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Eine Frage der Wertschätzung

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Armin Edalat, Chefredakteur der DAZ

Deutlich weniger Klinikaufenthalte, ein selbstbestimmtes Leben trotz schwerwiegender Erkrankung und Kosteneinsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro – das sind die Vorteile für Patienten und Krankenkassen, wenn in der Onkologie ambulant behandelt wird. Mit ihren sogenannten Ad-hoc-Zubereitungen schaffen es die Zytostatika-herstellenden Apotheken, eine wichtige, zeitliche Lücke bei der Versorgung onkologischer Patienten zu schließen. Die behandelnden Ärzte können so die patientenindividuelle Chemotherapie, abgestimmt auf den aktuellen Gesundheitszustand und auf die Labor­werte desselben Tages, bei den Apotheken in Auftrag geben. Diese bereiten dann die Infusionen ad hoc zu und liefern anschließend in die Praxis. Ein optimales Therapiekonzept, das weite Wege sowie unnötige Wartezeiten verhindert. Die Patienten können adäquat behandelt werden und Rezepturverwürfe sind praktisch ausgeschlossen.

Doch solch ein System lässt sich eben nicht ad hoc aus dem Boden stampfen. Voraussetzung ist, dass Zytostatika-herstellende Apotheken flächendeckend vorhanden sind. Die Herstellung steriler Infusionen erfordert spezielle Labore, Materialien sowie geschultes Personal. Wie hoch der tatsächliche Aufwand für die Betriebe ist und wie effizient Ad-hoc-Zubereitungen sind, wurde bisher nur wenig beziffert. In der aktuellen DAZ auf S. 18 stellt unser Autor Dr. Thomas Wellenhofer die Ergebnisse einer Umfrage vor, die er unter Zytostatika-herstellenden Apotheken durchgeführt hat. Bei rund zwei Drittel aller Sterilzubereitungen in den Betrieben handelt es sich um Ad-hoc-Zubereitungen während der Patient in der Praxis untersucht und vorbehandelt wird. Diese hohe Quote garantiert, dass nur jede zehnte Sterilzubereitung storniert oder verschoben werden muss. Tatsächlich werden den Krankenkassen dadurch nur 85 Prozent aller Sterilzubereitungen in Rechnung gestellt.

Wellenhofer geht in seinem Beitrag sogar noch einen Schritt weiter: Sollte es immer weniger Zytostatika-herstellende Apotheken vor Ort geben oder Ad-hoc-Zubereitungen an Bedeutung verlieren, müsste man konsequenterweise mit mehr Rezepturverwürfen rechnen. Derzeit sorgen die Apotheken mit den Ad-hoc-Zubereitungen dafür, dass bei den Kassen mehr als 650 Millionen Euro an Kosten eingespart werden. Demgegenüber schlägt dieser Aufwand bei allen Betrieben mit rund 27 Millionen Euro zu Buche.

Das Beispiel der Ad-hoc-Zubereitungen zeigt eindrucksvoll, dass bei der Begutachtung und den Verhandlungen des Honorars die gesamtökonomische Bedeutung völlig aus den Augen gelassen wird. Apotheken, und zwar nicht nur die Zytostatika-herstellenden Betriebe, sind in der Lage sowohl beim Handling von Arzneimitteln Kosten einzusparen als auch Zusatzkosten beispielsweise im stationären Bereich zu verhindern. Wellenhofer bezeichnet es in seinem Fazit als Fairness, wenn ein Bruchteil der Einsparungen für die Kosten bei den Apotheken aufgebracht würde. Im Hinblick auf das Honorargutachten und auf die Neuverhandlungen der Hilfstaxe wäre es sogar dringend angebracht, die Apotheken endlich leistungsbe­zogen zu vergüten.

Dr. Armin Edalat


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