Arzneimittel und Therapie

Es geht auch ohne Hormone

Einfaches Vaginalgel lindert vulvovaginale Beschwerden ausreichend

Etwa jede zweite Frau leidet nach der Menopause unter vulvovaginalen Symptomen, vor allem Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Häufig ist eine Lokaltherapie ausreichend, um die Beschwerden zu lindern. In der Studie einer US-amerikanischen Arbeitsgruppe schnitt dabei eine hormonhaltige Vaginaltablette nicht besser ab als ein hormonfreier Moisturizer – und auch dieser war dem Placebo-Gel nicht überlegen.

In den letzten Jahren wurde das Apothekensortiment um zahlreiche rezeptfreie Arzneimittel und Medizinprodukte zur Linderung vulvovaginaler Symptome erweitert (s. Tabelle). Bekommen Frauen die Symptome damit nicht in den Griff, sind verschreibungspflichtige lokale Zubereitungen mit Estriol (als Creme, z. B. Ovestin® Creme, als Vaginaltabletten, z. B. Gynoflor®, oder –zäpfchen, z. B. Estriol-Ovulum fem Jenapharm®) bzw. Estradiol (z. B. Linoladiol® N Creme) einen Versuch wert, bevor eine systemische Behandlung eingeleitet wird. In einer kürzlich publizierten Studie hat eine US-amerikanische Arbeitsgruppe geprüft, ob bei moderaten bis schweren postmenopausalen vulvovaginalen Beschwerden Estrogen-haltige Vaginaltabletten besser wirksam sind als Moisturizer und diese wiederum besser als Placebo. Anlass dafür war, dass es bisher nur sehr wenige und meistens kleine oder nicht optimal designte Untersuchungen gibt, die hormonelle und nichthormonelle Optionen miteinander vergleichen.

Tab. Hormonfreie Präparate zur Linderung vulvovaginaler Symptome (Beispiele) [Lauer Fischer Taxe, Gelbe Liste, Gebrauchsinformationen. Stand: 24. April 2018]
Produkt / Anbieter
Haupt-inhaltsstoff(e)
Anwendung
Hinweise
KadeFungin® Befeuchtungsgel (30 ml) / Dr. Kade Pharm. Fabrik GmbH
Hyaluronsäure
bei Bedarf mehrmals täglich auf­tragen (Schamlippen und Scheideneingang)
mit Kondomen anwendbar
KadeFungin® Befeuchtungsovula (14 Stück) / Dr. Kade Pharm. Fabrik GmbH
Hyaluronsäure, Vitamine A und E
Vaginalzäpfchen täglich jeweils abends an 14 aufeinanderfolgenden Tagen tief in die Scheide einführen
keine Angaben zum Einsatz mit Kondomen
Vagisan® FeuchtCreme (25 g oder 50 g [mit Applikator]) / Dr. August Wolff GmbH
Milchsäure
täglich eine halbe Applikatorfüllung in die Scheide einbringen, vorzugsweise vor dem Schlafengehen; bei Bedarf mehrmals täglich auftragen (Schamlippen und Scheideneingang)
nicht gleichzeitig mit Kondomen oder Pessaren anwendbar
Vagisan® FeuchtCreme Cremolum® (16 Stück) / Dr. August Wolff GmbH
Milchsäure
Vaginalzäpfchen tief in die Scheide einführen, vorzugsweise vor dem Schlafengehen; zu Beginn täglich, danach zwei- bis dreimal pro Woche
nicht gleichzeitig mit Kondomen oder Pessaren anwendbar; nicht unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr
Replens™ Vaginalgel (3 oder 6 vorgefüllte Applikatoren) / Aurosan GmbH
Polycarbophil
Gel alle drei Tage mittels Einmalapplikator in die Scheide einführen, vorzugsweise am Morgen
mit (Naturkautschuk-), Latex-, Polyisopren- und Polyurethan-Kondomen anwendbar; nicht unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr
Gynomunal® Vaginalgel (50 ml [mit Applikator]) / Almirall Hermal GmbH
Hyaluronsäure, Liposome, Hopfenextrakt, Vitamin E
täglich an sieben aufeinanderfolgenden Tagen eine Applikatorfüllung in die Scheide einbringen, vorzugsweise vor dem Schlafengehen; danach zweimal pro Woche
mit Naturlatex- und Polyiso­pren-Kondomen anwendbar, jedoch nicht mit Polyurethan-Kondomen
Remifemin® FeuchtCreme (50 g) / Schaper & Brümmer GmbH & Co. KG
Milchsäure, Hamameliswasser
einmal täglich, vorzugsweise vor dem Schlafengehen (ohne Applikator: am Scheideneingang und im äußeren Intimbereich auftragen; mit Applikator: halbe Füllung in die Scheide einführen)
mit latexfreien Kondomen anwendbar
Vulniphan® Vaginalovula (10 Stück) /  Dr. R. Pfleger GmbH
Hyaluronsäure
Vaginalzäpfchen einmal täglich tief in die Scheide einführen, vorzugsweise vor dem Schlafengehen
mit Kondomen anwendbar

Estrogen, Moisturizer, Placebo?

In die 12-wöchige randomisierte, doppelblinde placebokontrollierte Studie wurden postmenopausale Frauen eingeschlossen, die im Bereich der vulvovaginalen Schleimhaut unter Symptomen wie Juckreiz, Schmerzen, Trockenheitsgefühl, Reizungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr litten, welche moderat bis schwer ausgeprägt waren. Das mittlere Alter der Probandinnen betrug 61 Jahre, die meisten (81%) von ihnen waren sexuell aktiv. Ein Drittel (n = 102) wendete zwei Wochen lang täglich, anschließend zweimal wöchentlich, eine Estradiol-haltige Vaginaltablette (10 µg) und jeden dritten Tag ein Placebo-Gel an. Eine weitere Gruppe (n = 100) erhielt ein alle drei Tage lokal anzuwendendes befeuchtendes Gel (Moisturizer) sowie eine Placebo-­Vaginaltablette. In der dritten Gruppe (n = 100) waren beide Präparate Placebos. Primärer Endpunkt war die Abnahme der Schwere des jeweils störendsten Symptoms 12 Wochen nach Studienbeginn auf einer Skala von 0 bis 3 (0: keine, 1: leichte, 2: moderate, 3: starke Symptome). Außerdem wurden – teils mithilfe von Fragebögen – zahlreiche sekundäre Parameter erhoben, beispielsweise das Ausmaß weiterer Symptome, der vaginale pH-Wert, gewebsspezifische Marker der vulvovaginalen Atrophie oder die Zufriedenheit mit der Behandlung.

Foto: sculpies – stock.adobe.com
Hauptsache befeuchten Weder hormonhaltige Vaginaltabletten noch befeuchtende Gele sind bei postmenopausalen Beschwerden im Intimbereich besser als Placebo.

Alle ähnlich gut wirksam

In den beiden Verum-Gruppen wurden weder beim primären noch bei den sekundären Endpunkten bessere Ergebnisse erzielt als unter Placebo. In allen Gruppen reduzierte sich die Symptomschwere innerhalb von zwölf Wochen im Mittel um 1,2 bis 1,4 Punkte. Die meisten Frauen erfuhren eine Linderung ihrer Beschwerden um mindestens 50% (Estradiol 70% vs. Placebo 65%, p = 0,50; Moisturizer 54% vs. Placebo 65%, p = 0,10). Auf Basis dieser Ergebnisse argumentieren die Autoren, dass ein hormonhaltiges Gel nicht unbedingt notwendig sei, um vulvovaginale Symptome bei postmenopausalen Frauen zu reduzieren. Es genüge offenbar, regelmäßig eine befeuchtende Zubereitung anzuwenden. Dass auch das Placebo-Vaginalgel auf Basis von Hydroxyethylcellulose die Beschwerden gut lindern konnte, war für zwei Kommentatorinnen der Studie nicht überraschend. Sie beurteilten die Unterschiede in der Viskosität und im pH-Wert als gering. Der Moisturizer enthielt das bioadhäsive Polymer Polycarbophil, dem im Vergleich mit anderen Gelen eine längere befeuchtende Wirkung zugeschrieben wird. In dieser Studie wirkte sich der Inhaltsstoff jedoch nicht signifikant auf die Linderung der Beschwerden aus.

Präferenzen erfragen

Das Fazit der Autoren: Zur Linderung vulvovaginaler Symptome in der Postmenopause genügt eine rezeptfreie lokale Zubereitung. Bei der Entscheidung für ein Produkt sollten finan­zielle Aspekte und die Präferenzen der Anwenderinnen bezüglich der Formulierung eine Rolle spielen. Frauen, die Cremes oder Gele nicht mögen, könnten sich beispielsweise für Vaginalzäpfchen entscheiden. |

Quelle

Mitchell AM et al. Efficacy of vaginal estradiol or vaginal moisturizer vs placebo for treating postmenopausal vulvovaginal symptoms. A randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2018; doi:10.1001/jamainternmed.2018.0116

Huang AJ, Grady D. Rethinking the approach to managing postmenopausal vulvovaginal symptoms. JAMA Intern Med 2018; doi:10.1001/jamainternmed.2018.0094

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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