Arzneimittel und Therapie

Fluorchinolone weiter unter Verdacht

Risiko für Aortenaneurysmen akut erhöht

Eine aktuelle Analyse basierend auf nationalen schwedischen Registerdaten weist auf ein 90% erhöhtes Risiko für Aortenaneurysmen unter Fluorchinolonen im Vergleich zu Amoxicillin hin. Die Assoziation war in den ersten zehn Tagen nach Therapiebeginn besonders deutlich.

Fluorchinolone gehören zu den weltweit am häufigsten verordneten Antibiotika. Zu ihren bekannten Nebenwirkungen gehören Sehnenbeschwerden, die vermutlich durch verstärkte Aktivität von Matrixmetalloproteasen mitverursacht werden. Dieser Mechanismus spielt auch in der Pathophysiologie von Aortenaneurysmen und Aorten­dissektionen eine Rolle. Daher haben Forscher in Schweden untersucht, ob auch diese Komplikationen durch die Fluorchinolon-Therapie begünstigt werden. Analysiert wurden Daten von über 720.000 Infektionsfällen aus mehreren nationalen Datenbanken, in denen entweder Fluorchinolone oder Amoxicillin verschrieben wurden. Amoxicillin wurde aufgrund der ähnlichen Indikation als Vergleich ausgewählt, um den Effekt der Grunderkrankung zu minimieren. Bei Fluorchinolon-Verordnung war das Risiko für eine Aortendissektion oder ein Aortenaneurysma innerhalb der ersten 60 Tage nach Therapiebeginn um 66% erhöht. Dies entsprach 82 zusätzlichen Fällen bei einer Million Behandlungen. Weitere Analysen ergaben, dass dieser Anstieg hauptsächlich auf eine höhere Rate von Aneurysmen zurückzuführen war. Hier war das Risiko um 90% erhöht. 41% der Aortenaneurysmen unter Fluorchinolonen ereigneten sich innerhalb der ersten zehn Tage - also noch während der Therapie. Über einen Zeitraum von 60 Tagen hinaus zeigten sich keine Unterschiede mehr zwischen Fluorchinolonen und Amoxicillin. Den Großteil der Fluorchinolon-Verordnungen machte Ciprofloxacin (78%) gefolgt von Norfloxacin (20%) aus. |

Termin für öffentliche Anhörung steht fest

Im Rahmen des Risikobewertungsverfahrens zu Antibiotika aus der Klasse der Fluorchinolone und Chinolone des Pharmakovigilanzausschusses (PRAC) der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) wird demnächst eine öffentliche Anhörung stattfinden. Der Termin wurde für den 13. Juni 2018 angesetzt. Bei Interesse an einer Teilnahme muss bei der EMA bis zum 30. April ein entsprechender Antrag gestellt werden. Bei der Anhörung soll die Meinung der Öffentlichkeit zur Bedeutung von Chinolonen und Fluorchinolonen in der Behandlung von Infektionen, den damit verbundenen Risiken sowie zu geeigneten Risikominimierungsmaßnahmen in Erfahrung gebracht werden. Anlass zur Aufnahme des Verfahrens im Februar letzten Jahres waren Berichte zu teils schwerwiegenden und anhaltenden Nebenwirkungen auf Muskeln, Gelenke sowie das Nervensystem - auch bei Patienten mit leichteren Infektionen, welche mit anderen Antibiotika behandelbar gewesen wären.

Quelle

Pasternak B et al. Fluoroquinolone use and risk of aortic aneurysm and dissection: nationwide cohort study. BMJ 2018;360:k678

Apothekerin Sarah Katzemich

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