit mehr Patientencompliance, Kosten- und Zeiteinsparung. Das Material besitzt zudem heraus­ragende Eigenschaften bei der Wasseraufnahme, Weichheit und Flexibilität, kombiniert mit einer exzellenten Bioverträglichkeit. So entstand ein kontrollierbares Wirkstoffträgersystem für die langanhaltende dermale Wund­behandlung.
  • Pharmazeutische Chemie: Unter der Leitung von Dr. Daniel Merk, Nachwuchsgruppenleiter an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und Fellow an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, mit der Arbeit: A Dual Modulator of Farnesoid X Receptor and Soluble Epoxide Hydrolase to Counter Nonalcoholic Steatohepatitis (veröffentlicht in: Journal of Medicinal Chemistry 2017;60(18):7703-7724). Die nicht alkoholische Fettleber und die nicht alkoholische Steatohepatitis als deren fortgeschrittene Form gelten als hepatische Manifesta­tion des metabolischen Syndroms. Die Forschungsgruppe um Dr. Merk hat ­einen experimentellen Wirkstoff entwickelt, der simultan zwei biologische Zielstrukturen moduliert, deren jeweilige Wirksamkeit bei nicht alkoholischer Steatohepatitis in klinischen Studien bzw. funktionellen Tiermodellen belegt ist. Insbesondere die Aktivierung des farnesoiden X-Rezeptors (FXR), die antisteatoide und antifibro­tische Effekte in klinischen Studien zeigte, kombiniert mit der Hemmung der löslichen Epoxidhydrolase (sEH) als entzündungshemmende Strategie verspricht Synergien. Um dieses duale Konzept zu nutzen, hat das Team Agenten entwickelt, die einen partiellen FXR-Agonismus und eine sEH-hemmende Aktivität ausüben. Die Zusammenführung bekannter Pharmakophoren und die systematische Erforschung der Struktur-Aktivitäts-Beziehung an beiden Targets ergab duale Modulatoren mit niedriger nanomolarer Potenz. Umfangreiche In-vitro-Charakterisierung bestätigte eine hohe duale Wirksamkeit im zellulären Kontext in Kombination mit einer geringen Toxizität, und die Daten des Piloten in vivo zeigten eine positive Pharmakokinetik sowie eine Beteiligung an beiden Targets in vivo.
  • Pharmakologie und Klinische Medizin: Unter der Leitung von Dr. Rohini Kuner, Professorin am Institut für Pharmakologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, mit der Arbeit: Semaphorin-4C Plexin-B2 signaling in peripheral sensory neurons is pronociceptive in a model of inflammatory pain (veröffentlicht in: Nature Communications 8,176,1-15). Prof. Kuner und ihr Team zeigten im Mausmodell, dass der Rezeptor Plexin-B2 und sein Ligand Semaphorin-4C in peripheren sensorischen Neuronen beim Erwachsenen unter Entzündung stark vermehrt ist und zu der bei Entzündungen auftretenden Hyperalgesie beiträgt. Darüber hinaus wird der Ligand bei Entzündung auch von Immunzellen abgegeben, was sich zusätzlich schmerzverstärkend auswirkt. Diese Ergebnisse deuten auf wichtige Rollen für die Plexin-B2-Signalisierung in der Sinnesfunktion hin, die bei pathologischen Schmerzen von therapeutischer Bedeutung sein kann. |

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