Recht

Woran erkennt man gefälschte Rezepte?

ABDA und AMK veröffentlichen Merkmale gefälschter Kassenrezepte

eda | Fünf Monate auf Bewährung wegen Urkundenfälschung, so lautete das Urteil gegen eine Krankenschwester aus dem nordrhein-westfälischen Bad Laasphe nahe Siegen. 2016 hatte sie versucht, mit einem gefälschten Rezept in einer Apotheke an Arzneimittel zu kommen. Es sei ihr nicht gut gegangen, begründete die Frau ihr Handeln später vor Gericht. Die Angestellte der Apotheke bemerkte die Rezeptfälschung und brachte sie zur Anzeige. Doch häufig bleiben die Delikte unbemerkt oder werden aus Unsicherheit und Angst vor den Fälschern nicht zur Anzeige gebracht.

Neben der Gefahr für die Gesundheit entsteht durch Rezeptbetrug ein geschätzter Millionenschaden pro Jahr, vor allem dann, wenn die Apotheken den Vorgang nicht bemerken und anschließend keine Erstattung von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten.

Als der Fall der kriminellen Krankenschwester bekannt wurde, erkundigte sich die DAZ nach konkreten Zahlen. „Uns liegt keine Statistik zu Rezept­fälschungen vor“, sagte ein ABDA-Sprecher damals.

Die BKK VBU hatte kurz vorher Daten veröffentlicht, nach denen 300.000 Euro Schaden in den Jahren 2014 und 2015 nur bei dieser Kasse durch falsch abgerechnete Leistungen aus Apotheken entstanden seien. Es sei sicher davon auszugehen, dass gefälschte Rezepte den Hauptteil dabei ausmachen. „Die Apotheker werden häufiger selbst getäuscht als dass sie selber täuschen würden“, betonte eine Krankenkassen-Sprecherin auf Nachfrage der DAZ.

Auch der Fall einer ehemaligen Beamtin der Stadt Köln sorgte in den letzten Jahren für öffentliche Aufmerksamkeit. Durch gefälschte Rezepte verursachte sie im Zeitraum zwischen 2008 und 2013 einen Schaden von rund zwei Millionen Euro. Das Urteil des Amtsgerichts Kerpen: Zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Die ABDA hat vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) charakteristische Fälschungsmerkmale veröffentlicht, die mit „einiger Wahrscheinlichkeit“ immer wieder auftreten können. Dazu gehören:

  • Druckzeilen nicht einheitlich linksbündig,
  • Vertragsarztnummer in der Kodierzeile rechts unten stimmt nicht mit der Vertragsarztnummer im Arztfeld überein,
  • auffällig ungeordnete Adressangaben im Arztstempel können ein Fälschungsmerkmal sein, wenn zum Beispiel die Postleitzahl nicht vor der Ortsangabe steht,
  • Geburtsjahr des Versicherten ist vierstellig angegeben, obwohl die Praxissoftware der Ärzte nur eine zweistellige Angabe zulässt.
Nicht nur die Arztunterschrift fehlt. Merkmale eines gefälschten Rezeptes.

Weil die Vertragsarztnummer seit August 2016 durch die Betriebsstättennummer (BSNR) und lebenslange Arztnummer (LANR) ersetzt wurde, sehen ABDA und AMK die Identität der je­weiligen Ziffernfolgen (BSNR/LANR) nicht mehr als Indiz für Rezeptfälschungen geeignet. Dennoch wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Lieferverträge zwischen Apothekerverbänden und Krankenkassen eine Prüfpflicht beispielsweise bei der Arztnummer enthalten könnten, so dass im Unterlassungsfall den betroffenen Apotheken Retaxierungen drohen.

Eine besondere Prüfnotwendigkeit sehen ABDA und AMK bei allen Arzneimitteln, die missbräuchlich verwendet werden können, wie z. B. Betäubungsmittel, (starke) Schmerzmittel, Sedativa, Antidepressiva oder Neuroleptika.

Außerdem treten Rezeptfälscher häufig zu ganz bestimmten Zeitpunkten auf, wie abends, kurz vor Feierabend oder Mittwochnachmittags, wenn die Arztpraxen geschlossen haben. So gibt es für die Apotheken keine Möglichkeit beim vermeintlichen Verordner nachzufragen. Auch neue Mitarbeiter und Berufsanfänger könnten bei Betrügern vermehrt im Fokus stehen.

Was die Erfahrungen aus den Fällen lehren: Lieber einmal zu viel als zu wenig die Polizei informieren.

Eine Lösung, um gefälschte (Kassen-)Rezepte zukünftig zu verhindern, sah die ABDA vor zwei Jahren übrigens im elektronischen Rezept: „Das elektro­nische Rezept mit der elektronischen Signatur wird die Sicherheit erhöhen.“ |

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