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Jede Apotheke zählt!

Ein Kommentar von Thomas Müller-Bohn

Dr. Thomas Müller-Bohn, DAZ-Redakteur

Honorierung und Digitalisierung sind derzeit offenbar die beiden wichtigsten Schlüssel zur Zukunft der Apotheken. Bei beiden Themen hat sich die ABDA jahrelang kaum bewegt. Bei der Digitalisierung hatte das durchaus Gründe. Solange die Politik selbst zögerte, erschien vorsichtiges Abwarten zumindest als eine plausible Taktik. Denn es drohte vieles ungünstig zu laufen. Doch das ist vorbei, weil die Politik keinen Zweifel mehr lässt: Sie will die Digitalisierung – jetzt! Darum hat sich die ABDA plötzlich die Entwicklung des E-Rezeptes auf die Fahnen geschrieben und auch die Landesverbände zeigen sich offen. Jüngster Coup ist in Schleswig-Holstein die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung beim gemeinsamen digitalen AMTS von Ärzten und Apothekern (siehe Seite 16). Die kann nun vor der (immer noch nicht anlaufenden) Einführung der Telematikinfrastruktur in den Apotheken stattfinden. Plötzlich kann es nicht schnell genug gehen.

Und bei der Honorierung? Am Honorargutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums wurde seit 2016 gearbeitet. Es war reichlich Zeit sich vorzubereiten, aber es passierte nichts. Stattdessen verfolgt die ABDA ihre Forderungen nach einer Honorarerhöhung nicht weiter, um nicht die Anwendung des Gutachtens zu forcieren. Doch nun ist die ABDA aktiv geworden und erstellt ein Datenpanel. Das kommt spät, sehr spät, aber es bleibt richtig. Früher wäre es besser gewesen, aber das ist jetzt kein Gegenargument. Die Apotheker brauchen diese Daten. Denn andere kursierende Daten sind offenbar unzureichend. Das Honorargutachten nutzt überwiegend Daten aus einer Sonderauswertung des statistischen Bundesamtes. Darin erscheinen nicht einmal die eigentlich unproblematisch zu erhebenden Angaben zur Apothekenzahl plausibel (siehe DAZ 2018, Nr. 40, S. 11). Die Ertragsdaten enthalten dort wohl auch apothekenfremde Einkommen der Apothekenleiter, wie Dr. Frank Diener dazu ­angemerkt hatte. Eine Aufteilung zwischen klassischem Apotheken­geschäft und Spezialversorgung erscheint mit diesen Daten erst recht unrealistisch. Die bisher von der ABDA genutzten Daten der Treuhand Hannover werden zwar mit viel Hintergrundwissen erhoben und sicherlich sorgfältig um Verzerrungen bereinigt, aber sie sind leider politisch ziemlich verbraucht. Spätestens seit der Debatte um die Honorarerhöhung von 2013 zeichnet sich ab, dass die Politik neue Daten haben möchte. Ob das wirklich nötig ist, muss nicht mehr interessieren. Wenn die Politik neue Daten haben will, sollten die Apotheker liefern. Zudem gibt es einige interessante neue Fragen, zu denen der bisherige Datensatz wenig hergibt. Die Apotheken und die Arzneimittel sind vielfältiger geworden. Neue Formen der Spezialversorgung sollten die Daten zur klassischen Versorgung nicht verzerren. Die Politik lehnt zwar seit Jahren Argumentationen mit der „typischen“ Apotheke ab, aber Durchschnitte mit Spezialversorgern sagen viel weniger aus. Denn die Grundversorgung muss sich rechnen, wenn das bewährte Prinzip Apotheke weiterhin flächendeckend funktionieren soll. Dabei zählt jede Apotheke. Genau das gilt auch für das ABDA-Datenpanel. Seine Aussagekraft und seine politische Bedeutung werden von der Zahl der teilnehmenden Apotheken abhängen. Der Ärger über das lange Zögern der ABDA oder auch die Mühen bei der Beantwortung der Fragen sollten darum niemanden von der Teilnahme abhalten. Jede Apotheke zählt. Darum sollten alle mitmachen. Wie ­sollten Informationen über die Apothekenwirklichkeit denn sonst in der Politik ankommen?

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