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Toxikologie

Tödliche Gefahren im Herbst

Manche Pilze und Früchte sehen harmlos aus, können aber giftig sein

Ein herbstlicher Spaziergang kann durchaus gefährlich sein, wenn man unbedacht die Früchte des Waldes genießt, ohne sie richtig zu kennen. Mit den Früchten des Waldes sind im übertragenen Sinne vor allem Speisepilze gemeint, die im Spätsommer oder Herbst gern gesammelt und gegessen werden. Verwechslung oder Unkenntnis können dabei verheerende Folgen haben. Aber auch Beeren und andere Früchte, die im Herbst zu finden sind, können unter Umständen zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen. Vor allem kleine Kinder, die Pilze, Beeren oder andere Pflanzenteile in den Mund stecken, können sich leicht vergiften. | Von Antje Jelinek

Giftpilze, die zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen, enthalten Giftstoffe, die zytotoxisch sind und bestimmte Organe nachhaltig schädigen können. Typisch sind bei diesen Vergiftungs-Syndromen eine ausgesprochen lange Latenzzeit und eine mitunter komplette Zerstörung des betroffenen Organs.

Beim Phalloides-Syndrom hemmen Amanitin und andere Amatoxine durch Blockade der RNA-Polymerase die Transkription. So wird die Proteinsynthese gehemmt und besonders die Zellen der Darmschleimhaut und die Leberzellen sterben ab. Nach acht bis zwölf Stunden, bei leichten Vergiftungen nach 13 bis 36 Stunden, kommt es zu wiederholtem Erbrechen und wässrigen Durchfällen, die über Tage anhalten. Anschließend folgt eine vorübergehende trügerische Phase mit subjektiver Besserung. Nach ein bis zwei Tagen kommt es zur irreversiblen Leberschädigung, einige Tage später auch zu Nierenschädigung. Trotz intensiver Therapie droht ein akutes Leberversagen mit Todesfolge. Besonders gefährlich sind der Grüne, der Weiße und der Spitzkeglige Knollenblätterpilz, die mit Grünen Täublingen oder Champignons verwechselt werden könnten. 10 g Pilzmaterial kann hier schon tödlich sein. Das heißt, dass ein einziger Pilz in einer Pilzmahlzeit mehrere Personen tödlich vergiften kann und auch geringe Mengen, wie sie z. B. von Kleinkindern unter Umständen „gekostet“ werden, äußerst gefährlich sind. Knollenblätterpilzvergiftungen kommen immer wieder vor, obwohl die Pilze sehr eindeutig zu identifizieren und auch im Ausland bekannt sind (Abb. 1). Der Pilz riecht angenehm nach Honig und schmeckt nussartig (bitte nicht probieren!). Diese Tatsache sowie ein unbedachter Umgang beim Pilzesammeln tragen dazu bei, dass immer wieder Intoxikationen mit diesen gefährlichen Pilzen, teilweise mit tödlichem Ausgang auftreten. Auch der Nadelholzhäubling, der mit Stockschwämmchen oder halluzinogenen Pilzen verwechselt werden kann, und Giftschirmlinge verursachen ein Phalloides-Syndrom.

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Abb. 1: Grüner Knollenblätterpilz(Amanita phalloides) im Wachstum (links) und ausgewachsen. Typische Merkmale sind die Manschette und die Knolle, die in einer Scheide steckt.

Ebenfalls gefährlich ist das Orellanus-Syndrom. Orellanin ist durch Hemmung der Nukleinsäuresynthese nephrotoxisch und führt nach zwei bis 20 Tagen zu komplettem Nierenversagen. Erst nach 36 Stunden kommt es zu unspezifischen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Lendenwirbelsäulenschmerzen, brennendem Durst, Poly- oder Anurie, schließlich zu Urämie, Hämaturie und Proteinurie. Vor allem der Orangefuchsige und der Spitzbucklige Raukopf können dieses Pilzsyndrom verursachen.

Halluzinogene Giftpilze

Halluzinogene Effekte findet man beim Pantherina- und beim Psilocybin-Syndrom. In aller Regel sind diese Vergiftungen nicht tödlich. Neben Intoxikationen durch Verwechslung, muss hier auch immer an eine absichtliche Vergiftung zum Herbeiführen eines Rauschzustandes gedacht werden. Die Pilzgifte beim Pantherina-Syndrom sind Ibotensäure und deren Derivat Muscimol (sogenanntes Pilzatropin), das sich beim Kochen, Trocknen und Lagern der Pilze bildet. Sie beeinflussen die GABA-Rezeptoren, erhöhen die Serotonin-Konzentration im ZNS und besitzen eine anticholinerge Wirkung. Die Symptome beginnen frühzeitig nach 15 bis 30 Minuten, selten erst nach ein bis zwei Stunden. Es kommt zu Mydriasis, Tachykardie, Schwindel, Gleichgewichts- und Gangstörungen. Typisch ist ein Rauschzustand oft mit Halluzinationen, bei dem die Patienten meist nicht zu beruhigen sind. Anschließend folgt ein tiefer fester Schlaf. Lebensbedrohlich sind diese Vergiftungen nur durch Tobsuchtsanfälle, Koma, Krämpfe und eventuelles Erbrechen mit Aspiration. Das Pantherina-Syndrom verursacht der Pantherpilz, der Rote und der Braune Fliegenpilz sowie der Narzissengelbe Wulstling (Abb. 2).

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Abb. 2: Der Pantherpilz (Amanita pantherina, links) und der Rote Fliegenpilz(Amanita muscaria) führen zum Pantherina-­Syndrom mit Rausch- und anticholinerger Wirkung.

Psilocybin und Psilocin sind Verursacher des Psilocybin-Syndroms und wirken durch Stimulation von Serotonin-Rezeptoren im ZNS. Die Filterung der Sinneswahrnehmungen wird herabgesetzt, wodurch ein Zuviel an Informationen in den höheren Hirnzentren Halluzinationen auslösen kann. 20 Minuten nach Pilzaufnahme kommt es zu bis zu fünf bis sechs Stunden anhaltenden Halluzinationen, zu verändertem Körperempfinden und verändertem Raum- und Zeitgefühl. Ähnlich einem LSD-Trip variieren die Art und Heftigkeit der Erscheinungen mit der Giftdosis. Eine große Pilz­dosis, unbewusste Giftaufnahme oder ein problematisches Umfeld bewirken oft negative Vorstellungen mit Angst, Depression, Verwirrtheit, und der Unfähigkeit zwischen Illusion und Realität zu unterscheiden. Vegetative Symptome sind Mydriasis, Tachykardie und Hypertonie. Psilocybin ist in bestimmten Düngerlingen, Kahlköpfen und Glockenschüpplingen enthalten.

Weniger gefährliche Giftpilze

Weniger gefährlich sind Pilze, die Magen-Darm-Beschwerden verursachen, diese können allenfalls zu einer gefährlichen Exsikkose durch Erbrechen oder Durchfall führen. Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe von Giftpilzen mit sehr unterschiedlichen Giftstoffen, z. B. Triterpene, Sesquiterpene oder Hydrazin-Derivate (Tab. 1). Hierzu gehört auch der Satanspilz, einer der wenigen giftigen Röhrlinge (Abb. 3).

Tab. 1: Giftpilze und Vergiftungssymptome[Quelle: Teuscher E, Lindequist U. Biogene Gifte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart]
Pilz
lateinischer Name
Pilzvergiftungs-Syndrom/Wirkung
mögliche Verwechslung mit
Grüner Knollenblätterpilz
Amanita phalloides
Phalloides-Syndrom mit Leberversagen, Nieren­versagen durch RNA-­Polymerasehemmung
Grünen Täublingsarten
Weißer Knollenblätterpilz
Amanita verna
Wiesen- und Anischampignon
Spitzkegeliger Knollen­blätterpilz
Amanita virosa
Nadelholz-Häubling
Gewächshaus-Häubling
Galerina marginata,
G. sulciceps
Stockschwämmchen,
Rauschpilzen
Giftschirmlinge
Lepiota spec.
essbaren Schirmlingen
Pantherpilz
Amanita pantherina
Pantherina-Syndrom, vor allem Rausch- und anticholinerge Wirkung
Grauem Wulstling, Perlpilz, Waldchampignon
Roter und Brauner Fliegenpilz
Amanita muscaria, A. regalis
Narzissengelber Wulstling
Amanita gemmata
Scheidenstreiflingen
Kahlköpfe, Düngerlinge, Glockenschüpplinge
Psilocybe-, Panaeolus-, Conocybe-Arten
Psilocybin-Syndrom (hallu­zinogene Wirkung)
Schwindlingen, Faserlingen, Rüblingen
netzstieliger Hexenröhrling
Boletus luridus
Coprinus-Syndrom, nur in­ Verbindung mit Alkohol, Hemmung der Acetaldehyd­dehydrogenase
essbaren Röhrlingen
Glimmertintling,
Faltentintling
Coprinus micacaeus und atramentarius
Schopftintling
Keulenfüssiger Trichterling
Clitocybe clavipes
essbaren Trichterlingen
Satanspilz
Boletus satanas
Magen-Darm-Syndrom
essbaren Röhrlingen
Karbol-Egerling
Agaricus xanthoderma
essbaren Champignons
Tiger-Ritterling
Tricholoma pardinum
essbaren Ritterlingen oder Rüblingen
Riesen-Rötling
Entoloma sinuatum
Birkenreizker
Lactarius torminosus
essbaren Reizgern und Milchlingen
Porphyrbrauner Wulstling
Amanita porphyria
Perlpilz, Grauem Wulstling
Ölbaumpilz
Omphalotus olearius
Pfifferling
Speitäubling
Russula emetica
essbaren Täublingen
Risspilze
Inocybe-Arten
Muscarin-Syndrom, Parasympathomimetikum
essbaren Ritterlingen
Weiße Trichterlinge
Clitocybe-Arten
essbaren Trichterlingen
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Abb. 3: Der Satanspilz Boletus satanas wird oft mit ess­baren Röhrlingen verwechselt.

Muscarin-haltige Pilze führen zu schweren aber selten tödlichen Vergiftungen. Muscarin kommt vor allem in Riss­pilzen und Weißen Trichterlingen in relevanter Menge vor. Das Muscarin-Syndrom entspricht einer Vergiftung mit Parasympathomimetika. Die Latenzzeit ist mit 15 Minuten bis zwei Stunden sehr kurz. Es kommt zu Brechdurchfällen, Schweißausbrüchen, Miosis und Hypersekretion (Tränenfluß, Speichelfluß, Bronchorrhoe). Gefahr besteht vor allem bei Asthma-Anfällen, Bradykardie und starker Hypotonie.

Auch unangenehm aber nicht lebensgefährlich ist das ­Coprinus-Syndrom. Vergiftungen treten nur auf, wenn gleichzeitig Alkohol konsumiert wird. Dabei kann ein Alkoholgenuss bis mindestens 24 Stunden unter Umständen bis zu zwei bis fünf Tagen nach der Pilzmahlzeit noch zu Symptomen führen. Das Pilzgift Coprin wird beim Kochen in die Wirkform 1-Amino-Cyclopropanol umgebaut, welches die Acetaldehyddehydrogenase hemmt. Durch das sich anreichernde Acetaldehyd kommt es 20 Minuten bis zwei Stunden nach Alkoholaufnahme zu Beschwerden wie Flush, Schweißausbrüchen, Gefühl der Schwellung von Gesicht und Händen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Herzrasen, Brustschmerzen, Atemnot, Pelzigkeit der Extremitäten, Schwäche und Verwirrung. Besonders Tintlinge und der Netzstielige Hexenröhrling verursachen das Coprinus-­Syndrom.

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Abb. 4: Die Schwarze Tollkirsche Atropa belladonna L enthält in ihren Früchten und Blättern Tropanalkaloide wie L-Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin.

Tödlich giftige Beeren und Früchte

Lebensgefährliche Früchte, die vor allem Kinder verlocken könnten zu probieren, enthalten oft Alkaloide. Besonders gefährlich ist dabei die Tollkirsche (Abb. 4), die in Wäldern mit kalkhaltige Böden oft zu finden ist. Die schwarzen glänzenden Beeren mit den typischen fünf Kelchblättern fallen auf und sind nicht unangenehm im Geschmack. Für Kleinkinder sind drei bis fünf, für Erwachsene zehn bis 20 Tollkirschen lebensgefährlich. Die Tollkirsche enthält wie auch Stechapfel und Bilsenkraut die Tropan-Alkaloide Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin, die peripher und zentral als Parasympatholytika wirken. Atropin und Hyoscyamin wirken zentral erregend, Scopolamin eher dämpfend. Typisch für die Vergiftungen mit diesen Pflanzen sind Mydriasis, Hyperthermie und Mundtrockenheit. Es kommt zu Tachykardie und psychischen Symptomen wie Angst, Halluzinationen, Erregung oder Dämmerzustand, schließlich zu Bewusstlosigkeit und Tod durch Atemstillstand. Während die Beeren der Tollkirsche zum Verzehr einladen, kann es bei Stechapfel und Bilsenkraut zu Intoxikationen durch die Einnahme der kleinen Samen kommen. Sie befinden sich in den sehr interessant aussehenden Kapseln (Abb. 5).

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Abb. 5: Blüte und Kapsel des StechapfelsDatura stramonium

Die Hülsenfrüchte des Goldregens sind ebenfalls sehr verlockend als Spielzeug für Kinder. Sie enthalten Cytisin, das ähnlich wie Nicotin an den Ganglien wirkt. Zehn Samen sind für Kinder lebensgefährlich. Es kommt zu Speichelfluss, Schweißausbruch, starkem Erbrechen, Kreislauf­störungen und Erregungszuständen. Lebensgefahr besteht durch Krampfanfälle und Atemstillstand.

Weniger verlockend aber dennoch gefährlich sind die Früchte des Gefleckten Schierlings. 50 bis 100 g der Früchte können tödlich sein. Es kommt bei Vergiftung zu Brennen im Mund, Erbrechen und Diarrhoe, Speichelfluss, Sehstörungen und zu einer sehr typischen aufsteigenden Lähmung von Beinen, Rumpf, Armen und Gesichtsmuskulatur. Der Tod tritt ein durch Atemlähmung bei vollem Bewusstsein.

Die Früchte des Rizinus enthalten das hochtoxische Ricin. Es wird aber nur aus gekauten Samen resorbiert. Acht davon können tödlich sein. Es treten Bauchschmerzen, Durchfälle, schmerzhafter Stuhl- und Harndrang und schließlich Nierenversagen und Kreislaufkollaps auf.

Seidelbast enthält Mezerin und Daphnetoxin. Als tödliche Dosis gelten zehn bis 20 Beeren. Sie verursachen Schwellung, Brennen und Blasenbildung im Mund und dadurch Schluckbeschwerden. Erbrechen, blutiger Durchfall, Verwirrtheit und Kreislaufstörungen können auftreten. Die in der Eibe enthaltenen Taxan-Derivate hemmen die Zellteilung und beeinflussen die Skletettmuskulatur und die Muskulatur der Organe. Es kommt zu Erbrechen, Leibschmerzen, Durchfall, Schwindel, Mydriasis, Herz- und Kreislaufstörungen; Schock, Herz- oder Atemstillstand sind möglich. Alle Teile der Eibe sind giftig, nur der rote Samenmantel nicht.

Weniger giftige Beeren und Früchte

Früchte, die herzwirksame Glykoside oder Lektine enthalten, führen selten zu schweren Vergiftungen. Sie lösen Erbrechen aus, so dass kaum Gift resorbiert wird (Tab. 2). Lektine führen zu starkem, oft blutigem Erbrechen und blutigen Durchfällen. Bei herzwirksamen Glykosiden kann es neben Erbrechen und Durchfällen zu Sehstörungen, Delir und Herzrhythmusstörungen kommen. Bittersüßer und Schwarzer Nachtschatten können durch die enthaltenen Steroid-­Alkaloide Brennen und Kratzen im Hals, Erbrechen, Bauchschmerzen, ZNS-Symptome, Krämpfe und Lähmungen verursachen. Allerdings variiert der Giftgehalt sehr stark. Gefährlich sind vor allem unreife Beeren und eine wiederholte Einnahme der Beeren. Weniger gefährlich sind Beeren und Früchte, die Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfälle verursachen. Wie bei Pilzen ist die Exsikkose die größte Gefahr.


Tab. 2: Giftpflanzen mit Giftstoffen und -wirkung [Quelle: Teuscher E, Lindequist U. Biogene Gifte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart]

Giftpflanze
lateinischer Name
Giftstoffe
Giftwirkung
Tollkirsche
Atropa belladonna
Alkaloide
Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin
Parasympatholytika
Bilsenkraut
Hyoscyamus niger
Stechapfel
Datura stramonium
Goldregen
Laburnum anagyroides
Cytosin
an Ganglien, Nicotin-artig, Krampfgift
Gefleckter Schierling
Conium maculatum
Coniin
Curare- und Nicotin-artige Wirkung, aufsteigende Lähmung
Kartoffel
Solanum tuberosum
Solanin
Schleimhautreizung, ZNS-Symptome
Schwarzer Nachtschatten
Solanum nigrum
Bittersüß
Solanum dulcamara,
Soladulcin
Seidelbast
Daphne mezereum
Diterpene
Mezerin, Daphnetoxin
stark schleimhautschädigend
Eibe
Taxus baccata
Taxane
Mitosehemmer, ZNS-beeinflussend
Ricinus
Ricinus communis
Lektine
Ricin
Hämolyse und Hämagglutination
Gartenbohne
Phasaelus vulgaris
Blasenstrauch
Colutea arborescens
Robinie
Robinia pseudoacacia
Erbsenstrauch
Caragana arborescens
Blauregen
Wisteria sinensis
Maiglöckchen
Convallaria majalis
herzwirksame Glykoside
Magen-Darm-Beschwerden, Herzrhythmusstörungen
Pfaffenhütchen
Euonymus europaeus
Liguster
Ligustrum vulgare
Saponine
Magen-Darm-Beschwerden
Stechpalme
Ilex aquifolium
Efeu
Hedera helix
Aronstab
Arum maculatum
Oxalat-Raphiden
Weiße und Rote Zaunrübe
Bryonia alba und B. dioica
Triterpene
schwere Durchfälle
Faulbaum,
Kreuzdorn
Rhamnus frangula und R. catharticus
Anthraglykoside
Herbstzeitlose
Colchicum autumnale
Colchicin
Mitosehemmer, organtoxisch (Leber, Niere, Blutzellen)
Wasserschierling
Cicuta virosa
Cicutoxin
Krampfgift
Blauer und Wolfs-­Eisenhut
Aconitum napellus und A. lycoctonum
Aconitin
neuro- und kardiotoxisch

Andere, tödlich giftige Pflanzen im Herbst

Pflanzen, die weniger durch ihre verführerischen Früchte auffallen aber dennoch tödlich giftig sind, sind Eisenhut, Herbstzeitlose und Wasserschierling. Es kann zur Verwechslung der Knollen mit Meerrettich oder Sellerie kommen. Die Herbstzeitlose blüht im Herbst und ist durch ihre Farbe und Form ein Blickfang und dadurch auch für Kinder interessant (Abb. 6). Die Herbstzeitlose enthält den Mitosehemmer Colchicin. Am ersten Tag der Vergiftung kommt es zu Brennen in Mund und Rachen, Erbrechen, Bauchschmerzen, schweren Durchfällen. Am zweiten bis dritten Tag folgen Verwirrtheit, Atemnot, Zyanose, Hypotonie. Es kann zu Krampfanfällen, Koma, Versagen von Lunge, Niere, Blutgerinnung und Kreislauf kommen. Eine Woche nach der Vergiftung kommt es zu Haarausfall. Das im Wasserschierling enthaltene Polyin Cicutoxin ist ein GABA-Antagonist und wirkt als zentrales Krampfgift. Ein Wurzelstock dieser Pflanze kann bereits tödlich sein. Die Latenzzeit ist mit 20 Minuten bis zwei Stunden kurz. Es kommt zu Brennen im Mund- und Rachenraum, Übelkeit und Brechreiz. Tödlich können die sehr schweren Krampfanfälle sein. Eisenhut enthält Aconitin, 2 g bis 15 g der Wurzelknollen können tödlich sein. Das bekannte Gift erhöht die Membranpermeabilität für Natrium und wirkt komplex im Nervensystem und am Herzen. Zuerst tritt Kribbeln und Brennen, dann Taubheitsgefühl im Mund, an Fingern und Zehen, später am ganzen Körper auf. Neben Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommt es zu einem starken Kältegefühl, unregelmäßiger Atmung, Hypotonie und sehr starken Schmerzen. Lebensgefahr besteht durch Schock, Atemlähmung oder Kammerflimmern.

Was tun bei einer Pilzvergiftung?

  • Symptome erkennen: Symptome einer Pilzvergiftung sind vielfältig. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden, die kurz nach der Mahlzeit, aber auch noch viele Stunden später auftreten können. Verdächtig sind außerdem Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bewusstseinsstörungen wie Schläfrigkeit oder auch Erregungszustände, Halluzinationen, Sehstörungen, enge oder erweiterte Pupillen, Krampfanfälle, Schwitzen, Tränen- und Speichelfluss, Beschwerden beim Wasserlassen, Muskelschmerzen.
  • Identifizieren der Pilze: Schon bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte unbedingt versucht werden, die infrage kommenden Pilze durch einen Pilzsachverständigen identifizieren zu lassen. Alle Reste des Sammelguts, Reste vom Pilzeputzen, Reste der Mahlzeit und eventuell sogar Erbrochenes sollten sichergestellt und zur Untersuchung aufbewahrt werden. Die Pilze bzw. Pilzreste sollten in das Krankenhaus mitgenommen werden.
  • Arzt oder Giftzentrale kontaktieren! Schnell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen! Je nach Einschätzung der Situation kann das der Hausarzt sein oder man lässt sich zum nächsten Krankenhaus bringen.
  • Soforthilfe: Keinesfalls Erbrechen mit Salzwasser provozieren, auch nicht mit dem Finger Erbrechen auslösen, keine Milch trinken. Den Arzt aufsuchen, vorzugsweise in einer Klinik. Bei mehr als nur leichten Magen-Darm-Beschwerden oder großen Entfernungen den Notarzt alarmieren.

Giftinformationszentren oder Giftnotrufe wie der Giftnotruf Erfurt können bei der Vermittlung eines Pilzsachverständigen helfen, ebenso bei der Koordinierung der Erste-Hilfe-Maßnahmen durch Laien und medizinisches Personal.

[Quelle: Giftnotruf Erfurt, www.ggiz-erfurt.de/pilzvergiftung.html]

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Abb. 6: Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) kann für Kinder gefährlich werden, wenn sie beim Spielen auf Wiesen oder beim Aufsammeln heruntergefallener Äpfel die Pflanze berühren und ihre Finger in den Mund stecken. Das Colchicin befindet sich in allen Pflanzenteilen.

Wie können Vergiftungen mit Pilzen und Pflanzen im Herbst vermieden werden?

Für das Sammeln von Pilzen gilt: Man sollte nur Pilze essen, die man sicher kennt. Im Zweifel sammelt man nur Röhrlinge. In dieser Gruppe gibt es nur wenige und keine tödlich giftigen Pilze. Kleine Kinder sollten in der Natur beaufsichtigt werden. Hier ist es wichtig, dass die Aufsichtspersonen Giftpflanzen und Giftpilze selbst bestimmen können. Ab einem geeigneten Alter sollten die Kinder entsprechend ihrer Möglichkeiten über die Giftigkeit von Pflanzen und Pilzen aufgeklärt werden. Niemals sollten unbekannte Pilze oder Beeren gesammelt bzw. gegessen werden. Bei Pilzen gilt es auch zu beachten, dass nicht nur die klassischen Gifpilze zu Vergiftungen führen können. Häufiger noch sind sogenannte unechte Pilzvergiftungen durch Verzehr von verdorbenen oder ungenügend gegarten Pilzen. Auch individuelle Unverträglichkeiten und Allergien können Pilzvergiftungen auslösen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. gibt eine Liste über „Pilze mit uneinheitlich beurteiltem Speisewert“ heraus (www.dgfm-ev.de). Der Fachausschuss „Pilzverwertung und Toxikologie“ hat hier Pilzarten aufgelistet, bei denen regelmäßig Unverträglichkeiten auftreten oder die nur unter Einschränkung als Speisepilze gelten können. Solche Pilzarten werden in Pilz-Beratungsstellen nur mit deutlichen Warnungen verbunden zum Essen freigegeben. |

Literatur

Bresinsky A, Besl H Giftpilze. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1985

Flammer R Giftpilze: Pilzvergiftungen. AT Verlag Aarau und München 2014

Frohne D, Pfänder H-J. Giftpflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2004

Guthmann J, Hahn C, Reichel R. Taschenlexikon der Pilze Deutschlands. 1. Auflage. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2011

Habermehl G, Ziemer P. Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 2. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 1999

Hiller K, Bickerich. Giftpflanzen. Urania Verlag 1990

Kell V. Giftpilze und Pilzgifte. Ziemsen Verlag Wittenberg. 1991

Teuscher E, Lindequist U. Biogene Gifte. 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2010

Warnplakate über Grünen Knollenblätterpilz. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V., www.dgfm-ev.de

Freilandpflanzen. Informationen des Giftnotruf Erfurt, www.ggiz-erfurt.de/freilandpflanzen.html

Ratschläge für Pilzsammler. Informationen des Giftnotruf Erfurt, www.ggiz-erfurt.de/pilze.html

Verwechslungs­gefahren beim Pilzesammeln - Knollen­blätterpilz. Informationen des Giftnotruf Erfurt, www.ggiz-erfurt.de/saisonales-detail/knollenblaetterpilz.html

Herbst: Vergiftungen durch Beeren. Informationen der Bundesarbeits­gemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V., www.kindersicherheit.de/meldung/herbst-vergiftungen-durch-beeren.html

Autorin

Dr. Antje Jelinek,

Studium der Pharmazie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; 1995 Diplom, 1996 Approbation als Apothekerin; 2001 Promotion; Tätigkeit in öffentlichen Apotheken und Lehrtätigkeit an PTA-Schulen, seit 2002 Autor und Herausgeber im Elsevier Verlag, Referententätigkeit für die Landesapothekerkammer Thüringen

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