Arzneimittel und Therapie

PPI über kurz oder lang mit Risiken

Assoziation mit Hüftfrakturen und Ösophaguskarzinomen

Häufig verordnet und oft unverzichtbar: Protonenpumpeninhibitoren (PPI) haben in vielen Indikationen einen hohen therapeutischen Stellenwert. Doch auch ihre Nebenwirkungen werden viel diskutiert. Zwei aktuelle Untersuchungen sind nur teilweise beruhigend.

Eine aktuelle retrospektive Auswertung von knapp 800.000 PPI-Langzeitanwendern in Schweden zeigte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein fast vierfach höheres Risiko für Adenokarzinome des Ösophagus [1]. Und das nicht nur bei Patienten, bei denen PPI aufgrund einer gastroösophagealen Refluxkrankheit – einem bekannten Risikofaktor für Ösophaguskarzinome – indiziert waren. Das Risiko war bei Patienten, die PPI begleitend zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) anwendeten, fast um das Dreifache erhöht und etwa um das Doppelte bei Patienten, die PPI begleitend zu Acetylsalicylsäure erhielten. Demzufolge scheint die Langzeitanwendung von PPI auch ohne zusätzliche Risikofaktoren das Risiko für Adenokarzinome des Ösophagus zu erhöhen.

Eine weitere bekannte Nebenwirkung der PPI ist das erhöhte Risiko für Frakturen des Unterschenkelhalses und der Wirbelkörper [2]. In einer Fall-Kontroll-Studie mit Alzheimer-Patienten wurde untersucht, inwieweit PPI mit einem erhöhten Risiko für Hüftfrakturen assoziiert sind [3]. Im Gegensatz zu früheren Studien konnte ein erhöhtes Risiko bei einer Langzeitanwendung hier nicht bestätigt werden. Allerdings wiesen Patienten, die zum Zeitpunkt der Hüftfraktur seit maximal 30 Tagen PPI anwendeten, ein um zwölf Prozent erhöhtes Risiko auf. Unter einer PPI-Therapie über einen Zeitraum von maximal einem Jahr wurde eine Risikoerhöhung von 23% beobachtet. Diese Beobachtungen könnten jedoch auf Komorbiditäten oder Begleitmedikamente, die bei Pa­tienten mit Hüftfrakturen häufiger vorkamen bzw. eingesetzt wurden, zurückzuführen sein. |

Quelle

[1] Brusselaers N et al. Maintenance proton pump inhibition therapy and risk of oesophageal cancer. Cancer Epidemiol. 2018;53:172-177

[2] PPI – Bereicherung oder Gefahr? DAZ 2018, Nr. 12, S. 53-55

[3] Torvinen-Kiiskinen S et al. Proton pump inhibitor use and risk of hip fractures among community-dwelling persons with Alzheimer’s disease—a nested case-control study. Aliment Pharmacol Ther. 2018;47:1135–1142

Dr. Miriam Neuenfeldt

Das könnte Sie auch interessieren

Langzeiteinsatz von Protonenpumpeninhibitoren ist mit erhöhtem Risiko assoziiert

Demenz durch Omeprazol und Co.?

Protonenpumpeninhibitoren geraten immer mehr in die Kritik

Wenn PPI zu lange eingenommen werden

Ein Kommentar von Prof. Dr. Thomas Frieling

„PPI sind sinnvoll!“

Deprescribing inadäquater Verordnungen

Dauerbrenner PPI

Protonenpumpenhemmer

Schädigen PPI die Nieren?

Bei Langzeiteinnahme den Hämoglobin-Wert kontrollieren

Eisenmangel durch Omeprazol und Co.

Protonenpumpeninhibitoren erhöhen eventuell das Risiko chronischer Nierenerkrankungen

Gefährdet Magenschutz die Niere?

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.