Arzneimittel und Therapie

Hoffnung bei sekundär progredienter MS

S1P-Modulator verlangsamt die fortschreitende Verschlechterung

Noch in diesem Jahr will Novartis die Zulassung von Siponimod zur Behandlung der sekundär progredienten multiplen Sklerose (SPMS) beantragen. Im Falle einer Zulassung durch die Arzneimittelbehörden stünde mit dem selektiven Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptormodulator zum ersten Mal eine krankheitsmodifizierende Therapie zur Verfügung, die das Voranschreiten der Behinderung bei typischen SPMS-Patienten verzögern kann.

Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung, bei der das Immun­system des Körpers irrtümlicherweise die Myelinscheiden an Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark angreift. Nach einer ersten Phase der schubförmig-remittierenden MS (RRMS) entwickeln die Patienten häufig eine sekundär progrediente Verlaufsform, die – weitgehend unabhängig von Schüben – zu einer fortschreitenden irreversiblen Behinderung führt. Bisher gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, die die fortschreitende Verschlechterung verlangsamen. In der nun vorgestellten großen Phase-III-Studie (EXPAND) an SPMS-Patienten mit mittel- bis hochgradiger Behinderung hat das oral eingenommene Siponimod als erster Wirkstoff überhaupt das Fortschreiten der SPMS verlangsamt.

Was ist Siponimod?

Der Wirkstoff Siponimod ist eine Weiterentwicklung von Fingolimod (Gilenya®), das in Europa bereits seit 2011 als krankheitsmodifizierende Therapie der hochaktiven schubförmig-remittierenden MS zugelassen ist. Siponimod ist ein oral einzunehmender selektiver Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptormodulator der zweiten Generation, der spezifisch für die Rezeptorsubtypen 1 und 5 (S1P1 und S1P5) ist. Gegenüber S1P-Modulatoren der ersten Generation zeichnet sich Siponimod durch eine erhöhte Rezeptorspezifität und günstigere pharmakokinetische Eigenschaften (z. B. schnellere Eliminierung) aus. Die Interaktion am S1P1-Rezeptorsubtyp auf Lymphozyten verhindert, dass diese ins zentrale Nervensystem von MS-Patienten gelangen, und führt zu einer entzündungshemmenden Wirkung. Siponimod selbst kann auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Im Hirn­gewebe kann es an den S1P5-Rezeptorsubtyp auf spezifischen Zellen (Oligodendrozyten und Astrozyten) binden. Damit hat es das Potenzial, schädliche Zellaktivität herabzusetzen und dem Verlust der mit der SPMS assoziierten neurologischen Funktionen entgegenzuwirken. Die EU-Zulassung soll voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres beantragt werden.

EXPAND wurde zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Siponimod an 292 Kliniken in 31 Ländern mit 1645 SPMS-Patienten durchgeführt. In der doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurden die Patienten im Verhältnis 2 : 1 randomisiert und erhielten einmal täglich 2 mg Siponimod oder Placebo. Neben der Reduktion des Risikos der Behinderungsprogression gegenüber Placebo wurden auch positive Auswirkungen von Siponimod im Hinblick auf eine verringerte Schubrate und den Rückgang des Hirnvolumens (Hirnatrophie) beobachtet. Dabei war das Verträglichkeitsprofil von Siponimod mit dem anderer S1P-Rezeptormodulatoren vergleichbar. |

Quelle

Novartis, Geschäftsbericht 2017 und Presse­mitteilung vom 23. März 2018

Kappos L et al. Siponimod versus placebo in secondary progressive multiple sclerosis (EXPAND): a double-blind, randomised, phase 3 study. Lancet 2018;391:1263-1273

Apothekerin Dr. Daniela Leopoldt

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