Arzneimittel und Therapie

Zulassung für Denosumab erweitert

Jetzt auch bei Glucocorticoid-induzierter Osteoporose

Zur Therapie einer Glucocorticoid-induzierten Osteoporose standen bislang nur einige wenige Wirkstoffe zur Verfügung. Mit Denosumab kommt nun eine neue, gut wirksame Therapieoption hinzu. Wie der Zulassungsinhaber Amgen bekannt gab, hat die Europäische Kommission der Zulassungserweiterung des RANKL-Inhibitors zugestimmt.

Die Glucocorticoid-induzierte Osteoporose, die häufigste Form einer sekundären Osteoporose, geht mit einem erhöhten Risiko für vertebrale und nicht vertebrale Frakturen einher. Die Behandlungsmöglichkeiten sind rar, und in der Europäischen Union sind lediglich einige Bisphosphonate und das Parathormonfragment Teriparatid zugelassen. Nachdem die Europäische Kommission der Indikationserweiterung von Denosumab, einem Inhibitor des Receptor Activator of NF-κB Ligand (RANKL), Anfang Juni 2018 zugestimmt hat, wird nun eine neue Therapieoption zur Verfügung stehen. Der Einsatz von Denosumab hat folgenden Hintergrund: RANKL spielt eine wichtige Rolle bei der Pathogenese einer Glucocorticoid-induzierten Osteoporose. Seine Bildung wird durch Glucocorticoide erhöht und führt zu einer vermehrten Knochenresorption. Denosumab ist ein humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der mit hoher Affinität und Spezifität an RANKL bindet. Dadurch wird RANKL daran gehindert, seinen Rezeptor RANK auf der Oberfläche von Osteoklasten und deren Vorläuferzellen zu aktivieren. Durch die Unterbrechung der RANKL/RANK-Interaktion werden Bildung, Funktion und Überleben der Osteoklasten inhibiert und dadurch die Knochenresorption sowohl im kortikalen als auch im trabekulären Knochen vermindert.

Denosumab-Zulassungsstatus

Denosumab wird sowohl zur Behandlung der Osteoporose (Prolia®) als auch in der Tumor­therapie eingesetzt (Xgeva®). Laut Fachinformation ist Denosumab (Prolia®) bislang bei folgenden Indikationen zugelassen:

  • Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern mit erhöhtem Frakturrisiko
  • Behandlung von Knochenschwund im Zusammenhang mit Hormonablation bei Männern mit Prostatakarzinom mit erhöhtem Frakturrisiko

Die erweiterte Zulassung für (Prolia®) wird zukünftig folgende Indikation umfassen:

  • Behandlung von Knochenschwund im Zusammenhang mit langfristiger Glucocorticoid-Therapie bei erwachsenen Patienten mit erhöhtem Frakturrisiko

In der Tumortherapie ist Denosumab gemäß Xgeva®-Fachinformation angezeigt zur

  • Prävention skelettbezogener Komplikationen (pathologische Fraktur, Bestrahlung des Knochens, Rückenmarkkompression oder operative Eingriffe am Knochen) bei Erwachsenen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen und Knochenbefall
  • Behandlung von Erwachsenen und skelettal ausgereiften Jugendlichen mit Riesenzelltumoren des Knochens, die nicht resezierbar sind oder bei denen eine operative Resektion wahrscheinlich zu einer schweren Morbidität führt

Denosumab schlägt Risedronat

In einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Denosumab und Risedronat bei 795 Patienten miteinander verglichen. Die Probanden wiesen ein erhöhtes Risiko für einen Steroid-induzierten Knochenabbau auf (z. B. bereits erlittene Frakturen, geringe Knochendichte) und erhielten entweder bereits seit mehr als drei Monaten eine Glucocorticoid-Therapie (n = 505) oder begannen gerade eine längerfristige Anwendung (n = 290). Zusätzlich zu einer Supplementation mit Calcium und Vitamin D erhielten die Patienten verblindet subkutan Denosumab 60 mg alle sechs Monate oder oral Risedronat 5 mg/Tag für 24 Monate. Nach zwölf Monaten wurden die Auswirkungen auf die Knochendichte bestimmt. In beiden Gruppen – also unter bereits bestehender und neu initiierter Glucocorticoid-Therapie – und unter beiden Wirkstoffen stieg die Knochendichte an. Die Zunahme war unter Denosumab signifikant größer als unter Risedronat. Dies betraf den Zuwachs der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule (4,4% vs. 2,3% bei bestehender Therapie bzw. 3,8% vs. 0,8% bei neu initiierter Therapie) und an der Gesamthüfte (2,1% vs. 0,6% bzw. 1,7% vs. 0,2%).

Im Hinblick auf die Therapiesicherheit zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Rückenschmerzen (5% in der Denosumab-Gruppe versus 4% in der Risedronat-Gruppe) und Arthralgien (4% versus 5%). Eine schwere Infektion trat in beiden Gruppen bei 4% der Patienten auf. |

Quelle

Saag K. Denosumab versus risedronate in glucocorticoid-induced osteoporosis: a multicentre, randomised, double-blind, active-controlled, double-dummy, non-inferiority study. Lancet Diabetes Endocrinol 2018;6(6):445-454

Amgen News Release vom 8. Juni 2018. European Commission Approves Prolia® (denosumab) for Patients With Glucocorticoid-Induced Osteoporosis. www.amgen.com; Abruf am 11. Juni 2018

European Medicines Agency. Prolia (Denosumab). Summary of opinion (post authorisation). EMA/CHMP/256922/2018. www.ema.europa.eu; Abruf am 11. Juni 2018

Fachinformation Prolia® (Stand September 2017)

Fachinformation Xgeva® (Stand März 2018)

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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