DAZ aktuell

Streit ums Dispensierrecht für Ärzte

Politiker reagieren offen bis ablehnend auf Vorstoß des Deutschen Hausärzteverband-Chefs

BERLIN (ks/bj) | Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag erwähnt hatte, er könne sich Impfungen in der Apotheke vorstellen, passierte genau das, was die ABDA hatte vermeiden wollte: Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt forderte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Dispensierrecht für Ärzte. Eine absehbare Reaktion, die auch die Politik herausforderte.

Der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), hatte sich in der FAZ sowohl für die von Weigeldt ins Spiel gebrachte Arzneimittelabgabe durch Ärzte als auch das Impfen durch Apotheker offen gezeigt: Man dürfe sich neuen Versorgungsformen nicht verschließen. Allerdings sagte Rüddel auch, dass Ärzte nicht überfordert werden sollten. Momentan sehe er nicht die Kapazitäten für zusätzliche Leistungen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach reagierte sogleich per Twitter: „Grundsätzlich wäre es nicht falsch, wenn unter besonderen Bedingungen Ärzte auch Arzneimittel abgeben dürften, z. B. bei Schmerzen oder im Rahmen von Hausbesuchen bei wenig mobilen Patienten. Wir müssen ein flexibleres unbürokratisches System entwickeln.” Gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) präzisierte er dann: Es gebe viele Situationen, in denen die Versorgung der Patienten verbessert werden könnte, wenn Hausärzte selbst Medikamente abgeben dürften. Lauterbach sagte aber auch, dass Hausarztpraxen nicht die Apotheken ersetzen dürften. Ein Apothekensterben wäre fatal für die Versorgungssicherheit der Menschen gerade auf dem Land. Mehr Flexibilisierung für Ärzte müsse daher einhergehen mit der Stärkung der Apotheken, etwa durch eine höhere Vergütung von Beratungsleistungen. „Es geht um ein Gesamtpaket“, so Lauterbach.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wies den Vorstoß Weigeldts dagegen zurück: „Die arzneimittelrechtlichen Regelungen zur Abgabe von Medikamenten haben sich seit Jahrzehnten auch in Notsituationen bewährt.“ Das gelte insbesondere auch für die Präsenzapotheke. Laumann: „Wir brauchen die Apotheke vor Ort, genauso wie wir den Hausarzt vor Ort benötigen. Beide Professionen sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Für mich steht aber fest: Arzneimittel sind Waren besonderer Art und gehören in die Hand des Apothekers!“

Auch Kordula Schulz-Asche (Grüne) stellte sich auf die Seite der Apotheker: „Bei circa 50.000 zugelassenen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, von denen ein großer Teil auch noch vor Ort vorrätig gehalten wird, können nicht einfach Hausärzte einen Teil dieser Versorgung übernehmen.“ Gerade bei Mehrfachmedikationen sei für Patienten die pharmazeutische Kompetenz der Apotheker unverzichtbar. Schulz-Asche verwies auch auf die strikte Trennung von Verschreibung und Abgabe: Ihr Sinn sei, die Patienten vor ökonomischen Interessen bei der Behandlung zu schützen. „Der Veterinärbereich mit den Antibiotikaresistenzen zeigt uns ja die negativen Folgen.“ Zugleich appel­lierte die Grüne an Apotheker und Ärzte: „Zusammenarbeit ist das Zauberwort.“

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Andrew Ullmann – selbst Mediziner – meldete sich ebenfalls per Twitter im Sinne der Apotheker zu Wort: „Wenn ärztliche oder politische Kollegen fordern, dass Ärzte Arzneimittel verteilen sollen, dann zeugt das von wenig Wissen über die Ausbildung und Aufgaben eines Pharmazeuten. Die Bürger verdienen eine professionelle gesundheitliche Versorgung.“ |

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