Prisma

Rückbesinnung auf altes Malariamittel

Methylenblau verhindert Resistenzen und Weiterverbreitung

cae | Heidelberger Tropenmediziner testen seit 15 Jahren das Phenothi­azin Methylenblau gegen Malaria. Die erfolgversprechenden Ergebnisse lassen auf eine baldige klinische Studie hoffen.
Grafik: Science Photo Library/Dr. Winter, Mark J.
Methylenblau besitzt eine symmetrische Struktur mit einem zentralen Thiazinring (S-Atom gelb; N-Atom dunkelblau).

Methylenblau wurde erstmals 1876 synthetisiert und war der erste patentierte „Teerfarbstoff”. Wie andere Farbstoffe, die an pathogenen Bakterien und Protozoen haften, wurde es bereits von Paul Ehrlich als Antibiotikum getestet. Darauf wurde es neben Chinin gegen Malaria eingesetzt, bis es von Chininderivaten wie Chloroquin verdrängt wurde. Heute ist es als Antidot bei Methämoglobinämie (Zyanose) indiziert und im Europäischen Arzneibuch unter der INN-Bezeichnung Methylthioniniumchlorid monografiert. Seine Wirkung gegen Malaria beruht darauf, dass es die Gametozyten von Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria tropica, im Menschen abtötet, sodass Moskitos, die das Blut eines behandelten Patienten saugen, keine Gametozyten aufnehmen und deshalb weder die Krankheit selbst noch Resistenzen gegen die eingesetzten Malariamittel weiterverbreiten.

Ein aktueller Test von vier Wirkstoffkombinationen in Mali (Westafrika) ergab, dass nur Amodiaquin ebenso zuverlässig gametozytizid wirkt wie Methylenblau, doch hat Amodiaquin den Nachteil, dass Personen mit dem in Westafrika weitverbreiten Glucose-6-phosphat-dehydrogenase-Mangel es nicht vertragen. Methylenblau wurde im Test mit Dihydroartemisinin plus Piperaquin (Eurotesim®) kombiniert. Die Fixkombination Eurotesim® gilt als sehr wirkungsvoll, aber in Asien existieren bereits Dihydroartemisinin-resistente Plasmodien; die Dreier-Kom­bination mit Methylenblau soll solche Resistenzen in Afrika verhindern. |

Literatur

Dicko A et al. Efficacy and safety of primaquine and methylene blue for prevention of Plasmodium falciparum transmission in Mali: a phase 2, single-blind, randomised controlled trial. Lancet Infect Dis; Epub 5.2.2018

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