Aus der Hochschule

Neue Heimat für Arzneipflanzen

Eröffnung des neuen Arzneipflanzengartens an der Universität Münster

Am 28. Juni war es endlich so weit: Der neue Arzneipflanzengarten der Universität Münster konnte offiziell eröffnet werden. Vorausgegangen war der Umzug der pharmazeutischen Institute der Universität, der eine Verlegung des bisherigen Arzneipflanzengartens notwendig gemacht hatte.

Bis 2013 waren die drei pharmazeutischen Institute (Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie, Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie) räumlich getrennt in verschiedenen Gebäuden untergebracht. Das änderte sich nach dem Umzug in einen großzügigen Neubau, dem PharmaCampus Münster. Alle Institute sind seit 2013 auf ca. 8400 m2 Nutzfläche vereint, was neben den verstärkten Synergien auch modernste Lehr- und Forschungsmöglichkeiten bietet.

Foto: Universität Münster
Kleine, aber feine grüne Oase Der neue Arzneipflanzengarten soll der Ausbildung dienen. Es sind auch Führungen für die Öffentlichkeit geplant.

Dem Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie gehörte auf dem alten Institutsgelände ein ca. 25.000 m2 großes Gartenareal an, welches intensiv sowohl für Forschungszwecke, Züchtungen, Felduntersuchungen als auch für die pharmazeu­tische Ausbildung genutzt wurde. Dieser Arzneipflanzengarten, der 2005 nach einer kompletten Umgestaltung und Neuorganisation auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, musste nun ebenfalls im Zuge des Umzuges der pharmazeutischen Institute in den neuen PharmaCampus verlegt werden. Die hierfür notwendigen Planungen und baulichen Maßnahmen erwiesen sich als langwierig und schwierig, da am neuen Standort nur begrenzte Freifläche zur Verfügung stand. Alle Beteiligten (Gärtner, Dozenten, Studierende, Verwaltungsmitarbeiter der Universität) waren sehr glücklich, dass Ende Juni nach langer Planungs- und Bauphase der neue Arzneipflanzengarten der Universität Münster endlich offiziell eröffnet werden konnte. Dies war Grund genug, bei bestem Sonnenschein, kühlen Getränken und leckeren Häppchen in großer Runde die Eröffnung zu feiern, die vielfältigen Pflanzen der neuen Anlage einschließlich des brandneuen Gewächshauses zu bewundern und spannende neue Projekte für die pharmazeutische Ausbildung im Bereich Arzneipflanzen und im Forschungssektor zu besprechen und zu planen.

Ausbildung rund um Arzneipflanzen bleibt wichtig

Foto: Universität Münster
Prof. Dr. Andreas Hensel, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, begrüßte bei der Einweihung die Gäste.

Der Geschäftsführende Direktor des Institutes für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Prof. Andreas Hensel, begrüßte die Gästeschar und ließ auch den langen Planungs- und Bauweg hin zu dem kleinen, aber feinen Garten Revue passieren, verbunden aber auch mit großem Dank an das Rektorat der Universität Münster, welches das Projekt immer vollumfänglich unterstützt hatte. Die Bürgermeisterin der Stadt Münster, Karin Reismann, die auch schon die Entwicklung des alten Arzneipflanzengartens seit 2005 immer unterstützt hatte, hob in ihrem Grußwort die Bedeutung der neuen Anlage für Universität, Stadt und Öffentlichkeit hervor. Insbesondere die schon zur Tradition gewordenen Sonntagsführungen rund um spannende Themen der Arznei-, Gift-, Rausch- und Nutzpflanzen sind aus dem Kalender der Stadt Münster kaum noch wegzudenken. Dass pharmazeutische Ausbildung rund um die Arzneipflanze immer noch ein ganz wichtiger Inhalt für die angehenden Pharmazeuten, aber auch für die pharmazeutische Industrie darstellt, referierte Dr. Barbara Steinhoff vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Nachdrücklich legt auch der BAH Wert auf eine zeitgemäße, moderne Ausbildung der Pharmazeuten im Fach Pharmazeutische Biologie, die immer auch noch die Spezifika der klassischen Pharmakognosie rund um die Arzneipflanze umfassen muss. Wenn diesbezügliches Wissen durch Verlagerung von Lehrinhalten hin zu vermeintlich aktuelleren Themen verloren geht, so schneidet sich die Pharmazie hier selbst einen Teil eines sehr wichtigen und modernen Standbeines ab. Von Herstellerseite werden immer mehr und dringender gut ausgebildete Pharmazeuten mit vertieftem Wissen rund um die Naturstoffchemie und Arzneipflanzen benötigt.

Auch der Vorstand der Gesellschaft für Phytotherapie (GPT), vertreten durch Cornelia Schwöppe, Bonn, zeigte auf, welchen hohen „Impact“ rationale, evidenzbasierte Phytotherapie in unserer Gesellschaft hat, sowohl was Verordnungshäufigkeit von Phytopharmaka in der klinischen Praxis und Selbstmedikation angeht, als auch was an hochkarätiger Forschung aus dem Grenzgebiet zwischen Pharmazie und klinischer Therapie seit einigen Jahren zu verzeichnen ist. Auch die GPT begrüßte die Installation des neuen Arzneipflanzengartens ausdrücklich und wünschte für die Zukunft, dass dieser Garten und die Forschungslabors des Institutes vermehrt auch Aktionen, Kooperationen und Projekte zwischen Pharmazeuten und klinisch tätigen Medizinern anstoßen und so zu einem aufblühenden Nukleus auf diesem Gebiet werden können.

Eintrittspforte in die pharma­kognostische Ausbildung

Ein Arzneipflanzengarten ist natürlich in erster Linie für die Studierenden da. Als Vertreterin der Studierendenschaft der Pharmazie Münster zeigte Clara Grawe auf, wie sich botanische und pharmakognostische Lehre in Münster mit vielfältigen Arbeiten im Freiland und am lebenden Objekt anfühlt – gemäß dem globalen Ziel der Universität Münster „forschend lernen“ – ist ein solcher Garten durchaus ein wichtiger Eintrittspunkt in die pharmakognostische Ausbildung, manchmal bei strömendem Regen, manchmal unter sengender Sonne, aber immer nah am Objekt und immer praxisnah.

Der Garten als Dahlgrenogramm

Prof. Dr. Thomas J. Schmidt vom Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie hatte die Außenanlage konzipiert, die dann durch Gärtnermeister Lars Krüger und sein Team mit viel Liebe zum Detail realisiert und bepflanzt wurde. In seinem spannenden Festvortrag „Arzneipflanzen: Lebendige Pharmazie mit System“ erläuterte Prof. Schmidt das Konzept des Gartens, den er nach Art eines „Dahlgrenogramms“, das heißt basierend auf der Stammesgeschichte der Pflanzen, entworfen hat. Er erläuterte dies vor dem Hintergrund der Notwendigkeit einer soliden botanisch-systematischen Ausbildung als Grundlage für die Vermittlung detaillierter pharmazeutisch-biologischer und phytochemischer Kompetenzen.

Ein Arzneipflanzengarten muss auch finanziert werden; der Hauptanteil von Finanzierungen entstammt immer Universitäts- und Landesmitteln; aber auch private Spender und Sponsoren können monetäre und ideelle Bau­steine zur Anlage solcher Gärten beitragen. Am Ende der Eröffnungsfeier wurde eine Stele für potenzielle Spender enthüllt.

Auch eine Gedenkplakette zu Ehren des 2012 verstorbenen Prof. Dr. Heinrich Glasl, der von 1984 bis 2005 als Professor am Institut für Pharmazeu­tische Biologie und Phytochemie tätig war, wurde aus Anlass der Garteneröffnung präsentiert. Prof. Glasl hatte während seiner über 20-jährigen Dienstzeit große Unterstützung für den Institutsgarten gezeigt.

Mit Gruppenführungen durch den Arzneipflanzengarten sowie Kaffee und Kuchen klang die Veranstaltung aus.

Möge der neue Arzneipflanzengarten der Universität Münster in den nächsten Jahrzehnten als zwar kleine, aber feine Anlage den Studierenden, Lehrenden, der Öffentlichkeit und auch der pharmazeutisch-biologischen Forschung gute Dienste leisten. |

Für das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie: Prof. Dr. Andreas Hensel

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