Prisma

Weiß auf schwarz

Damit Bildung nicht auf die Augen geht

us | Dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Bildung und Kurzsichtigkeit (Myopie) besteht, gilt als be­wiesen. Welche Rolle das Lesen dabei spielt, wurde nun genauer untersucht.
Foto: Sarka – stock.adobe.com

Menschen mit höherer Bildung leiden eher an Kurzsichtigkeit als Menschen, die nur wenige Jahre in der Schule verbracht haben. Jedes zusätzliche Bildungsjahr ist mit einer Veränderung der Brechkraft des Auges um 0,5 Dioptrien assoziiert. Wissenschaftler des Uniklinikums Tübingen konnten nun einen Mechanismus identifizieren, der erklärt, warum das Lesen von schwarzer Schrift auf weißem Grund zu Kurzsichtigkeit führen kann. Eine wichtige Rolle dabei spielen die bipolaren Zellen der Retina, die für die Weiterleitung von Informationen zwischen Photorezeptoren und Ganglienzellen der Netzhaut zuständig sind. Sie werden in On- und Off-Zellen unterteilt, da sie sich bei Lichteinfall unterschiedlich verhalten. Die Forscher um den Neurobiologen Frank Schaeffel stellten fest, dass beim Lesen von schwarzer Schrift auf weißem Grund Off-Zellen überstimuliert werden, während beim Lesen von weißer Schrift auf schwarzem Grund die On-Zellen eine Überstimulation erfahren. Dadurch verändert sich die stark durchblutete Aderhaut hinter der Retina. Nach Überstimula­tion des Off-Pfades – also nach dem Lesen von schwarzer Schrift auf weißem Grund – wird sie dünner, was zu einer verstärkten Entwicklung von Myopien beiträgt. |

Quelle

Aleman AC et al. Reading and Myopia: Contrast Polarity Matters. Scientific reports 2018;8:10840, doi:10.1038/s41598-018-28904-x

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.