Schwerpunkt Filialapotheken

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Herausforderungen und Potenziale verschiedener „Filialleitertypen“

Jeder, der sich mit Filialsystemen schon einmal auseinandergesetzt hat, kennt diesen Satz: „Die passende Apotheke habe ich – jetzt fehlt mir nur noch der Filialleiter!“ Manchmal scheint die Suche nach passendem Personal, das weitaus schwierigere Unterfangen zu sein. Woher nehmen, wenn Abwerben durchaus ins Geld gehen kann und zudem eine heikle Angelegenheit ist?Wenn Sie als Inhaber einige Besonderheiten beachten, stehen Ihnen viele Wege zu einem Filialleiter offen, der die Filiale ordnungsgemäß führt und Ihnen gerne erhalten bleibt. Dabei gibt es ganz verschiedene „Typen“ mit Ecken und Kanten, vor allem aber mit Vorteilen für das Unternehmen. Haben Sie Lust auf eine Runde „Filial­leitungs-Patience“? Die Karten sind gemischt und müssen nur noch offengelegt werden ... | Von Anja Keck

Der Berufseinsteiger

Die Position des Filialleiters wird häufig Berufsanfängern angeboten. Die Beweggründe dafür sind ganz unterschiedlich: Einerseits schlagen sie bei den Personalkosten weniger zu Buche als „die Profis“, selbst wenn sie ihrer neuen Verantwortung entsprechend entlohnt werden. Für eine kleine, im Aufbau befindliche Apotheke, deren Gewinn noch nicht kalkulierbar ist, stellt das eine risikoärmere Alternative dar. Andererseits kann es auch das Einbinden eines Kindes in die Unternehmensführung oder das Halten eines Pharmazeuten im Praktikum durch eine attraktive Stelle bedeuten.

Die Herausforderung

Ganz gleich, ob es um die Aufgabe: „Gestern PhiP, heute Chef“ oder um „Neu im Unternehmen“ geht – Berufsanfänger bekommen den Respekt des Teams meistens nicht geschenkt, sondern müssen ihn sich verdienen. Hilfreich ist eine offizielle Übergabe des Postens vom Inhaber an den Filialleiter, mit einer Erläuterung der neuen Verantwortungs- und Kompetenzbereiche. Die Transparenz, vor allem be­zogen auf die Weisungsbefugnis, schafft Klarheit und Verständnis bei den Mitarbeitern. Die schriftliche Fixierung der Zuständigkeiten zu Beginn der Tätigkeit macht die Entwicklung auf Dauer gut sichtbar- das motiviert.

Günstig ist es, als junger Filialleiter die Erfahrung des Teams zu nutzen. Fragen zu stellen und um Rat zu bitten dient der schnelleren Einarbeitung, drückt Wertschätzung aus und fördert die Akzeptanz. Da sich der Berufseinsteiger erweiterte Kenntnisse u. a. der Apothekenpraxis, Führung und Kommunikation aneignen muss, sollte auch der Inhaber Zeit für Rückfragen und eine etwas längere Einarbeitung einkalkulieren.

Vorteil für das Unternehmen

Berufseinsteiger warten mit aktuellem Fachwissen auf und haben sich im Praktikum bereits mit unterschiedlichen ­Unternehmen vertraut gemacht. Das sind gute Voraussetzungen für neue Impulse.


Der Potenzialträger

Wenn eine Filiale gegründet wird, ist es naheliegend, zuerst in den eigenen Reihen nach berufserfahrenen Approbierten für die Filialleiterposition zu suchen. Es sollte jemand sein, der neben den geforderten Rahmenbedingungen, wie Mindeststunden, auch Verantwortung übernehmen möchte, betriebswirtschaftliches Interesse hat, Führungs­eigenschaften besitzt und den Rollenwechsel aushält.

Die Herausforderung

Aus dem Team heraus eine Führungsposition zu übernehmen, kann durchaus zu Konflikten führen. Wo die Approbierte sonst Teil des Teams war, gehört sie jetzt zur Leitungsebene. Ob sie es will oder nicht, in den allermeisten Fällen sieht es das Team so und das ist ausreichend. Sie ist abgeschnitten von der inoffiziellen Kommunikation und private Treffen werden ohne sie veranstaltet. Um in die neue Rolle zu finden, wirkt die Intensivierung der offiziellen Kommunikation auf Leitungsebene unterstützend. So steht die Filialleitung nicht von jetzt auf gleich auf verlorenem Posten. Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, wird eine gewisse Zeit brauchen. Das Wissen, dass der ­Rollenwechsel diese normale Abgrenzung mit sich bringt, und die dazugehörige emotionale Unabhängigkeit sind ­dafür sehr dienlich.

Vorteil für das Unternehmen

Schon in der Planungs- oder Übernahmephase kann die neue Filialleiterin mit einbezogen werden. Sie kennt die Arbeitsabläufe der Hauptapotheke, die Unternehmens­philosophie sowie die Entwicklungsstrategien und kann diese in der neuen Apotheke etablieren. Konformität in den Filialen fördert das Image und erleichtert das Einsetzen von Springern.


Der Neuling

Als Neuling, der aus einer anderen Apotheke kommt, steht einem die Berufserfahrung zur Verfügung, aber keine Erfahrung als Filialleiter. Themen wie Führen, Controlling oder Verhandeln sind neu, genauso wie die Unternehmenskultur.

Die Herausforderung

Der Neuling trifft wahrscheinlich auf ein eingespieltes Team, das schon länger mit dem Inhaber zusammenarbeitet. Auch hier brauchen Akzeptanz und Respekt ihre Zeit. Allerdings sollte der Filialleiter von Anfang an ein wichtiger Teil des offiziellen Kommunikationswegs sein. Je nach Präsenz des Inhabers in der Filiale und gewachsenen Kommunikationsstrukturen wird für den Informationsaustausch vielleicht häufiger „der kleine Dienstweg“ benutzt. Das ist in den meisten Fällen reine Gewohnheit, hat aber zur Folge, dass der Filialleiter nur schwer einen Überblick über alle Vorgänge in der Filiale bekommt. Inhaber und Filialleiter sollten auf die Einhaltung der Hierarchieebenen Wert legen. Auch wenn das für den Inhaber die konsequente Rückfrage bedeutet, ob der Filialeiter bereits informiert worden ist.

Vorteil für das Unternehmen

Der Filialleiter als kommunikativer Knotenpunkt schafft für den Inhaber Zeitressourcen, da er sich nicht um Kleinigkeiten kümmern muss, die vor Ort entschieden werden können. Die Berufserfahrung des Neulings kann nach der Einarbeitungszeit zur Optimierung von betriebsinternen Prozessen genutzt werden.


Der Profi

Der Filialleiter-Profi kann der Ehepartner sein, der die Hauptapotheke mit aufgebaut hat, ein Kollege der selbstständig war oder schon als Filialleiter Erfahrung gesammelt hat. Was sich vermeintlich nach der sicheren Bank anhört, kann Tücken haben.

Die Herausforderung

Ein Profi hat meistens klare Vorstellungen über die Arbeitsbedingungen, das gewünschte Vergütungsmodell und über die Art und Weise, wie er eine Apotheke führen möchte. Am besten klären Inhaber und Profi schon vor Vertragsabschluss die Erwartungen an die gemeinsame Zusammenarbeit und welche Ziele mit der Apotheke erreicht werden sollen sowie die dazugehörige strategische Planung. Nach diesem „Sondierungsgespräch“ können beide Seiten entscheiden, ob sie zueinander passen und sich die Zusammenarbeit produktiv gestalten lässt. Fehlt das Klärungsgespräch zu Beginn, werden die Differenzen in den folgenden Monaten deutlich. Die Ausarbeitung der Zusammenarbeit im ­Alltag ist nicht so umfassend möglich, wie bei den anderen Filialleitertypen.

Vorteil für das Unternehmen

Nach einem detaillierten Auftakt ist der Profi schnell einsatzfähig. Ihm fällt es leicht, eine klare Position zu beziehen, als routinierte Führungskraft ist er verbindlich und pflegt einen wertschätzenden Umgang mit dem Team. Das kann zu einer erheblichen Entlastung des Inhabers führen und zu einer gut geführten Apotheke. |


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