DAZ aktuell

E-Rezept nimmt Fahrt auf

ABDA arbeitet an Übergangslösung, die in Telematikinfrastruktur übertragbar ist

tmb/ks | Die ABDA drückt beim elektronischen Rezept aufs Tempo: Vergangene Woche Freitag hat sie eine erste Projektskizze an das Bundesgesundheitsministerium übermittelt. Am selben Tag hatte sie gemeinsam mit den Verbänden der Apothekensoftwarehäuser (ADAS) und Apothekenrechenzentren (VDARZ) in einem „letter of intent“ erklärt, ein Modellprojekt zur E-Verordnung zu entwickeln und umzusetzen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hatte dies bereits Ende ­Juni nach der ABDA-Mitgliederversammlung angekündigt.

Wie ABDA, ADAS und VDARZ mitteilten, sind bisherige Ideen zum E-Rezept insbesondere an einer Hürde gescheitert: der späteren Überführung in die Telematikinfrastruktur (TI). Diese „Datenautobahn“, die Leistungserbringer im Gesundheitswesen und Krankenkassen vernetzen soll, wird derzeit mit erheblichen Verzögerungen aufgebaut und sollte eigentlich die Grundlage für das E-Rezept sein. Doch so lange wollen die Projektpartner nicht warten.

Aus dem Wortlaut des „letters of intent“, den ersten Ankündigungen Schmidts vor drei Wochen sowie einem aktuellen Mitgliederrundschreiben der ABDA wird der Weg deutlich, den die Partner anstreben: Ihr Modellprojekt soll auf bereits vorhandenen TI-Strukturen aufbauen und ihre Komponenten nutzen. Später soll die komplette Migration in die TI möglich sein. Dabei erwarten die Beteiligten, dass zeitlich befristet herkömmliche analoge und elektronische Verordnungen nebeneinander verarbeitet werden müssen. Besonderes Augenmerk legen Partner nach eigenem Bekunden auf die autonome Entscheidung des Patienten, wo und wie die Verordnung in die Apotheke gelangt, sowie den Datenschutz.

Apotheker bauen eigenes Netz

Es geht demnach um eine vorläufige Anwendung vor dem kompletten Ausbau der TI. Hintergrund dürften die derzeit unterschiedlichen Entwicklungen bei Ärzten und Apotheken sein. Die Ärzte schließen sich zunehmend an die TI an, obwohl diese noch kaum Anwendungen bietet. Doch wollen die Ärzte drohende finanzielle Sanktionen für einen verspäteten Anschluss vermeiden. Die Apotheker bauen dagegen mit der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA) ihr eigenes Netz auf, um rechtzeitig zum Start von Securpharm am 9. Februar 2019 einsatzbereit zu sein. Daher liegt es nahe, diese bald in allen Apotheken vorhandene Technik auch für das E-Rezept zu nutzen. Außerdem können die Apotheker ein eigenes Projekt mit einem eigenen Netz voraussichtlich mit weniger Diskussionen und vor allem schneller voranbringen als in der Gematik. Diese gemeinsame Organisation des Gesundheitswesens hatte sich in der Vergangenheit als sehr langsam erwiesen. Doch auch mit einem eigenen Netz lässt sich das E-Rezept nicht ohne die anderen Beteiligten des Systems umsetzen.

Ärzte und Ministerium gefragt

So liegt die fachliche Arbeit für das Projekt innerhalb der ABDA bei der NGDA. Doch neben der Arbeit auf der technischen Ebene sieht die ABDA ihre Aufgabe darin, die Ärzte frühzeitig einzubeziehen, heißt es im ABDA-Mitgliederrundschreiben. Daher müsse mit den ärztlichen Berufsorganisationen ein Umsetzungsszenario ent­wickelt werden. Außerdem gehöre die Kommunikation mit den Softwareanbietern für Ärzte dazu. Doch auch die Krankenkassen müssten die Anpassungen und Erprobungen mittragen. Die Testphase müsse für die Apotheken retaxsicher sein. Auch die verschiedenen Initiativen aus den Bundesländern würden auf mögliche Lösungswege geprüft.

Bei der Projektskizze, die die ABDA am 13. Juli an das BMG übermittelt hat, gehe es insbesondere um die ­Frage, ob das Ministerium eine Übergangslösung befürworte, die unab­hängig von der TI arbeitet. Denn dazu müssten Anpassungen am Arznei­mittelgesetz und Sozialgesetzbuch V vorgenommen werden.

Unterdessen haben bereits weitere Verbände ihr Interesse an dem Projekt bekundet: Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) und der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) verweisen beide auf ihr Know-how. |

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