Aus den Ländern

Lehren aus Valsartan und Lunapharm

Sommerabend der Hamburger Apotheker

HAMBURG (tmb) | Am 28. August veranstalteten die Apothekerkammer Hamburg und der Hamburger Apothekerverein ihren traditionellen Sommerabend für Gäste aus Politik, Medien, Krankenkassen und Organisationen anderer Heilberufe. Der Vereinsvorsitzende Dr. Jörn Graue zog in seiner Begrüßung Lehren aus den Skandalen um Valsartan und Lunapharm. Er zeigte auf, dass die zugrundeliegenden Probleme schon lange absehbar und mit politischem Willen auch lösbar seien. Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen verdeutlichte den Gästen weitere Probleme der Apotheker.
Foto: DAZ/tmb
Die Gastgeber beim politischen Sommerabend der Hamburger Apotheker: Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen (li.) und Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins.

Graue ging in seiner mit viel Ironie und Wortspielen gespickten Rede zunächst auf das Thema Valsartan ein. Er verwies auf die Probleme durch schwer einschätzbare Wirkstoffhersteller in fernen Ländern und gab zu verstehen, dass sich solche Fälle wiederholen könnten. Dazu erklärte Graue: „Mit den von der Politik auf Veranlassung der Krankenkassen ­eingeführten Rabattverträgen wurde ein verminter Weg beschritten, dessen vielseitige gesundheitsgefähr­dende Holprigkeit schwer unterschätzt wurde.“

Patientendaten ermittelbar?

Bezüglich Lunapharm erinnerte Graue an frühere ähnliche Vorkommnisse bei der sogenannten Holmsland-Affäre. Er beklagte, dass „eingefrorene Kommunikationswege“ die Entdeckung und Aufklärung behindern würden. „Der Datenschutz lässt grüßen und bindet uns Händ und Füß“, sagte Graue und deutete an, dass die Namen der Patienten sonst zu ermitteln wären. Damit wollte Graue, der auch Vorsitzender des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums ist, offenbar zu verstehen geben, dass die gesuchten Informationen über Patienten aus den Abrechnungsdaten zu ermitteln wären.

„Alle stecken mit drin“

Zu den Ursachen erklärte er: „Gäbe es die Importzwänge nicht, gäbe es kein Lunagate.“ Doch es habe schon immer warnende Stimmen gegeben. Damit erinnerte Graue auch an sein eigenes Engagement. Er fordert seit vielen Jahren, die Vertriebswege für Arzneimittel zu dokumentieren und rückverfolgbar zu machen (siehe beispielsweise AZ 2009, Nr. 37, „Arzneimittelfälschung im legalen Vertriebsweg“). Graue resümierte: „Über die mangelnde Qualität wussten alle alles.“ Die mentale Blockade des politischen Systems, sehenden Auges lebensgefährliche Risiken einzugehen, lasse die Heilberufler nur schaudern. Die Debatte zu Lunapharm laufe jetzt auf „ein unwürdiges und völlig unnützes Schauspiel des Anschwärzens“ hinaus. „Denn alle stecken mit drin“, sagte Graue und erklärte dazu: „Die Wahrheit ist niederschmetternd und weist mitten in das Herz der politischen Mentalität, die von naiver Sorglosigkeit geprägt ist.“ Graue mahnte die Politik, künftig zuerst an die Sicherheit zu denken.

„Apotheken bluten aus“

Kai-Peter Siemsen, Präsident der Hamburger Apothekerkammer, führte außer Valsartan und Lunapharm noch weitere Probleme auf, die die Apotheker jetzt oder künftig belasten. Er kritisierte diverse Lieferengpässe, die Entscheidung eines großen Arzneimittelherstellers, die Antibio­tikaforschung einzustellen, und das lange Warten auf eine politische Reaktion auf das EuGH-Urteil zur Preisbindung. Außerdem würden eineinhalb Jahrzehnte ohne Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung zu Fachkräftemangel führen. Siemsen erklärte: „Die öffentliche Apotheke blutet aus.“ Denn andere Arbeitgeber könnten die Apotheker und PTA besser honorieren. Im Alltag müssten die Apotheker alle diese Probleme entschärfen, um die Bevölkerung ordentlich zu versorgen. Diese Versorgung sei einzigartig und lebenswichtig. Darum, so Siemsen, sei zu fragen: „Was machen wir, wenn nicht mehr ausreichend Apotheken in der Fläche vorhanden sind?“ |

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