Prisma

Erste Hilfe bei verschluckten Knopfzellen

Honig kann schützen

us | Kleinkinder nehmen gerne Gegenstände in den Mund. Wenn diese schön glänzen und auf der Zunge kribbeln, ist die Verlockung besonders groß. Von verschluckten Knopfzellen geht dabei eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. Ein altes Hausmittel könnte jedoch zur Schadensbegrenzung dienen.

Eine verschluckte Batterie bleibt zwar meistens intakt, sodass keine Chemikalien austreten, in Kontakt mit feuchter Schleimhaut fließt jedoch Strom. Dabei entsteht durch die Hydrolyse von elektrolytreichem Wasser ein stark alkalisches Milieu, das zu lokalen Verätzungen führen kann. Besonders kritisch sind Batterien, die aufgrund ihres Durchmessers in der Speiseröhre stecken bleiben. Je nach Verweildauer und Nennspannung kann es sogar zu einer lebensgefährlichen Perforation des Ösophagus oder der Trachea kommen. Als besonders kritisch gelten 3V-Lithiumzellen mit einem Durchmesser von 20 mm.

Amerikanische Forscher veröffentlichten vor Kurzem eine Studie, in der Strategien untersucht wurden, um den möglichen Schaden zu begrenzen. Schweinen wurden Knopfzellen für einen Zeitraum von 60 min in die Speiseröhre implantiert. Verschiedene haushaltsübliche, leicht saure Flüssigkeiten wurden daraufhin auf ihre neutralisierende Wirkung untersucht. Apfel- oder Orangensaft zeigten keinen positiven Effekt. Als wirkungsvoll erwies sich Sucralfat, ein schleimhautschützendes Arzneimittel. Am wirksamsten schützte jedoch Honig die Speiseröhre vor Verletzungen. Durch beide Substanzen wurde die Schwere der Gewebeschäden signifikant verringert.

Diese Ergebnisse zeigen, dass bei Verdacht auf eine verschluckte Knopfbatterie als effiziente erste Gegenmaßnahme zur Schadensbegrenzung ­Honig gegeben werden kann, der in vielen Haushalten griffbereit steht. Trotzdem sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden. Ein Kind, das für das Verschlucken einer Knopfzelle zur „Belohnung“ mehrere Löffel Honig lutschen darf, könnte diese Botschaft allerdings auch falsch verstehen. Außerdem gilt: Für Kinder unter zwölf Monaten ist Honig ungeeignet, da ihre Immunität gegenüber möglicherweise in Honig enthaltenen Bakterien noch zu gering ist. |

Quelle

Anfang RR et al. pH-neutralizing esophageal irrigations as a novel mitigation strategy for button battery injury. Laryngoscope 2018; doi:10.1002/lary.27312

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