Arzneimittel und Therapie

Weniger Ösophaguskarzinome unter PPI

Kombination mit ASS zeigt tumorprotektiven Effekt

Weniger Säure und weniger Entzündungen = weniger Folgeerkrankungen eines Barrett-Ösophagus. Wie eine aktuelle Studie zeigte, scheint diese Gleichung aufzugehen. Mit einer Kombinationstherapie aus Esomeprazol und Acetylsalicylsäure (ASS) ließ sich die Prognose beim Barrett-Ösophagus verbessern.

Aufgrund der weltweit ansteigenden Inzidenz von Karzinomen der Speiseröhre und ihrer schlechten Prognose sucht man nach präventiven Maß­nahmen. Da eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines Barrett-Ösophagus ist und dieser bereits als präkanzerose Vorstufe zum malignen Ösophagus-Adenokarzinom gilt, fokussieren sich die Bemühungen auf eine Prävention des Barrett-Ösophagus. Hierfür eignen sich Protonenpumpen-Hemmer (PPI) und ASS: PPI aufgrund ihrer säurehemmenden Wirkung – ­Magensäure verursacht ­DNA-­Schäden und kann proliferative und antiapoptotische Effekte begünstigen; ASS aufgrund der potenziell tumorpräventiven Wirkung durch Hemmung der Cyclooxygenase. Ob eine Chemoprävention auch noch wirksam ist, wenn sich bereits ein Barrett-Ösophagus gebildet hat, war bislang nicht bekannt. Klarheit verschafft nun die multizentrische Studie AspECT (Aspirin and Esomeprazole Chemoprevention in Barrett‘s metaplasia Trial) an der rund 2550 Patienten mit einem Barrett-Ösophagus (> 1 cm) teilnahmen. Die Probanden wurden vier Gruppen zugeteilt und erhielten

  • hochdosiertes Esomeprazol (zweimal täglich 40 mg),
  • hochdosiertes Esomeprazol plus niedrig dosierte ASS (zweimal täglich 40 mg Esomeprazol plus einmal täglich 300 oder 325 mg ASS),
  • Esomeprazol in einer Standarddosierung (einmal täglich 20 mg), oder
  • Esomeprazol in einer Standard­dosierung plus niedrig dosierte ASS (einmal täglich 20 mg Esomeprazol plus einmal täglich 300 oder 325 mg ASS).
Foto: Science Photo Library / Gastrolab
Als Folge einer andauernden Exposition mit Magensäure wandelt sich beim Barrett-Ösophagus das Plattenepithel der unteren Speiseröhre in ein Zylinderepithel (rote Bereiche) um.

Der primäre Studienendpunkt setzte sich aus der Zeit bis zur Diagnose einer hochgradigen Dysplasie, eines Ösophaguskarzinoms oder dem Versterben des Patienten zusammen. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 8,9 Jahren. Der primäre Endpunkt wurde von 313 Patienten erreicht.

Hohe PPI-Dosis von Vorteil

Unter der hochdosierten PPI-Therapie entwickelten 139 von 1270 Patienten eine hochgradige Dysplasie, ein Ösophaguskarzinom oder verstarben; unter PPI in niedriger Dosis war dies bei 174 von 1265 Patienten der Fall. Das entspricht einer Time Ratio (TR) von 1,27 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,01 – 1,58, p = 0,038). Die Therapie mit hochdosiertem PPI verzögerte den Zeitpunkt bis zum Eintreten des primären Studienendpunktes rechnerisch von 8 auf 10,2 Jahre. Berechnet man die Number Needed To Treat (NNT), ergibt sich Folgendes: 34 Patienten müssen mit hochdosiertem anstatt mit niedrigdosiertem Esomeprazol behandelt werden, um ein Ereignis des primären Studienendpunktes zu verhindern.

Der Zusatz von ASS erhöhte den präventiven Effekt: Die beste Wirkung zeigte sich für hochdosiertes Esomeprazol in Kombination mit ASS. Unter der Einnahme von hochdosiertem PPI und ASS kam es bei 52 von 572 Probanden zu einem Ereignis, unter der Behandlung mit niedrig dosiertem PPI ohne ASS wurden bei 699 Probanden 99 Ereignisse ­registriert. Daraus ergibt sich eine Time Ratio von 1,59 (95%-KI 1,14 – 2,23; p = 0,0068).

Ob die Erkenntnisse der AspECT-Studie den klinischen Alltag verändern werden, d. h. ob Patienten mit einem Barrett-Öso­phagus bzw. zu dessen Prävention eine langjährige Kombinationstherapie mit hochdosiertem PPI und ASS erhalten sollten, ist derzeit noch nicht abzusehen. |

Quelle

Jankowski J A Z et al. Esomeprazole and aspirin in Barrett’s oesophagus (AspECT): a randomised factorial trial. Lancet 2018;92(10145):400-408

Hvid-Jensen F et al. Should aspirin and PPIs be recommended for patients with Barrett‘s oesophagus? Lancet 2018;392(10145):362-364

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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