DAZ aktuell

Zeugin bemängelt Wirkstoff-Analysen

Prozess gegen Zyto-Apotheker: Wie schwer wiegen Dokumentationsmängel?

ESSEN (hfd) | Im Prozess gegen den Bottroper Zyto-Apotheker Peter S. vor dem Landgericht Essen ging es am 34. Verhandlungstag vor allem um eine Frage: Wie zuverlässig sind die Analysen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und des Landeszentrums Gesundheit (LZG) in Nordrhein-Westfalen? Sie hatten teils starke Unterdosierungen in S.’ Zyto-Zubereitungen festgestellt.

Am 11. Juni hatte das Gericht erneut eine Mitarbeiterin des Pharmakologen und Doping-Experten Fritz Sörgel geladen, der in einem Gutachten die Dokumentation von Wirkstoff-Analysen kritisiert hatte. LZG und PEI hatten in vielen bei einer Razzia sichergestellten Proben teils erhebliche Unterdosierungen festgestellt. Doch laut Sörgel und seiner Mitarbeiterin Martina K. haben sich die Behörden zu viele Fehler erlaubt. Geladen waren auch LZG-Laborleiter Christoph Luchte sowie der Bereichsleiter Arzneimittel Matthias Heuermann.

Wie schon in einer früheren Befragung kritisierte K. nicht nachvollziehbare Korrekturen der Behörden: Änderungen seien nicht immer mit Initialen und Datum vermerkt, teils sei die ursprüngliche Information nicht mehr lesbar. Auch bemängelte sie nicht gekennzeichnete Kopien – oder dass Schulungsunterlagen und Qualifikationsnachweise bei zwei PEI-Mitarbeitern erst nachträglich ausgestellt wurden. Einige Kritikpunkte wurden noch im Gerichtssaal entkräftet. K. bemängelte, dass ein Protokoll des Probentransports in unterschiedlichen Farben ausgefüllt ist – Luchte erklärte, er habe es mit zwei verschiedenen Kugelschreibern ausgefüllt. Zu einer Eintragung, für die es laut K. keine Rohdaten gebe, zeigte der LZG-Mitarbeiter am Richtertisch, wo sich der entsprechende Eintrag befindet.

K. zog die Ergebnisse dennoch in Zweifel – auch da Geräte zur Analyse verwendet wurden, für die eine Funktionsprüfung ausstand. Heuermann erklärte, er habe Mitarbeiter mündlich hierzu angewiesen. Dazu K. laut „Correctiv“: „Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht“. Die LZG-Mitarbeiter gestanden zwar Fehler ein, doch argumentierten sie, dass diese keine Auswirkungen auf die Untersuchungsergebnisse hätten.

In Bezug auf die Dokumentation des PEI sagte K., sie habe „kein Vertrauen in das durchgeführte System“. Sie verneinte jedoch die Frage der Verteidigung, ob sie Hinweise darauf habe, dass Dokumente nach Anklageerhebung verändert wurden. Am 13. Juni wurde der Prozess fortgesetzt. |

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