Arzneimittel und Therapie

PSA-Screening – Fluch oder Segen?

Frage immer noch nicht abschließend zu beantworten

Die Vor- und Nachteile der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms sind seit Jahren in der Diskussion. Diese dürfte wohl weitergehen, denn auch eine groß angelegte Studie konnte – trotz vermehrter Krebsdiagnosen – keinen Nutzen hinsichtlich der Sterblichkeit nachweisen.

Eine Studie aus Großbritannien untersuchte erneut Nutzen und Risiko eines PSA-Screenings. Um jeglichen personengebundenen Bias zu reduzieren, wurde hier bereits auf der Ebene der 911 teilnehmenden Arztpraxen randomisiert. In der Kontrollgruppe wurden die Patienten entsprechend der Standardvorgabe des National Health Services behandelt, d. h. nur auf Nachfrage wurde eine PSA-Untersuchung angeboten. In der Interventionsgruppe hingegen wurde gezielt zu einer einmaligen PSA-Messung eingeladen, der im Falle eines erhöhten Wertes (> 3 ng/ml) eine Biopsie folgen konnte. In die Studie wurden 415.357 Männer mit einem durchschnittlichen Alter von 59 Jahren eingeschlossen, davon 189.386 in die Interventions- und 219.439 in die Kontrollgruppe.

PSA-Wert nur selten bestimmt

In der Interventionsgruppe nahmen 67.313 (36%) an der PSA-Untersuchung teil, und von den validen Ergebnissen zeigten 6.857 (11%) einen PSA-Wert von 3 ng/ml bis 19,9 ng/ml. Bei 5.850 (85%) dieser Probanden wurde eine Biopsie der Prostata durchgeführt.

Nach einer Beobachtungszeit von 10 Jahren waren in der Interventionsgruppe 549 Männer (0,30 pro 1.000 Personenjahren) an einem Prostatakarzinom verstorben, in der Kontrollgruppe 647 (0,31 pro 1.000 Personenjahre). Auch die Gesamtmortalität war zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant verschieden. Allerdings wurden in der Interventionsgruppe signifikant mehr Prostatakarzinome nachgewiesen (4,3% vs. 3,6%), insbesondere auch mit einem für die Prognose günstigeren Gleason-Score < 6 (1,7% vs. 1,1%). Dahingegen waren fortgeschrittene Stadien etwas häufiger in der Kontrollgruppe.

Leitlinienempfehlungen zur Früherkennung

Die Früherkennung des Prostatakarzinoms stützt sich auf die Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und eine zusätzliche digital-rektale Untersuchung. Gemäß der deutschen S3-Leitlinie, die gerade aktualisiert wurde, soll primär eine ausführliche Beratung über die Vor- und Nachteile der Früherkennungsmaßnahmen erfolgen, denn es besteht ein Risiko der Überdiagnose (als solche erkannte Prostatakarzinome, die jedoch nie auffällig geworden wären) und der Überbehandlung (unnötige Behandlungen aufgrund einer Überdiagnose). Für den hausärztlichen Bereich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), diese Beratung nur dann durchzuführen, wenn Männer aktiv nach einer Früherkennung mittels PSA-Test fragen.

Foto: jarun011 – stock.adobe.com

Aussagekraft fraglich

Diese Ergebnisse ergänzen frühere Studien in verschiedenen Aspekten, führen aber nicht zu grundsätzlich neuen Erkenntnissen. Das könnte vor allem auch daran liegen, dass das Testangebot nur von sehr wenigen Probanden genutzt wurde (rund einem Drittel der Interventionsgruppe). Aussagekräftige Ergebnisse zum Nutzen eines Screenings, das hier mehrheitlich nicht durchgeführt wurde, kann diese Studie somit nicht liefern. |

Quelle

Martin RM et al. Effect of a Low-Intensity PSA-based Screening Intervention on Prostate Cancer Mortality: The CAP Randomized Clinical Trial. 2018;319(9):883-895

Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 5.0 – April 2018. AWMF-Registernummer: 043/022OL

Ilic D et al. Screening for prostate cancer. Cochrane Database Syst Rev 2013;(1):CD004720

Apothekerin Dr. Maren Flügel

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