Aus den Ländern

„Apotheken als örtlicher Versorger ein Riesenthema“

MdB Hans-Jürgen Thies: fairen Wettbewerb wiederherstellen

Sein Wahlkreis Soest ist 60 Kilometer lang, 60 Kilometer breit und zählt knapp über 300.000 Einwohner. „Für uns im ländlichen Raum ist die Versorgung mit örtlichen Apotheken ein Riesenthema. Wir brauchen die Apotheken wie Ärzte und andere wichtige Versorgungseinrichtungen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Thies (CDU). Der Rechtsanwalt ist 2017 erstmals und direkt in den Deutschen Bundestag gewählt worden. Jetzt war er Gesprächsgast bei Vorstandsmitglied Johannes Hermes und Geschäftsführer Hans-Jürgen Simacher im Haus des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) in Münster.

An der zentralen Rolle der örtlichen Apotheke ließ Thies keinen Zweifel: „Ihre Stärkung steht aus guten Gründen im Koalitionsvertrag der Bundesregierung und ist gerade für die Menschen in den ländlichen Räumen von existenzieller Bedeutung.“

Foto: AVWL
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Thies (Mitte) aus dem Kreis Soest kam zum Gespräch beim Apothekerverband Westfalen-Lippe mit Vorstand Johannes Hermes (li.) und Geschäftsführer Hans-Jürgen Simacher.

Wettbewerb ja – aber mit „gleichlangen Spießen“

Für ausländische Versandapotheken, die bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln nach ­einem Urteil des Europä­ischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2016 im Gegensatz zu den Präsenzapotheken nicht der Arzneimittelpreisbindung unterliegen, forderte Hans-­Jürgen Thies die „Wiederherstellung der Wettbewerbsgleichheit“, und zwar ausdrücklich auch durch ein Versandhandelsverbot dieser sogenannten Rx-Medikamente, wie es das bei anderen ­potenziellen Risikosortimenten schon gebe.

Hermes und Simacher betonten, dass es den Apotheken nicht um ein Verbot um des Verbots willen gehe. „Dem Wettbewerb stellen wir uns“, so Verbandsgeschäftsführer Simacher, „aber bitte zu fairen Bedingungen mit gleich langen Spießen.“

Direkter Kontakt in der Apotheke unerlässlich

Nach Aussage von AVWL-Vorstand ­Johannes Hermes treiben die Apo­theken die Digitalisierung im Gesundheits­wesen voran. Die moderne Technologie könne eine wirksame Hilfe bei der ambulanten Gesundheitsversorgung gerade auf dem Lande sein, etwa wenn Menschen im Alter in ihrem gewohnten Lebens­umfeld bleiben wollten statt sich in stationäre Pflege zu begeben. „Allerdings als Ergänzung, keinesfalls als Ersatz für den persönlichen Kontakt“, betonte Hermes. Das individuelle Beratungsgespräch vor Ort sei weiterhin unerlässlich, um Patienten optimal versorgen zu können. Hermes: „Viele Menschen suchen bei uns nicht nur Hilfe in Gesundheitsfragen, sondern schätzen auch einfach den sozialen Kontakt.“

Auch beim elektronischen Rezept kündigte Hermes schon bald Lösungen der Apotheken an. Allerdings müsste die Verfügbarkeit der E-Rezepte un­eingeschränkt beim Patienten entsprechend seiner freien Arzt- und Apothekenwahl bleiben und die Datensicherheit gewährleistet sein.

Nachwuchs fehlt: 179 Apothekerstellen in WL nicht besetzt

Unterstützung sicherte Bundestags­abgeordneter Thies dem politischen Bemühen von Bund und Land NRW zu, die PTA-Ausbildung für angehende pharmazeutisch-technische Assistentinnen schulgeldfrei zu stellen. An­gesichts des fehlenden Nachwuchses auch im Apothekerberuf hält Thies ­einen zweiten Pharmazie-Studien­standort in Westfalen neben Münster für sinnvoll. Nach Auskunft von ­Johannes Hermes sind derzeit in diesem Landesteil 179 Apothekerstellen nicht besetzt. |

Quelle: AV Westfalen-Lippe

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