Die Seite 3

Eine gute Zeit für viele Ideen

Dr. Thomas Müller-Bohn, Redakteur der DAZ

Wenn die Zahl der Anträge zum Deutschen Apothekertag ein Maß dafür ist, wie viel berufspolitischen Handlungsbedarf die Mitgliedsorganisationen sehen, dann hat die ABDA demnächst sehr viel zu tun. Dann hat sie wohl in der Vergangenheit auch vieles versäumt. Denn für die Hauptversammlung liegen bis jetzt deutlich mehr Anträge vor, als in den vorigen Jahren üblicherweise behandelt wurden. Zudem betreffen diese Anträge ein sehr weites Themenspektrum (eine ausführliche Übersicht finden Sie auf Seite 17). Viele Antragsteller beschäftigen sich mit den jüngsten Arzneimittelskandalen. Es liegt eine Stimmung in der Luft, die Probleme um die schwer kontrollierbare Produktion von Wirkstoffen in Asien und die verschlungenen Lieferwege vieler Arzneimittel endlich ernsthaft anzugehen. Dies eröffnet Chancen in der Sache und für die Profilierung der Apotheker. Die Gelegenheit scheint so günstig wie nie – und „nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, sagte Victor Hugo sehr treffend.

Auch für viele andere Themen sehen die Mitgliedsorganisationen die Zeit offenbar gekommen. Das E-Rezept hat die ABDA selbst auf die Agenda gesetzt. Doch die sehr differenzierten Anträge dazu zeigen, dass die Digitalisierung „größer“ gedacht werden muss. Das E-Rezept wird nur einen Mehrwert bringen, wenn die AMTS damit verknüpft und die Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern verbessert wird. Damit das E-Rezept den Apotheken nicht schadet, muss zugleich verhindert werden, dass es zu einem handelbaren Gut wird, für das Provisionen verlangt werden können.

Eine Zeit solcher Umbrüche erscheint geeignet, um auch viele kleinere Probleme endlich anzugehen. Was seit Jahren im Dickicht der politischen Interessen verfahren ist, könnte im Zuge neuer digitaler Dienste geräuscharm mit erledigt werden, beispielsweise die Einbindung der Apotheken in die Prävention, ein Honorar für das Stellen und Verblistern, eine Rechtsgrundlage für honorierte Dienstleistungen und mehr Geld für die klinische Pharmazie an den Universitäten. Hinzu kommen neuere Ideen wie ein Rechtsanspruch der Patienten auf AMTS-Leistungen und ein honorierter Botendienst. Dies alles ist Gegenstand von Anträgen. Doch dann muss auch das Kernproblem der längst überfälligen Honorarerhöhung auf den Tisch. Darum ist es gut, dass die Apothekerkammer des Saarlandes an einen höheren Festzuschlag für Rx-Arzneimittel erinnert und zugleich ein Gegengutachten zum 2HM-Gutachten fordert. Denn das Schweigen der ABDA ersetzt keine sachlichen Argumente in der Auseinandersetzung mit Dritten. Das machen die Saarländer sehr deutlich. Ein Antrag aus Berlin spricht sich allerdings gegen eine andere Honorierung pharmazeutischer Leistungen in ländlichen Strukturen aus. Doch warum sollte man zusätzliches Geld für das System ablehnen, auch wenn es nur dem Nachbarn hilft? Die Strukturförderung ist in der Politik schon so wohlwollend kommentiert worden, dass man diese Chance nicht verspielen sollte. Vermutlich ist auch dies eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Dr. Thomas Müller-Bohn


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