Aus den Ländern

Wohnortnahe Versorgung sichern

Kammer Westfalen-Lippe meldet weiteren Apothekenrückgang

Wie kann es bei einem deutlichen Rückgang der Apothekenzahlen und einer gleichzeitig alternden Bevölkerung gelingen, die Arzneimittelversorgung „in Pantoffelnähe“ zu sichern und die pharmazeutische Beratung und Betreuung der Patienten noch auszubauen? Mit diesem Spagat befassten sich am 13. Juni die 92 Delegierten des westfälisch-lippischen Apothekerparlamentes.

Erstmals tagte die Kammerversammlung in den Räumen der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Apotheker und Ärzte übten nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich den Schulterschluss: „Unsere beiden Berufe eint der Auftrag, die Patientinnen und Patienten in Zeiten des demografischen Wandels wohnortnah zu versorgen“, betonte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening. Beide Heilberufe betrachten mit Sorge, dass ausländische Konzerne zunehmend in die medizinische Versorgung und die Arzneimittelversorgung eindringen. Die Mitglieder des Apothekerparlamentes verabschiedeten daher einstimmig eine Resolution, mit der die Freiberuflichkeit im Interesse der Patienten gestärkt werden soll. In Nordrhein wurde eine fast gleichlautende Resolution verabschiedet (s. neben­stehenden Bericht).

Foto: AKWL
Deutliche Worte gab es von Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening.

In ihrem Lagebericht hatte Overwiening zuvor aufgezeigt, welchen strukturpolitischen und pharmazeutischen Herausforderungen sich der Berufsstand aktuell stellt. Insbesondere die Frage nach dem Erhalt der Apotheke an Standorten, in denen die ärztliche Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, treibe sie um. Darüber hinaus müsse die Apothekerschaft die Weiterentwicklung der apothekerlichen Versorgung in Zeiten der Digitalisierung durch innovative Modellprojekte vorantreiben. Last but not least sei es wichtig, Anreize zu schaffen, damit junge Existenzgründer wieder eine Chance haben, sich erfolgreich selbstständig zu machen.

2HM-Gutachten für die „Tonne“

Deutliche Worte fand die Präsidentin für das am 6. Juni veröffentlichte Positionspapier des GKV-Spitzenverbands zur „Neuordnung der Apothekenstrukturen und -vergütung“. „Wir Apothekerinnen und Apotheker wollen in einen Dialog eintreten und mit Fakten überzeugen. Wenn man aber den GKV-Spitzenverband und sein Positionspapier sieht, merkt man, dass dort kein Dialog möglich ist“, so Overwiening. „Das Positionspapier und auch das 2HM-Gutachten, auf dem es basiert, gehören in die Tonne.“

Unmut über die ABDA

Einstimmig erteilten die Delegierten dem Vorstand und der Geschäftsführung Entlastung für das Geschäftsjahr 2017. Auch die Jahresabschlüsse von Kammer und Fürsorgeeinrichtung wurden einstimmig bestätigt. Ihren Unmut äußerten aber zahlreiche Delegierte an der Arbeit des Bundesverbandes ABDA. Die Frage, ob die von der AKWL an die ABDA entrichteten Mitgliedsbeiträge in einem ausgewogenen Verhältnis zu den dafür erbrachten Leistungen stehen, beantworteten 52 Prozent der Delegierten mit nein.

Apothekenzahl: niedrigster Wert seit 1972

Foto: AKWL
Berichtete über besorgniserregende Apothekenzahlen: Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Walter.

Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas ­Walter präsentierte den Delegierten am Mittwoch die wichtigsten Kennziffern aus dem Jahr 2017: Die Zahl der Arbeitsplätze in den Apotheken erhöhte sich in Westfalen-Lippe signifikant von 15.777 auf 16.469, allerdings bei einem deutlichen Trend zu mehr Teilzeitarbeitsverhältnissen. Zum Jahresende 2017 sank erneut die Zahl der Apotheken von 1998 auf nur noch 1973. Zum 30. Juni 2018 werden es dann nur noch 1954 Apotheken sein: Die Kammer muss zu diesem Stichtag weitere 20 Schließungen registrieren – bei nur einer Neueröffnung. In dieser Zahl enthalten sind bereits 484 Apotheken, die als Filiale betrieben werden. „In Westfalen-Lippe gibt es aktuell also nur noch 1470 Hauptapotheken. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1972“, so Dr. Andreas Walter. |

Quelle: AK Westfalen-Lippe

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