Apotheke und Markt

Schieferöl modern interpretiert

Ichthotop® zur Behandlung bakterieller Hauterkrankungen

gc | Antibiotika-Resistenzen sind eine hochaktuelle Problematik. Schon heute sterben weltweit ungefähr 700.000 Menschen jährlich an Infektionen mit resistenten Keimen [1]. Selbst in den Ländern der EU gibt es nach aktuellen Schätzungen der WHO jedes Jahr etwa 25.000 Todesfälle durch Infektionen mit multiresistenten Bakterien [2]. Dabei sind nicht nur systemische Antibiotika ein Problem. Auch die Behandlung mit topischen antibiotikahaltigen Präparaten birgt ein Risiko für Resistenzen. Mit dem seit Kurzem verfügbaren Ichthotop® lassen sich bakterielle Hauterkrankungen ohne Antibiotika therapieren. Damit stellt das Präparat eine gute Alternative zu herkömmlich eingesetzten topischen Antibiotika dar.
Foto: Ichthyol Gesellschaft

Ichthotop® ist ein antibiotikafreies Gel, das speziell für die Behandlung bakterieller Hautinfektionen entwickelt wurde. Das rezeptfreie Arzneimittel enthält als Wirkstoff Natrium­bituminosulfonat hell, eine aus Schieferöl gewonnene, über Jahrmillionen herangereifte Substanz natürlichen Ursprungs. Sie ist auch unter dem Begriff helles Ichthyol® bekannt und hat sich bereits seit Jahrzehnten in dermatologischen Zubereitungen für die Behandlung bakterieller Hautinfektionen bewährt. Bis heute wurde keine Resistenzentwicklung gegen diesen aus der Urzeit stammenden Wirkstoff beo­bachtet. Ichthotop® ist gut haut­verträglich und daher schon für Kinder ab dem vierten Lebensmonat sowie für Erwachsene zugelassen.

Antibakterieller Effekt

In aktuellen Untersuchungen zeigte der Wirkstoff eine gute Wirksamkeit gegen die häufigsten Erreger bakterieller Hautinfektionen, insbesondere Staphylokokken inklusive multiresistenter Keime (MRSA) und Streptokokken. Hierbei gelang der Nachweis, dass der Wirkstoff auf Stämme mit Antibiotika-Resistenzen ebenso gut wirkt wie auf sensible Stämme. So bestätigte eine kürzlich am Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Münster durchgeführte Untersuchung mittels Mikrodilutionsverfahren die antibakterielle Wirkung gegenüber grampositiven Bakterien. Es wurde die Aktivität von Natriumbituminosulfonat hell gegen verschiedene Staphylokokken-, Streptokokken- und Enterokokken-Spezies untersucht, die häufig zu Hautinfektionen führen. Dabei wurde für zwölf Isolate von Methicillin-resistenten S. aureus (MRSA) eine minimale Hemmkonzen­tration von 0,125 bis 0,25 mg/ml ermittelt [3]. Das untermauert vorherige Nachweise der antibakteriellen Wirksamkeit mittels Agardiffusions- und Agardilutionsverfahren.

Antientzündliche Wirkung

Die guten Behandlungsergebnisse sind auf zwei pharmakologische Effekte zurückzuführen. Ichthotop® hat nicht nur eine sehr gute antibakterielle Wirksamkeit. Es ist zudem eine antiinflammatorische Wirkung bekannt und mehrfach in experimentellen Untersuchungen über die enzymatische Hemmung des Arachidonsäure-Metabolismus nachgewiesen worden. Natriumbituminosulfonat hell hemmt konzentrationsabhängig das Enzym 5-Lipoxigenase menschlicher polymorpher Leukozyten [4]. Als Resultat wird die Bildung der durch die 5-Lipoxigen­ase katalysierten Metaboliten reduziert. Insbesondere folgt hieraus eine verminderte Bildung und Freisetzung des potenten Entzündungsmediators Leukotrien B4 (LTB4) und eine Hemmung der Leukozytenmigration [5]. Weitere experimentelle Untersuchungen an Peritonealmakrophagen des Meerschweinchens zeigten eine Hemmung verschiedener an Entzündungen beteiligter Makrophagen-Antworten: Dosis-abhängige Hemmung der LTB4-induzierten Calcium-Mobilisation sowie Freisetzung von Sauerstoffradikalen und LTB4-induziertem Wasserstoffperoxid [6].

Proliferationsfördernd

Eine In-vitro-Untersuchung an Keratinozyten lieferte zudem Hinweise auf eine proliferationsfördernde Wirkung [7]. Mit Natriumbituminosulfonat hell im Medium kultivierte HaCaT Keratinozyten zeigten nach 72 Stunden im Vergleich zur Kontrolle eine erhöhte Anzahl transformierter Zellen. Von den zusätzlich bestimmten Wachstumsfaktoren TGF-β1, PDGF-AB, PDGF-BB und EGF im Medium erhöhte sich die Konzentration von PDGF-AB um 20 Prozent (PDGF-AB stimuliert die Heilung von Gewebe).

[1] Review on Antimicrobial Resistance: O’Neill et al. 2014

[2] www.euro.who.int/de/health-topics/disease-prevention/antimicrobial-resistance/antibiotic-resistance

[3] Becker K, Idelevich E.A. Neue mikrobiologische Studiendaten zur antibakteriellen Wirkung von Natriumbituminosulfonat – Vortragszusammenfassungen.

[4] Steinhilber D. In vitro determination of lipoxygenase and soluble epoxide hydrolase inhibition by light sodium bituminosulphonate (Ictasol) – unveröffentlicht. 2017

[5] Czarnetzki B.M. Inhibitory effects of shale oils (Ichthyols) on the secretion of chemotactic leukotrienes from human leukocytes and on leukocyte migration. J Invest Dermatol 1986;87(6):694-697.

[6] Rabe K.F. et al. Inhibitory effects of sulfonated shale oil fractions on the oxidative burst and Ca++mobilization in stimulated macrophages. Arzneimittelforschung 1994;44(2):166-170.

Quelle

Ichthyol-Pressetermin „Antibiotikaresistenzen – zeitgemäße topische Behandlung von Hauterkrankungen“ am 20. September 2018 in Hamburg. Veranstaltet von der Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. (GmbH & Co.) KG

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