Aus den Ländern

„Vom Molekül zum Menschen!“

Mitgliederversammlung der Fachgruppe WIV-Apotheker e. V. setzt Vortragsreihe fort

Am 22. Juni 2018 fand in Berlin der fünfte Teil der etwas anderen pharmazeutischen Fortbildungsveranstaltung statt: Im Rahmen der Vortragsreihe „Vom Molekül zum Menschen!“ berichteten Pharmazeuten über ihre beruflichen Tätigkeiten und standen dem Publikum Rede und Antwort. Abgerundet wurde die öffentliche Veranstaltung durch zahlreiche Einzelgespräche und die Bescheinigung über drei Fortbildungspunkte.

Phytopharmaka und Antibiotika – eine sinnvolle Kombination

„Wir suchen Apotheker, die altes Wissen neu entdecken und für die Gegenwart (wieder) nutzbar machen!“ leitete Prof. Dr. Melzig seinen Vortrag ein, in dem er auf die Aktualität von Phytopharmaka einging. Der Wissenschaftler zeigte die Wirksamkeit einiger Sekundärstoffe von offizinell verwendeten Arzneipflanzen bei der Co-Therapie von bakteriellen Infektionen auf. „Die antibakterielle Wirksamkeit bestimmter von Pflanzen gebildeter Stoffe ist ein Produkt der Evolution,“ erläuterte Prof. Dr. Melzig, „und daher rechnen wir nicht mit einer schnellen Resistenzbildung in Bakterien“. Dabei stellte er wissenschaftlich akzeptierte Modelle vor, wie die positive Wirkung von pflanzlichen Sekundärstoffen auf die Antiinfektivagabe gemessen werden kann. „Es ist nun an den Kollegen insbesondere aus der pharmazeutischen Industrie, die nächsten Schritte hinsichtlich der Arzneimittelentwicklung zu machen!“, appellierte der Professor für Pharmazeutische Biologie.

Die Vielfalt pharmazeutischer Tätigkeiten in der Bundeswehr

Einen allgemeinen Überblick über die breite Palette der in der Bundeswehr vorgesehenen Verwendungen für Sanitätsoffiziere Apotheker mit oder ohne Zweitstudium der Lebensmittelchemie gab Dr. Thomas Hussenether. Aus seiner persönlichen Erfahrung berichtete er über die pharmazeutischen Tätigkeiten in einer Bundeswehrkrankenhausapotheke mit Herstellungserlaubnis nach § 13 AMG und über die Aufgaben eines Apothekers beim Zulassungsinhaber „Deutsche Bundeswehr“. Schließlich ging er noch kurz auf die Organisation der pharmazeutischen Überwachung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung ein. „Bei der Vorbereitung dieses Vortrages sind mir die vielfältigen und spannenden Tätigkeitsfelder für Apothekerinnen und Apotheker beim Arbeitgeber Bundeswehr wieder einmal richtig bewusst geworden.“ leitete Dr. Hussenether eine Diskussionsrunde ein, in der er insbesondere den Fragen interessierter Pharmaziestudierender Rede und Antwort stand. Zum Ende wies er noch auf die Möglichkeit hin, Reservedienst im Bereich der Wehrpharmazie zu leisten.

Wer sind die WIV-Apotheker?

In der Fachgruppe WIV-Apotheker e. V. haben sich vor über sechzig Jahren Apotheker aus Wissenschaft, Industrie und Verwaltung zusammengeschlossen, um sich über pharmazeutische Fragestellungen aus diesen Bereichen aus­zutauschen. Mittlerweile sind die satzungsgemäßen Vereinsziele die Förderung des pharmazeutischen Nachwuchses, die Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen für die Apothekerschaft sowie die Förderung des fachübergreifenden Gedankenaustausches. Dazu wurde u. a. die Broschüre „Pharmazeutische Tätigkeitsfelder außerhalb der Apotheke“ (Download: www.download.wiv-apotheker.de/) herausgegeben.

Die Mitgliedschaft im Verein steht jedem Interessenten offen; sie ist ­kostenfrei.

Mehr Infos auf www.wiv-apotheker.de

Prüfmusterherstellung – full service!

Dass es ohne Apotheker in der Planung, Herstellung und Bereitstellung von klinischen Prüfpräparaten nicht geht, machte Dr. Stefan Dittmann (Hubertus Apotheke am Salzufer, Berlin) an vielen Beispielen deutlich. „Häufig wird eine Sachkundige Person darum gebeten, die Zertifizierungsurkunde für eine Prüfmustercharge auszustellen,“ so Dr. Dittmann. Er führte dann die einzelnen Schritte von der Wirkstoffbeschaffung über die Entwicklung einer Herstellvorschrift für die gewünschte Darreichungsform, die Qualitätskontrolle und Zertifizierung bis hin zum Transport an die Studienzentren aus und erläuterte, wie sich ein Pharmazeut dabei einbringen kann. Mit großem Interesse verfolgten dabei die Zuhörer die Möglichkeiten, sich innerhalb eines mittelständischen Betriebes beruflich fortzuentwickeln. „Ich trage als Sachkundige Person zwar eine große Verantwortung, dafür habe ich aber auch einen gewissen Freiraum bei meinen Entscheidungen, wie mein Team und ich die strengen GMP-Anforderungen am besten erfüllen,“ schloss der Apotheker seinen Vortrag ab.

Als Apotheker im GKV-Spitzenverband

Nach einer Mittagspause erläuterte Dr. Michael Ermisch vom GKV-Spitzenverband die Aufgaben des GKV-Spitzenverbandes. Zunächst ging er auf das Krankenversicherungswesen in Deutschland und die Versichertenstruktur ein. Danach erklärte er einige zentrale Begriffe wie „Sachleistungsprinzip“, „Selbstverwaltung“ und „Richtlinienkompetenz“. Schließlich erläuterte er unter anderem an dem aktuellen Beispiel „Versorgung von GKV-Patienten mit Cannabis“, wie sich ein Apotheker im Spitzenverband einbringen kann. „Man muss sich schon mit der Sozialgesetzgebung beschäftigen“, betonte der promovierte Apotheker. Zahlreiche Fragen zur Krankenkassenstruktur und zu ­Versorgungsverträgen rundeten den Vortrag ab.

Überwachung von Apotheken – was erwartet die Öffentlichkeit?

„Selbstverständlich gab es schon vor ‚Bottrop‘ eine wirksame Apothekenüberwachung in den Bundesländern,“ begann Dr. Reinhard Diedrich von der Landesapothekerkammer Niedersachsen seinen Vortrag und zitierte aus einer amtlichen Bekanntmachung aus dem Jahr 1818. Nach einem Überblick über die Fortentwicklung der Apo­thekenüberwachung in den letzten zweihundert Jahren ging der Leitende Pharmaziedirektor auf ein aktuelles Beispiel dafür ein, welche behördlichen Maßnahmen bei Vorliegen eines entsprechenden Risikosignals ergriffen werden. „Neben der risikobasierten Regelüberwachung führen wir dann zusätzliche Schwerpunktüberprüfungen durch, in deren Rahmen auch amtlich Proben gezogen werden können,“ fuhr der Apotheker fort und führte aus, welch organisatorisches Geschick im aktuellen Fall beim Ziehen der amtlichen Proben und deren Transfer zu einem akkreditierten Labor erforderlich war. Dr. Diedrich stellte zum Schluss die Erkenntnisse aus den Schwerpunktüberprüfungen vor. In der anschließenden Diskussion stand er dem Auditorium Rede und Antwort.

Die nächste Fortbildungsveranstaltung der WIV-Apotheker ist für den 9. November 2018 in Bonn geplant. Die Einladung hierzu wird gesondert in der Fachpresse erfolgen. Dazu sind alle Kolleginnen und Kollegen und andere Interessenten schon jetzt eingeladen. Gerne nimmt die WIV-Geschäftsstelle Ihre Anmeldung oder anderweitige Anfragen unter info@wiv-apotheker.de entgegen.

Resumée

Erneut hatten sowohl berufserfahrene Apotheker wie auch der pharmazeu­tische Nachwuchs die Möglichkeit, unterschiedliche apothekerliche Tätigkeiten außerhalb einer Apotheke ken-nenzulernen. „Durch unsere breite Ausbildung stehen einem Pharmazeuten viele Berufswege offen“ waren sich der Vorstandsvorsitzende Carl-Ulrich Henneberg und der Hausherr Prof. Dr. Melzig einig.

An die anwesenden Studenten richtete der Industrieapotheker das Schlusswort: „Es ist schön, dass Sie sich trotz des laufenden Semesters über die zahlreichen beruflichen Möglichkeiten informieren. Sie können unsere Referenten gerne im Nachgang anschreiben und weitere Informationen erhalten. Bitte nehmen Sie sich auch ein Exemplar unserer Broschüre ‚pharmazeutische Tätigkeitsfelder außerhalb der Apotheke‘ mit!“ (s. Kasten).

Quelle: WIV-Apotheker

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