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Digitalisierung: Neben einigen schlechten Nachrichten auch Gründe für neuen Mut

ABDA-Digitalexperte Peter Froese referiert in Niedersachsen

bro | Was lässt sich in der Arzneimittelversorgung alles digitalisieren? Für die Standesvertretung der Apotheker ist Peter Froese, Verbandschef aus Schleswig-Holstein, ein Experte auf diesem Gebiet. Seit Jahren geht er in einer Arbeitsgruppe der ABDA dieser Fragestellung nach. Bei der Kammerversammlung in Niedersachsen referierte er über die digitale Zukunft der Apotheker und stellte einige besorgniserregende Prognosen auf.
Foto: DAZ/tmb
ABDA-Digitalexperte Peter Froese

„Wir sind Berater, Versorger, Sichersteller und Hersteller. Welche dieser Tätigkeiten könnten durch künstliche Intelligenzen übernommen werden?“ Peter Froese ist so etwas wie der „Digital-Gott“ in der Standesvertretung der Apotheker. Nicht nur, weil der Pharmazeut Mitglied der Arbeitsgruppe „Digitalisierung“ bei der ABDA ist. Man merkt auch, dass Froese etwas von dem Thema versteht, wenn man ihm zuhört. Auf der Versammlung der Apothekerkammer Niedersachsen am 18. April hielt der Verbandschef aus Schleswig-Holstein einen beeindruckend ehrlichen Vortrag darüber, welche Gefahren, aber auch welche Chancen die Digitalisierung im Arzneimittelvertrieb für die Apotheker mit sich bringt. Seit Jahren gehe er der Grundfrage nach: „Werden wir ­digital abgeschafft?“

Hoher Digitalisierungsgrad

Um Antworten darauf zu finden, sei es zunächst nötig gewesen, die Funktionen des Apothekers grob einzuteilen, um dann zu analysieren, welche dieser Fähigkeiten und Tätigkeiten durch digitale Lösungen verdrängt werden könnten. So hatte Froese auf einer Folie mehrere apothekerliche Tätigkeiten und Schritte in der Arzneimittel-Lieferkette aufgeführt – neben der Tätigkeit stand stets, wie hoch er und seine Kollegen in der AG Digitalisierung den Digitalisierungsgrad einschätzten. Froese warnte die Kollegen: „Ich habe jetzt schlechte Nachrichten für Sie! Systeme sind in vielen Bereichen besser als Menschen, sie lernen schneller aus Fehlern.“

Da wäre zunächst die Arzneimittel-Auswahl. Digitalisierungsgrad laut Froese: 90 Prozent. Oder der Punkt „Zuwendung“. Auch hier gibt es laut Froese „kein gutes Ergebnis“, nämlich 50 Prozent. Schließlich könnten durch Chats oder andere Telekommunikationsmöglichkeiten Kontakte zu den ­Patienten aufgebaut werden. Gleiches gilt für die fachliche Informationsweitergabe über Arzneimittel.

„Maschinen können verdammt viel Wissen speichern und weitergeben, da bin ich als ‚kleiner Mensch‘ irgendwann unterlegen“, so Froese. Bei der Abrechnung mit den Krankenkassen kommen Froese und seine ABDA-Kollegen sogar auf den Wert: Zu 100 Prozent digitalisierbar. Lediglich beim Punkt „Verantwortung“ steht da eine „0“ in der Tabelle. Froeses Fazit: „Bis auf den Bereich der persönlichen Kommunikation und der Verantwortung würde uns nicht viel bleiben.“ Und auch bei den Ärzten sähe es laut Froeses Tabelle nicht viel besser aus.

Sicheres Netz selbst aufbauen

Um die Kollegen zu motivieren, folgte nun die Darstellung der Tätigkeiten, die die Standesvertretung der Apotheker unternimmt, um Schritt zu halten. Seine These: „Wir müssen selbst ein sicheres Netz bauen!“ Um dieses „sichere Netz“ zu bauen, sei es unerlässlich, die Telematikinfrastruktur – an der die gematik, in der die Apotheker neben anderen Akteuren des Gesundheitswesens sitzen – zu forcieren. ­Froese sprach sich vehement für zentrale Lösungen aus, also die einheitliche Patientenakte und elektronische Gesundheitskarte. Seine Begründung: „Wenn Sie der Meinung sind, dass ­Gesundheitsdaten niemanden etwas angehen, dann gibt es keine andere Lösung. Es gibt nichts Sichereres als die Chip-Lösung der eGK.“

Außerdem müsse die Standesvertretung dafür sorgen, dass die digitale Kommunikation zwischen den Heilberuflern auf Basis der Telematikinfrastruktur vorankommt.

Auch über das elektronische Rezept sprach Froese, das er „E-Verordnung“ nennt, weil es schließlich nicht nur für Arzneimittel gelten werde: Hier sei es die Prämisse der Apotheker, kein „komplett neues Verordnungssystem“ zu erschaffen. Vielmehr müsse zunächst die Papierform digitalisiert werden. Sehr wichtig sei für die Apotheker auch: „E-Verordnungen dürfen nicht zur Marke werden. Sie dürfen kein handelbares Gut werden.“ |

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