Deutscher Apothekertag 2018

Beste Welten

Kommentar von Michael Brysch

Dr. Michael Brysch, Chefredakteur „AWA – Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker“

Die „beste aller Welten“ ließ Voltaire seinen Antihelden Candide im gleichnamigen Roman vor gut 250 Jahren suchen. Nun liegt die „beste aller Apothekenwelten“ – das dürfte seit geraumer Zeit außer Frage stehen – nicht in der Zukunft, sondern vielmehr in der Vergangenheit. Zwar mag manch einer noch gehofft haben, dass zumindest das Rx-Versandverbot bald gesetzlich verankert und somit als einzige derzeit offen auf dem Tisch liegende Lösung dafür sorgen würde, dass die ausländischen Versender wieder nach den gleichen Regeln spielen müssen wie unsere hiesigen Apotheken. Diesen Hoffenden dürften spätestens mit der Ernennung Jens Spahns zum Gesundheitsminister Zweifel gekommen sein. Aus diesen Zweifeln ist auf dem Deutschen Apothekertag mit Spahns Rede – ebenso wie mit dem von Friedemann Schmidt Gesagten und (bewusst) Ungesagten – die Gewissheit geworden, dass das Verbot nicht kommen wird. Das müssen wir, so schwer es fällt, akzeptieren.

Spahn hat angekündigt, dass er in den nächsten sechs bis sieben Monaten die „Arzneimittelversorgung“ angehen wird. Und er hat Diskussionsbereitschaft mit der Apothekerschaft signalisiert. Auf dieses An­gebot sollten wir eingehen. Denn so wenig Konkretes Spahn in seiner Rede offenbart, ja, so wenig er einen erhofften Alternativvorschlag zum Verbot vorgestellt hat, so sehr ist doch damit zu rechnen, dass er – gerade im Hinblick auf seine weiteren Karriereambitionen – nach diesen sechs bis sieben Monaten tatsäch­liche Resultate vorlegen will und wird. Dabei dürfte es ihm – auch das hat er in seiner Rede angedeutet – gleichgültig sein, ob die entsprechenden Maßnahmen zusammen mit oder aber ohne unseren Berufsstand entwickelt werden.

Candide, dem anfänglich unerschütterlichen Optimisten, widerfuhr in Voltaires Roman ein Übel nach dem anderen. Die „beste aller Welten“, die aus einer gütigen Vorsehung ­resultiert, fand er auf seiner Suche nicht. Dennoch gelangte er am Ende zu der Einsicht, dass sich die Welt durch den eigenen aktiven Einsatz im Rahmen des Möglichen durchaus verändern lässt.

Natürlich sollte dieser Einsatz nicht darin bestehen, auf Biegen und Brechen mit dem Kopf gegen die Wand anzurennen. Denn diese Wand dürfte in unserem Falle nicht aus einer Spa(h)nplatte, sondern vielmehr aus Beton bestehen. Ergreifen wir also stattdessen die angebotene Hand: Tritt der ganze Berufsstand in der Diskussion geschlossen auf, zeigt sich offen-konstruktiv auch bei neuen Vorschlägen und gibt außerdem zu erkennen, dass ihm ebenfalls an zügigen (nichtsdestotrotz wohldurchdachten) Resultaten gelegen ist, dann besteht immerhin die Chance auf die „noch bestmögliche aller Apothekenwelten“.

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