Arzneimittel und Therapie

Adalimumab – ohne Patent, aber mit neuer Fachinformation

Vorsicht in der Schwangerschaft, Entwarnung in der Stillzeit

cel/cst | Fast zeitgleich mit dem Startschuss zahlreicher Adalimu­mab-Biosimilars am 17. Oktober 2018 wartet auch Originalhersteller Abbvie bei Humira® mit Neuem auf – mit nichts Geringerem als Daten zur Anwendung des TNFα-Anti­körpers in Schwangerschaft und Stillzeit.

Noch immer gilt, dass Frauen im gebärfähigen Alter unter Humira® eine effektive Empfängnisverhütung praktizieren und diese auch bis fünf Monate nach der letzten Applikation beibehalten sollen. Jedoch deuten die Neubewertung von Pharmakovigilanzdaten und die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie „nicht auf eine erhöhte Rate von Missbildungen bei Neugeborenen hin“, so der neue Wortlaut der Fachinformation zu Humira®. Bewertet wurden 2100 prospektiv erfasste Schwangerschaften mit einer Exposition gegenüber Ada­limumab; ein Großteil davon (> 1500) war im ersten Trimenon exponiert.

In der prospektiven Kohortenstudie wurden Schwangerschaften von 257 Frauen unter Adalimumab und rheumatoider Arthritis (RA) oder Morbus Crohn (MC) mit 120 Patientinnen ohne Adalimumab-Therapie verglichen. Der Anteil an Schwangerschaften mit mindestens einem lebend geborenen Kind, das einen schwerwiegenden Geburtsfehler hatte, betrug 6/69 (8,7%) bei mit Adalimumab behandelten RA-Patientinnen, 5/74 (6,8%) bei unbehandelten Frauen mit RA, 16/152 (10,5%) bei mit Adalimumab behandelten MC-Patientinnen und 3/32 (9,4%) bei unbehandelten Frauen mit MC. Daraus errechnete sich eine bereinigte Odds-Ratio für RA und MC zusammen von 1,10 (95%-Konfidenzintervall 0,45 bis 2,73).

Zur Anwendung in der Stillzeit wurde die veröffentlichte Fachliteratur neu bewertet: Adalimumab geht nach aktuellem Stand der Wissenschaft in geringen Teilen (0,1 bis 1% der maternalen Serumspiegel) in die Muttermilch über. Dennoch werden keine Auswirkungen auf den Säugling erwartet, da bei oraler Anwendung Proteine wie IgG eine intestinale Proteolyse durchlaufen und somit schlecht bioverfügbar sind. „Folglich kann Humira® während der Stillzeit angewendet werden“, so die aktuelle Fachinformation. In diesem Punkt hat sich die Risikoeinschätzung für Adalimumab deutlich geändert. Vor Aktualisierung der Fachinformation durften Frauen nach der letzten Gabe von Humira® fünf Monate lang nicht stillen. Die Fachinformation wurde bislang lediglich für Humira® angepasst; bei den seit EU-Patentablauf im Markt be­findlichen Biosimilars (Amgevita®, Hyrimoz®, Imraldi®) steht die Aktualisierung noch aus. |

Das könnte Sie auch interessieren

Abbvie liefert neue Daten zu Humira

Adalimumab in Schwangerschaft und Stillzeit?

Neue und bewährte Optionen in der Therapie der rheumatoiden Arthritis

MTX und Co. bei Rheuma

Sodbrennen in der Schwangerschaft

Neues Gaviscon Liquid extra für Schwangere

Topische Corticoide in der Schwangerschaft

Harmlos oder kontraindiziert?

Antidepressiva in der Schwangerschaft

Absetzen kann Mutter und Kind gefährden

Antiepileptika in der Schwangerschaft unter der Lupe

Riskantes Valproat

Wie in der Rheumatherapie Infektionsrisiken durch Biologika verringert werden können

Löchriges Schutzschild

Den Einsatz in der Schwangerschaft genau abwägen

Das Für und Wider von Paracetamol

Wie sich Schmerzlinderung in der Schwangerschaft auf das Baby auswirkt

OTC-Analgetika mit Folgen?

Risiken von Natalizumab in der Schwangerschaft abwägen

Fehlgeburt oder Schub?

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.