Aus den Ländern

Hubmann: E-Rezept bringt durchaus Vorteile

Mitgliederversammlung 2018 des Bayerischen Apothekerverbandes e. V.

Vorschau und Rückblick: das waren die Klammern der diesjährigen Mitgliederversammlung des Bayerischen Apothekerverbandes am 1. Juli in München. Zum einen die Vorschau auf wichtige Themen im Vorstandsbericht. Zum anderen der Blick auf das zurückliegende Geschäftsjahr durch die Geschäfts­führung des Verbandes.

Ein Aspekt im Vortrag des BAV-Vorsitzenden Dr. Hans-Peter Hubmann war das elektronische Rezept, kurz E-Rezept. Die Umsetzung würde zunehmend an Fahrt gewinnen. Seitens der Politik zeichne sich der klare Wille ab, konkrete Modellprojekte zügig an den Start zu bringen. „Die Berufsorganisationen werden darauf achten, dass unsere Positionen bei den Rahmenbedingungen eingehalten werden“. Dazu zählt laut Dr. Hans-Peter Hubmann die größtmögliche Datensicherheit bei allen digitalen Übertragungswegen eines E-Rezepts. Grundbedingung sei ferner, dass für den Patienten die freie Apothekenwahl bestehe, wo er das Rezept einlöst. „Wir brauchen technisch zudem eine praktikable und einheit­liche Lösung für ganz Deutschland, keinen Flickenteppich.“

Foto: BAV
„Wir brauchen eine einheitliche Lösung, keinen Flickenteppich.“ Der BAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann sieht im E-Rezept Vorteile für die Apotheken.

Hubmann betonte, dass das E-Rezept bei sinnvoller Umsetzung für Apotheken durchaus Vorteile brächte. So dürften nur vollständige und formal richtige Verordnungen über die sogenannte Telematikinfrastruktur transportiert werden. Dies böte etwa mehr Schutz vor Retaxationen, da insbesondere Formfehler ausgeschlossen seien. Der BAV-Vorsitzende machte aber auch klar, dass es für eine Übergangszeit immer noch die Alternative der Verordnung auf Papier geben müsse. „Wir werden bei der Umsetzung des E-Rezepts zu den treibenden Kräften gehören“, sagte Hubmann. „Apotheken zählen schon jetzt zu den Gesundheitsdienstleistern mit dem höchsten Digitalisierungsgrad. Das E-Rezept wird die letzte kleine Lücke schließen.“

Das wichtigste Ziel der politischen Verbandsarbeit sei aber nach wie vor die Beschränkung des Versandhandels auf rezeptfreie Arzneimittel. Hier gehe der Einsatz mit unverminderter Kraft weiter, man dränge auf die Umsetzung des Koalitionsvertrages. Man müsse jedoch die langwierige und schwierige Regierungsbildung nach der Bundestagswahl berücksichtigen sowie die aktuellen politischen Debatten. „Da ist es nicht verwunderlich, dass die Einführung des Gesetzes länger dauert, als uns lieb ist“, so Hubmann.

Rückläufige Apothekenzahlen, aber auch Positives

Foto: eda/DAZ
„Der Organisationsgrad des Verbandes steigt.“ Alexandra Schmidt aus der BAV-Geschäftsführung präsentierte die aktuelle Entwicklung der Apothekenzahl.

Auf das zurückliegende Geschäftsjahr ging Apothekerin Alexandra Schmidt ein, Sprecherin der Geschäftsführung des BAV. So warf sie einen Blick auf die Entwicklung der Apothekenzahl in Bayern. Diese lag Ende 2017 bei 3179. Im Jahr 2011 waren es zum Vergleich noch über 200 mehr. „Die Zahl der Apotheken geht seit Jahren zurück“, sagte Schmidt. „Gleichzeitig steigt aber der Organisationsgrad des Verbandes, das heißt der Anteil der Apotheken, die Mitglied im BAV sind. Eine Mitgliedsapotheke besteht also eher im Markt, als eine Apotheke, die nicht zu uns gehört“.

Trotz dieser Entwicklung dürfe man nicht vergessen, dass das vergangene Jahr auch berufspolitische Erfolge gebracht habe, so Alexandra Schmidt. Hierzu zählte sie insbesondere Änderungen in der Arzneimittelpreisverordnung. So etwa die Einführung eines Festzuschlags von 8,35 Euro auf Rezepturen, die Erhöhung der Rezepturzuschläge und der BtM-Gebühr. Positiv wertete die Geschäftsführerin außerdem die Streichung von Rabattverträgen bei Impfstoffen und das Verbot der Zytostatika-Ausschreibungen auf Apothekenebene. „Das alles waren Forderungen, die wir trotz erheblicher Widerstände der Krankenkassen durchsetzen konnten“, sagte Alexandra Schmidt. Mit fast 90 Anmeldungen war die diesjährige Mitgliederversammlung des Bayerischen Apothekerverbandes überdurchschnittlich gut besucht. Auch in diesem Jahr bot der BAV seinen Mitgliedern an, die Berichte von Vorstand und Geschäftsführung via Livestream auf der Homepage zu verfolgen. Im größten Flächenland müssen Teilnehmer oft weite Wege zurücklegen, um der Versammlung beizuwohnen. Der Verband nutzt die digitale Technik, um all seinen Mitgliedern Informationen aus erster Hand bieten zu können und somit auch für mehr Transparenz der Verbandsarbeit zu sorgen. |

Quelle: BAV Bayerischer Apothekerverband

Antrags-Marathon bis in die Abendstunden

eda | Die Mitgliederversammlung des Bayerischen Apothekerverbandes (BAV)schloss in diesem Jahr mit einer ausgedehnten Diskussion über sieben Anträge ab. Bemerkenswert dabei: Die Antragssteller waren immer dieselben Personen. Dr. Florian Hofmann und Martin Didunyk aus dem oberfränkischen Neunkirchen am Brand wollten mit ihren Anträgen, die sie zuvor gemeinsam oder einzeln schriftlich gestellt hatten, bezwecken, ihre Kollegen auf dringende Fragen und Probleme hinzuweisen. In zwei Anträgen ging es um die Einrichtung der Ressorts „European Pharmacy“ und „Sicherer Arzneimittelversand“ beim BAV. In weiteren Anträgen wurde vorgeschlagen, die Task Forces „E-Health“, „Marktumfeld“ sowie „Interdisziplinäre Kooperation“ aufzustellen. Hofmann und Didunyk nutzten die Anträge auch, um anzuregen, die Vernetzung der BAV-­Mitglieder untereinander zu verbessern und Kritik am beschlossenen ABDA-Haushalt zu äußern. „Unabhängig davon, wie wir es persönlich wertschätzen, es sind die europäischen Trends, Gesetzesvorhaben, Initiativen, Richtlinien, Verordnungen und Gesetze, die zunehmend unseren Alltag in der Apotheke tangieren und beinflussen. [...] Künftige Entwicklungen sollten wir rechtzeitig identifizieren und kommunizieren und entsprechende taktische und strategische Vorbereitungen treffen“, lautet beispielsweise die Begründung des Antrags auf Einrichtung eines Ressorts „European Pharmacy“. Der Appell der beiden Inhaber an die anwesenden Kollegen war nicht zu überhören: „Agieren statt reagieren“ und „Antreiben statt getrieben zu werden“. So auch zum Thema ­„Sicherer Arzneimittelversand“. Hofmann und Didunyk sprechen sich dafür aus, eine „kompetente, fundierte, sachlich richtige und glaubwürdige Diskussion“ über das Thema zu führen. „Die reine Verweigerung und Ablehnung führt uns Apotheker ins gesellschaftliche Abseits.“ Obwohl die Versammlungsteilnehmer am späten Nachmittag sichtlich erschöpft waren, wurden die Anträge – vor allem die darin angesprochenen Themen – sehr kollegial und intensiv diskutiert. Vor allem konnte geklärt werden, dass für europäische Angelegenheiten beispielsweise eine entsprechende Stelle bei der ABDA eingerichtet ist, oder, dass die bisherigen Kommunikationswege innerhalb des BAV ausreichen würden. Für den BAV-Vorsitzenden Dr. Hans-Peter Hubmann war der eine Woche zuvor beschlossene ABDA-Haushalt nicht zu diskutieren. Immerhin wurde dieser mit rund 88 Prozent der Stimmen von den Kammern und Verbänden in der Versammlung beschlossen. Auch beim Thema „Einrichtung eines Fachressorts ‚Sicherer Arzneimittelversand‘“ wiegelte Hubmann ab: „Der Versandhandel wird immer die vierte oder fünfte Möglichkeit der Patientenversorgung bleiben. Davor kommen die persönliche Übergabe des Arzneimittels in der Apotheke, der Botendienst und die elektronische Rezeptsammelstelle.“

Keiner der sieben Anträge hatte Erfolg, entweder wurden sie mehrheitlich ­abgelehnt oder von den Initiatoren vor der Abstimmung wieder zurückgezogen.

Foto: DragonImages - stock.adobe.com

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