Die Seite 3

Schweigend in die Zukunft?

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Thomas Müller-Bohn, Redakteur der DAZ

Viele meinen, die Welt drehe sich immer schneller. Besonders in der digitalen Welt sind viele Terminprognosen in kürzester Zeit überholt. So mehren sich die Zeichen, dass das elektronische Rezept viel schneller eingeführt werden könnte, als dies bisher erwartet wurde. Die teilweise Öffnung der Ärzte für die Telemedizin könnte zum Auslöser werden. Wenn Papierrezepte kodiert würden, könnten beide Systeme zeitweilig nebeneinander bestehen, um die Umstellung praktikabel zu machen. Die Rechenzentren sind vorbereitet, wie auf der Mitgliederversammlung des NARZ zu hören war (siehe Seite 69).

Doch kann auch die ABDA mit solchen schnellen Entwicklungen umgehen? In einer reizüberfluteten Welt, in der alle um Aufmerksamkeit wetteifern, erscheint Schweigen nicht zielführend. Doch die ABDA schweigt zu so vielem, dass dahinter schon eine Strategie vermutet werden kann. Deren Sinnhaftigkeit wäre allerdings zu hinterfragen. Das Schweigen zu den Gesprächen mit Minister Spahn ist als politische Übereinkunft zu akzeptieren, wenn am Ende gute Ergebnisse entstehen. Doch es gibt noch so viel mehr Themen. Das Schweigen der ABDA zum Honorargutachten hat das Thema nur für kurze Zeit aus den Medien herausgehalten. Inzwischen hat der GKV-Spitzenverband das Gutachten aufgegriffen und die Medien berichten mangels Gegenposition der ABDA einseitig im Sinne der Krankenkassen darüber.

Das Schweigen scheint mittlerweile sogar eine interne Strategie der ABDA geworden zu sein. Wie in jedem Jahr hat die ABDA für die Mitgliederversammlung im Juni zusammengestellt, was sie inzwischen zu den Anträgen des vorigen Deutschen Apothekertages unternommen hat. Dieser Bericht erscheint mir diesmal so nichtssagend wie nie zuvor. Eine Analyse dazu finden Sie auf Seite 18. Die greifbarsten Ergebnisse sind die Arbeit der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker und die Besetzung einer halben Assistenzstelle in Brüssel. Ansonsten wurden die Themen gemeinsam mit anderen Organisationen bearbeitet, bei geeigneten Institutionen vorgetragen oder nur intern diskutiert. Doch fehlen inhaltliche Ergebnisse oder gar Erfolge. Oft schreibt die ABDA nicht einmal mehr, welche Erkenntnisse bei den Diskussionen gewonnen wurden. Doch bei Prüfanträgen und Anträgen, die zur Beratung in Ausschüsse ver­wiesen werden, geht es gerade darum. So sollen Grundlagen geschaffen werden, um beim nächsten Apothekertag fundiertere Anträge zu stellen.

Doch statt zu erklären, verwirren die Antworten manchmal eher. So berichtet die ABDA über den Antrag zum elektronischen Arzt-Apotheker-Kommunikationsdienst, dieser werde ab dem ersten Quartal 2019 durch die Telematikinfrastruktur zur Verfügung gestellt. Die ­ABDA berichtet hingegen nicht, wie die Apotheken darauf vorbereitet werden. Die Apotheken schließen sich zwar wegen des SecurPharm-Systems an das gemeinsame Netz der Apotheker an. Doch das ist nicht die Telematikinfrastruktur, die die Ärzte derzeit massiv ausbauen. Wie soll dann die angestrebte Arzt-Apotheker-Kommunikation gelingen?

Das alles dürfte in Kammern und Verbänden wenig Motivation verbreiten, Anträge beim Deutschen Apothekertag einzureichen. Und wenn schon die berufsinterne Kommunikation so minimalistisch ist, wie soll es dann gelingen, anderswo für die Position der Apotheker zu werben? Sind die Apotheker mit einer solchen Strategie gut gerüstet für Diskussionen? Das erscheint nötiger denn je. Denn mit der Honorierung und den einheitlichen Rx-Preisen stehen Grundfesten des Apothekerberufs auf der politischen Tagesordnung und das elektronische Rezept kann schnell zu einem ebenso großen Thema werden.

Thomas Müller-Bohn

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