Arzneimittel und Therapie

In die Klinik nach Vareniclin

Einsatz zur Raucherentwöhnung scheint kardiovaskuläre und neuropsychiatrische Risiken zu erhöhen

Unter Vareniclin (Champix®), das zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen eingesetzt wird, war in einer bevölkerungsbasierten Studie das Risiko für kardiovaskuläre und neuropsychiatrische Nebenwirkungen erhöht.

Vareniclin unterstützt als Partial­agonist an den Nicotin-Rezeptoren die Raucherentwöhnung. Die Einnahme wurde aber auch mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen in Verbindung gebracht. Fälle von Depression, Selbstmord, Aggressivität sowie kardiovaskuläre Komplikationen unter Vareniclin sind dokumentiert. Ziel einer Studie von Forschern des Institute for Clinical Evaluative Sciences in Toronto (Kanada) war es, die Risiken von kardiovaskulären und neuropsychiatrischen Ereignissen nach der Vareniclin-Einnahme zu bestimmen. Dazu führten sie eine bevölkerungsbasierte, selbstkontrollierte Risikointervallstudie durch, indem sie die Gesundheitsdaten der kanadischen Bevölkerung von Ontario auswerteten.

In zwei separaten Analysen wurden zwischen dem 1. September 2011 und dem 15. Februar 2014 aus der „Ontario Drug Benefit Program Database“ neue Vareniclin-Nutzer ausgemacht und von einem Jahr vor bis zu einem Jahr nach dem Erhalt von Vareniclin beobachtet.

Vareniclin

Vareniclin (Champix®) bindet mit einer hohen Affinität und Selektivität an die neuronalen α4β2-nicotinergen Acetylcholin-Rezeptoren. Hier agiert es als partieller Agonist mit sowohl agonistischer (mit geringerer intrinsischer Wirkung als Nicotin) als auch in Gegenwart von Nicotin mit antagonistischer Wirkung. Nicotin konkurriert zwar mit Vareniclin um die gleiche humane Bindungsstelle am nicotinergen Acetylcholin-Rezeptor. Allerdings besitzt Vareniclin eine höhere Affinität. Daher kann es die Fähigkeit von Nicotin, die α4β2-Rezeptoren voll zu aktivieren und damit das mesolimbische Dopaminsystem zu stimulieren, wirksam blockieren. Damit wird der neuronale Mechanismus gehemmt, der zu dem Verstärkungs- und Belohnungseffekt führt, der dem Rauchen zugrunde liegt. Vareniclin ist zugelassen zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen. Es muss eine einwöchige Titrationsphase eingehalten werden: Tag 1 bis 3: 0,5 mg Vareniclin einmal täglich, Tag 4 bis 7: 0,5 mg Vareniclin zweimal täglich. Ab Tag 8 bis Behandlungsende wird 1 mg Vareniclin zweimal täglich angewendet. In der Regel sollen die Patienten über zwölf Wochen behandelt werden.

Unter 56.851 neuen Anwendern von Vareniclin traten im Untersuchungszeitraum 6317 kardiovaskulär und 10.041 neuropsychiatrisch begründete Krankenhausaufenthalte und Notarztbesuche auf. Die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse war im Risiko um 34% höher (relative Inzidenz [RI] 1,34; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,25 bis 1,44). Personen im Alter von 65 Jahren oder älter, die während des Beobachtungszeitraums 7,5% aller Patienten mit neuropsychiatrischem Ereignis ausmachten, hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Ereignisse (RI 1,44; 95% KI 1,15 bis 1,80), jüngere Patienten hingegen nicht. Die Schätzungen der relativen Inzidenz waren nicht in allen Sensitivitätsanalysen signifikant.

Diese Ergebnisse können von Patienten und Ärzten bei der Abwägung der Risiken und Vorteile der Vareniclin-Anwendung verwendet werden. Laut den Forschern ist das beobachtete, erhöhte Risiko wahrscheinlich nicht auf andere Raucherentwöhnungsmittel oder die Raucherentwöhnung selbst zurückzuführen. |

Quelle

Gershon A et al. Cardiovascular and neuropsychiatric events following varenicline use for smoking cassation. AJRCCM Articles in Press, online veröffentlicht 20. Dezember 2017, 10.1164/rccm.201706-1204OC

Apothekerin Janine Naß

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