Arzneimittel und Therapie

Kein Erfolg bei Muskelkater

Antioxidanzien können nicht überzeugen

Sport – ja, Schmerz – nein! Damit das Vergnügen nicht zur Qual wird, vertrauen viele sportlich aktive Menschen auf Antioxidanzien. Diese sollen helfen, Symptome eines Muskelkaters zu reduzieren. Glaubt man den Ergebnissen einer umfassenden Auswertung existierender Studien, ist die Hoffnung auf Linderung der sportlichen Folgeerscheinungen jedoch vergeblich.

Muskelkater tritt typischerweise nach intensiver, ungewohnter körperlicher Belastung auf. Er macht sich in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn der Belastung bemerkbar, hält mehrere Tage an und wird als äußerst unangenehm empfunden. Außerdem hindert er die Athleten unter Umständen am Fortsetzen ihrer Trainingsaktivität. Umso verständlicher ist daher der Versuch, die Symptome durch Einnahme von Antioxidanzien in Form von Supplementen oder Lebensmitteln zu reduzieren. Dieses Vorgehen stützt sich auf die Annahme, dass Muskelkater unter anderem durch eine erhöhte Produktion freier Radikale und reaktiver Sauerstoffspezies verursacht wird. Tatsächlich verursacht körperliches Training – ungeachtet des sonstigen gesundheitlichen Nutzens – oxidativen Stress aufgrund erhöhten Sauerstoffverbrauchs, sodass die Einnahme von Antioxidanzien theoretisch von Nutzen sein könnte. Im Handel sind zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit antioxidativen Eigenschaften zu finden, die zum Teil genau für die Indikation „Muskelkater-Prävention“ beworben werden.

Foto: Thaut Images – stock.adobe.com
Ungewohnte Belastungen lassen die Muskeln schmerzen. Auch Antioxidanzien helfen da wenig.

Heterogene Studien analysiert

In einem kürzlich erschienenen Review der Cochrane Collaboration wird der Frage nach der wissenschaftlichen Grundlage hinsichtlich Nutzen und auch möglicher Risiken einer Antioxi­danzien-Einnahme nachgegangen. Hierzu wurden 50 randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien mit insgesamt 1089 Teilnehmern analysiert. Die Teilnehmer waren zwischen 16 und 55 Jahre alt und wenig bis mäßig trainiert. Die einzelnen Studien unterschieden sich sowohl in Bezug auf die Art des Trainings als auch hinsichtlich der Einnahme (Zeitpunkt, Dosis, Häufigkeit, Dauer) und Art der zugeführten Antioxidanzien. So wurden neben Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin C oder Vitamin E auch Extrakte aus z. B. Schwarztee oder Lebensmittel wie Granatapfelsaft oder Johannisbeernektar verwendet. Auch der Zeitpunkt nach dem Training, an dem die Schmerzintensität – meist auf einer Skala von 0 bis 10 – angegeben werden sollte, variierte von Studie zu Studie.

Kein klinisch relevanter Nutzen

Trotz der Heterogenität der Daten und trotz z. T. geringfügig niedrigerer berichteter Schmerzintensität nach Antioxidanzien-Einnahme kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Supplementation mit Antioxidanzien wahrscheinlich nicht zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Schmerzsymptomatik führt – weder direkt nach dem Training noch innerhalb der nächsten vier Tage. Als klinisch relevant wurde hierbei eine Schmerzreduktion um 1,4 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10 angesehen. Andererseits wurden für einige der verwendeten Substanzen (z. B. N-Acetylcystein) unerwünschte Wirkungen in Form gastrointestinaler Symptome beschrieben. Durch zukünftige, groß angelegte Studien könnte geklärt werden, ob mit einzelnen Antioxidanzien unter Umständen doch ein positiver Effekt erreicht werden kann. Darüber hinaus müssten die Untersuchungen auf weitere Populationen ausgedehnt werden, z. B. auch Profi-Sportler, die in dem vorliegenden Review nicht berück­sichtigt wurden. |

Quelle

Ranchordas et al. Antioxidants for preventing and reducing muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev 2017;12:CD009789

Apothekerin Dr. Julia Podlogar

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