Prisma

Dufte Haarpracht

Geruchsrezeptor reguliert Haarwachstum

us | Gute Nachrichten für Menschen mit Haarausfall: Eine aktuelle Publikation enthüllt einen vielversprechenden Ansatz, mit dem sich der Haarwuchs auf unerwartete Weise stimulieren lässt.
Foto: Madeleine Steinbach – stock.adobe.com
Der typische Sandelholzgeruch wird den Santalolen zugeschrieben. Das Haarwachstum wurde allerdings durch einen synthetisch hergestellten Duftstoff angeregt.

Olfaktorische Rezeptoren haben eine weithin bekannte Funktion: Die Wahrnehmung von Gerüchen. Darüber hinaus erfüllen sie jedoch zahlreiche andere physiologische Aufgaben, die längst nicht alle bekannt sind. Ein Team von Wissenschaftlern um Dr. Jérémy Chéret von der Skin and Hair Research Solutions GmbH in Münster berichtet nun von einem ganz besonderen Geruchsrezeptor in menschlichen Haarfollikeln, der die Bezeichnung OR2AT4 trägt. Wird der Rezeptor durch den synthetischen Sandelholzduftstoff Sandalore (3-Methyl-5-­[2,2,3-trimethylcyclopent-3-en-1-yl]pentan-2-ol) aktiviert, wird vermehrt der Wachstumsfaktor IGF-1 produziert ­sowie die Apoptose der Haarfollikel verhindert. Dadurch kommt es zu einer Verlängerung der Wachstumsphase der Haare. Umgekehrt lässt sich OR2AT4 durch den kompetitiven Antagonisten 2-Phenoxyethylisobutyrat inhibieren, wodurch das Haarwachstum zum Erliegen kommt. Nach Still­legung des OR2AT4-Gens zeigte der Sandelholzduft keine Wirkung mehr, was den Schluss zulässt, dass es sich bei der Anregung des Haarwachstums um einen OR2AT4-spezifischen Effekt handelt. Die endogenen Liganden des Rezeptors sind noch unbekannt. Wahrscheinlich sind es Moleküle, die dem synthetischen Duft ähneln. Neben kurzkettigen Fettsäuren kommen dabei auch bakterielle Stoffwechselprodukte infrage. Der Duft eines Shampoos könnte in Zukunft nicht nur unsere Nasen erfreuen, sondern dem ein oder anderen auch zu einer fülligeren Haarpracht verhelfen. |

Quelle

Chéret J et al. Olfactory receptor OR2AT4 regulates human hair growth. Nat Commun 2018;9(1):3624

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