Arzneimittel und Therapie

Keine erhöhte Sterblichkeit unter Neuroleptika ...

... außer bei Demenz

Insgesamt betrachtet ist die Sterblichkeit unter einer Kurzzeittherapie mit Neuroleptika nicht erhöht, so die Ergebnisse einer großen Metaanalyse. Bei einzelnen Patientengruppen könnte der Einsatz jedoch ris­kant sein: Bei Demenzpatienten wurde eine erhöhte Mortalität fest­gestellt.

Einerseits stehen Neuroleptika im Verdacht, durch Nebenwirkungen die Mortalität zu erhöhen. Andererseits kann eine fehlende Behandlung der Grunderkrankungen ebenfalls die Lebenserwartung der Patienten verringern. Die Studienlage zu dieser Thematik ist heterogen und lässt Argumentationen in beide Richtungen zu. Eine neue Meta­analyse versuchte nun, diese Widersprüche zu ergründen.

Foto: Kristin Gründler - stock.adobe.com
Bei Demenzpatienten könnten Neuroleptika das Leben verkürzen. Auch deswegen lohnt sich ein Absetzversuch. Wie man dabei am besten vorgeht, erfahren Sie in DAZ 2018, Nr. 17, S. 30.

Insgesamt wurden 352 randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 85.000 Patienten, die mit Neuroleptika der zweiten Generation, Haloperidol oder Placebo behandelt wurden, analysiert. In der Gesamtpopulation wurde kein akuter Effekt der Neuroleptika auf die Mortalität im Vergleich zu Placebo festgestellt – weder hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit noch hinsichtlich Tod aufgrund natürlicher Ursachen, Suizid oder Tod aufgrund anderer unnatürlicher Ursachen. Die Subgruppenanalysen ergaben jedoch Hinweise auf eine erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit unter Demenzpatienten (Odds-Ratio 1,56; 95%-Konfidenzintervall 1,10 – 2,21). Nach Ausschluss dieser Gruppe zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den anderen untersuchten Patientengruppen oder zwischen den eingesetzten Wirkstoffen (Amisulpirid, Aripi­prazol, Asenapin, Brexipiprazol, Cariprazin, Clozapin, Iloperidon, Lurasidon, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon, Sertindol, Ziprasidon, Zotepin und Halo­peridol).

Die Metaanalyse beschränkte sich auf den Einfluss einer Kurzzeittherapie auf das Mortalitätsrisiko und berücksichtigte nur Todesfälle, die innerhalb des Behandlungszeitraums bzw. innerhalb von 24 Stunden nach Verabreichung eines Neuroleptikums auftraten. Da der Großteil der zugrunde liegenden Studien eine Dauer von 13 Wochen oder weniger aufwies, können keine Aussagen zur Mortalität bei Langzeitanwendung von Neuroleptika abgeleitet werden. |

Quelle

Schneider-Thoma J. Second-generation antipsychotic drugs and short-term mortality: a systematic review and meta-analysis of placebo-controlled randomised controlled trials. Lancet Psychiatry 2018;5(8):653-663

Apothekerin Sarah Katzemich

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.