Die Seite 3

Honorarvorschläge jetzt!

Foto: DAZ/Kahrmann
Dr. Thomas Müller-Bohn, Redakteur der DAZ

Die fortgesetzten Apothekenschließungen stärken die verbleibenden Apotheken. Die Politik kann daraufhin die überfällige Anpassung des Festzuschlags für eine gewisse Zeit aussitzen. Doch ein solches System ist nicht nachhaltig und führt zwangsläufig früher oder später zu Versorgungslücken. Zugleich verrinnt die Zeit, während die Umsetzung des Perspektiv­papiers „Apotheke 2030“ nur im Schneckentempo vorankommt. Doch neue patientenorientierte Leistungen können sich nicht entwickeln, solange nicht einmal eine Aussicht auf eine Honorierung besteht. Stattdessen müssen sich die Apotheker ganz anderen Herausforderungen stellen. Die ungleichmäßige Verteilung ihrer wirtschaftlichen Erfolge, die ländliche Versorgung und der Rx-Preiswettbewerb mit ausländischen Versendern sind inzwischen dringendere Themen.

Alle diese Herausforderungen betreffen direkt oder indirekt die Honorierung, die damit zu einem Schlüssel für die Zukunft der Apotheken geworden ist. Fast zwei Jahre auf das Honorargutachten zu warten, hat wertvolle Zeit gekostet. Zudem hat sich das Warten nicht gelohnt. Denn das Gutachten hat die Probleme nicht gelöst, sondern neue Fragen aufgeworfen. Danach hat das Schweigen der ABDA zum Gutachten die Honorardebatte insgesamt weiter blockiert. Jetzt hat die Politik die Diskussion selbst in Gang gebracht. Gesundheits­minister Spahn hat Vorschläge zur ­Apothekenhonorierung angemahnt und der CDU-Arzneimittelexperte Hennrich hat im DAZ.online-Interview ein Honorierungs- und Vertragskonzept als Alternative zum Rx-Versandverbot angeregt.

Doch die Apotheker müssen endlich eigene Vorschläge präsentieren. Dazu müssen sie erst einmal Optionen diskutieren, was längst hätte geschehen können und sollen. Welche Fragen auf dem Weg zu solchen Vorschlägen zu beantworten sind, habe ich in der vorigen Woche in der DAZ beschrieben. Daraus lassen sich zwei Bedingungen und acht mögliche Honorarkomponenten ableiten, die in diesem Heft dargestellt werden (s. S. 56). Darunter sind Weiterentwicklungen der bisherigen Komponenten und mögliche neue Konzepte. Dabei gilt: Vieles kann, nicht alles muss sein. Der Beitrag soll Vorschläge zeigen, die gut für die Apotheker sind und die zugleich Aussicht auf politische Akzeptanz bieten. Dazu gehören Elemente, die unterschiedlich zusammengefügt werden können, und Alternativen für die Diskussion. Vor allem geht es um die Folgen und Anreize. Daraufhin bieten sich besonders Fonds nach dem Vorbild des Notdienstfonds an. Denn damit lässt sich verhindern, dass (zusätzliche) Hono­rare Fehlanreize zur Umsteuerung von Patienten auslösen. So könnte ein fondsfinanzierter versorgungsformabhängiger Festzuschlag die Margen des Versandes reduzieren, ähnlich wie es Hennrich vorschlägt, aber vermutlich weniger angreifbar. Solche Ideen sollten als zusätzliche Sicherung für die Arzneipreisbindung neben dem Rx-Versandverbot diskutiert werden. Denn auf zwei Beinen steht es sich besser.

Die Vorschläge enthalten noch keine Zahlen, denn vorher muss über Konzepte entschieden werden. Vermutlich wird das Ergebnis ein Baukasten aus mehreren Elementen sein, bei dem sich die Zahlen erst am Ende ergeben.

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Dr. Thomas Müller-Bohn

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