Arzneimittel und Therapie

Vitamin D und Calcium enttäuschen

Supplementation konnte ältere Menschen nicht vor Knochenbrüchen schützen

Einer aktuellen Metaanalyse zufolge senkt die Einnahme von Calcium und Vitamin D nicht das Frakturrisiko bei selbständig lebenden Senioren.

Die Wertigkeit einer Calcium- und Vitamin-D-Supplementation zur Prävention von Frakturen bei älteren Menschen wird unterschiedlich bewertet. Die deutsche S3-Leitlinie zur Osteoporose (gültig bis 2017) kommt zum Schluss, dass eine kombinierte Gabe von Calcium und Vitamin D die Inzidenz von Hüftfrakturen und vermutlich aller Frakturen bei älteren Männern und Frauen senkt, fügt aber hinzu, dass die Wirkung bei selbständig lebenden Menschen geringer sein kann als bei Heimbewohnern. Andere Studien betrachten die Vitamin-D- und Calcium-Gabe skeptischer und sehen keinen eindeutigen Zusammenhang mit verminderten Frakturraten. Eine in China durchgeführte Meta­analyse befasste sich erneut mit dieser Frage und fokussierte sich dabei auf selbständig lebende Senioren, die nicht in Heimen betreut wurden. Sie griff auf 33 randomisierte Studien mit über 50.000 Probanden zurück. In diesen Studien war das Auftreten von Frakturen im Zusammenhang mit der Einnahme von Calcium (Subgruppen ≤ bzw. ≥ 1 g/Tag), Vitamin D (≤ bzw. ≥ 800 IE/Tag) oder einer Kombination beider im Vergleich mit einer Placebo-Gabe oder keiner Behandlung untersucht worden. Der primäre Studienendpunkt war das Auftreten einer Hüftfraktur; sekundäre Endpunkte bestimmten die Inzidenz weiterer Frakturen. Es ergab sich kein statistisch relevanter Zusammenhang zwischen der Einnahme von Calcium und/oder Vitamin D und dem Risiko einer Hüftfraktur oder sonstigen Frakturen (vertebrale, nicht-vertebrale oder sonstige Frakturen). Dies traf sowohl für die Supplementation von Calcium wie auch für die Vitamin-D-Gabe und eine Kombination beider zu (RR für Calcium = 1,53; RR für Vit­amin D = 1,21; RR für Calcium und Vitamin D = 1,09; Werte für das Risiko einer Hüftfraktur jeweils im Vergleich mit Placebo oder keiner Medikation). Auch die Berücksichtigung von Dosierung, Alter, der Calcium-Aufnahme über die Nahrung sowie dem Blut­spiegel von 25-Hydroxy-Vitamin-D führte zu keinem anderen Ergebnis. |

Quelle

Zhaoet J-G et al. Association between Calcium or Vitamin D supplementation and fracture incidence in community-dwelling older adults. A systematic review and meta-analysis. JAMA 2017;318(24):2466-2482, DOI: 10.1001/jama.2017.19344

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Männern ab dem 60. Lebensjahr und bei postmenopausalen Frauen. Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e. V. (DVO), Stand 2014; www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/osteoporose-leitlinie-2014

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.