Arzneimittel und Therapie

Gefährliches Lynparza-Verwirrspiel

Neue Olaparib-Darreichungsform darf nicht gegen Kapseln getauscht werden

cst | Tablette oder Kapsel? Das ist die Frage, wenn Olaparib (Lynparza®) auf dem Rezept steht. Wird das Falsche abgegeben, kann es zu Über- oder Unterdosierungen kommen.

Bei dem Krebsmedikament Olaparib muss ab sofort genau darauf geachtet werden, was verordnet wurde. Der Inhibitor der Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP), der bereits seit Dezember 2014 in Kapselform zugelassen ist, steht nun auch als Tabletten zur Verfügung. Nicht nur die Darreichungsformen unterscheiden sich, sondern auch die Dosierung und die Bioverfügbarkeit. Während die Tagesgesamtdosis bei den Kapseln 800 mg beträgt, ist diese bei den Tabletten mit 600 mg geringer. Daher dürfen die Tabletten und Kapseln weder 1 : 1 noch auf Milligrammbasis ausgetauscht werden. In der Tabelle sind die entsprechenden Dosierungsempfehlungen dargestellt. In einem Rote-Hand-Brief werden Ärzte und Apotheker vor dem erhöhten Risiko für Medikationsfehler gewarnt: Werden die Dosierungsempfehlungen für die Kapseln auf die Tabletten übertragen, kann es zu einer Überdosierung mit Zunahme von unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommen. Andersherum droht eine unzureichende Wirksamkeit. Bei der ärztlichen Verordnung muss daher genau festgelegt werden, welche Darreichungsform – Tablette oder Kapsel – die Patientin in welcher Dosierung erhalten soll. Apotheker sind angehalten, bei der Abgabe auf die korrekte Darreichungsform und Dosierung zu achten. Außerdem soll die Patientin bei einer etwaigen Umstellung über die Unterschiede informiert und die korrekte Dosierung erläutert werden.

Neben der Darreichungsform unterscheiden sich die Tabletten und Kapseln auch in ihrer Indikation: Die Zulassung der Tabletten ist breiter und wird in der Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit platinsensitivem rezidivierendem high grade epithelialen Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinom, die auf eine platinbasierte Chemotherapie vollständig oder teilweise ansprechen, eingesetzt – und zwar unabhängig vom BRCA-Mutationsstatus. Die Kapseln sind hingegen nur bei den BRCA-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) oben genannten Karzinomen angezeigt. Obwohl die Zulassung der Tabletten die der Kapseln umfasst, werden die Kapseln nach Auskunft des Herstellers AstraZeneca aktuell nicht vom Markt genommen, um die Versorgung der Patientinnen, die auf Kapseln eingestellt sind, sicherzustellen. |

Quelle

Rote-Hand-Brief zu Lynparza® (Olaparib) vom 28. Mai 2018. www.akdae.de

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