Prisma

Unruhige Abendstunden

Schaltstelle zwischen innerer Uhr und Aggressionszentrum identifiziert

cst | Schwindet das Tageslicht, verspürt so mancher Patient, der an Alzheimer oder einer anderen Demenz-Erkrankung leidet, eine plötzliche Änderung des Gemütszustandes: Verstärkte Unruhe, Verwirrtheit und Aggression zählen zu den unschönen Symptomen bei Eintritt der Dämmerung. Dass die innere Uhr direkt mit einem Aggressions­zentrum im Gehirn verbunden ist, wurde nun im Mausmodell gezeigt.
Foto: viperagp – stock.adobe.com
Sundown-Syndrom Für viele Demenz-Patienten und deren Angehörige sind die frühen Abendstunden eine tägliche Herausforderung.

Forscher der Harvard Medical School in Boston untersuchten zu diesem Zweck, ob und wie Steuerungszentren der inneren Uhr und der Aggressionskontrolle im Gehirn männlicher Mäusen verknüpft sind. Als wichtigster Taktgeber für den zirkadianen Rhythmus ist der suprachiasmatische Kern bekannt, der sich im ventralen Hypothalamus befindet. Die Entstehung aggressiven Verhaltens wird einer Hirnregion im ventromedialen Thalamus zugeschrieben. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass diese Regionen über GABAerge Neurone der subparaventrikulären Zone verbunden sind. Über diese Schaltstelle ließ sich das ­aggressive Verhalten der Tiere, das zirkadianen Schwankungen unterlag, gezielt beeinflussen. Eine Störung in diesem neuronalen Schaltkreis könnte eine mögliche Erklärung für die erhöhte ­Aggressivität von Demenz-Patienten in den frühen Abendstunden liefern, die auch als Sundown-Syndrom bezeichnet wird. Durch das bessere Verständnis dieser Mechanismen erhofft man sich neue therapeutische Angriffspunkte bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer zu finden. |

Quelle

Todd WD et al. A hypothalamic circuit for the circadian control of aggression. Nat Neurosci. 2018;21(5):717-724

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