Wirtschaft

Amazon verstärkt Engagement auf US-Gesundheitsmarkt

Eigenmarke „Amazon Choice“ mit Blutzucker- und Blutdruckmessgeräten / Arzneimittelbereich ist im Fokus

bro/ts | Wie zu erwarten, dringt Amazon weiter auf den Gesundheitsmarkt vor. Gemeinsam mit dem Medizinproduktehersteller und Beratungsunternehmen Arcadia Group wurde die neue Gesundheitsmarke „Amazon Choice“ entwickelt, die in erster Linie Blutzucker- und Blutdruckmessgeräte vertreibt. Aber auch auf den Arzneimittelmarkt haben Amazon und Arcadia bereits ein Auge geworfen.

Einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNBC zufolge wurde Amazon schon im vergangenen Jahr von der Arcadia Group kontaktiert. Arcadia-Chef Bob Guest sah im Sortiment von Amazon große Angebotslücken bei Produkten für Chroniker, insbesondere für Diabetiker. Ende Oktober verkündete Arcadia nun ganz offiziell, dass die künftig auf Amazon vertriebene Marke „Choice“ heißen werde und dass es um den Verkauf von Blutdruckmanschetten und Blutzuckermessgeräten gehe. Laut CNBC leiden in den USA etwa 30 Millionen Menschen an Diabetes, jeder Dritte soll einen zu hohen Blutdruck haben.

Arcadia hat bereits für einige an­dere große Unternehmen Produkte entwickelt und sehr erfolgreich auf den Markt gebracht. So hat das Unternehmen z. B. die Marke „ReliOn“ mit diversen Medizinprodukten für Diabetiker entworfen, die exklusiv in den Apotheken des Walmart-Konzerns angeboten wird. Auch die Marke „Freestyle“, ebenfalls Diabetiker-Bedarf, wurde von Arcadia hergestellt und eigenen An­gaben zufolge für 1,2 Milliarden US-Dollar an Abbott verkauft.

Verbindung mit Alexa geplant

Laut CNBC sollen die Markenrechte für „Choice“ bei Arcadia liegen, die Produkte sollen aber exklusiv über Amazon erhältlich sein. Dem Amazon-Kunden soll also trotzdem das Gefühl vermittelt werden, dass es sich um eine Amazon-Eigenmarke handelt. Doch die Pläne von Arcadia und Amazon gehen noch weiter: Die „Choice“-Produkte sollen mit dem persönlichen Sprachassistenten Alexa verbunden werden. Laut CNBC baut ­Amazon sein Alexa-Team derzeit massiv aus und arbeitet daran, dass neue Services von Alexa mit den US-Bundesgesetzen zum Datenschutz übereinstimmen.

Erst kürzlich erhielt der US-Handelskonzern in den USA ein Patent für eine digitale Anwendung, die auch auf die Gesundheitsmärkte große Auswirkungen haben könnte. Konkret geht es darum, dass das Stimmerkennungstool Alexa körperliche oder psychische Beschwerden beim Anwender ent­decken und ihm darauf basierende Werbeangebote unterbreiten soll. Im konkreten Beispiel geht es um einen hustenden Nutzer, dem Hustenbonbons angeboten werden.

Dass „Choice“ noch ausgebaut werden soll und schon bald in den Arzneimittelbereich vorstoßen könnte, zeigt auch eine aktuelle Online-Umfrage von Arcadia: Das Unternehmen befragt seine Kunden, welche Angebote sie gerne leichter über das Internet beziehen würden, z. B. „Glucose-Tabletten“ sowie Insulinspritzen und -pens.

Amazon hat in den vergangenen Jahren sein Eigenmarken- und Exklusivgeschäft stetig ausgebaut und verfügt nach Angaben von TJI Research, einem einzig auf die Aktivitäten von Amazon fokussierten Marktforschungsdienst, nun über mehr als 120 Marken, die exklusiv auf dem Online-Marktplatz verkauft werden. Die Investmentbank SunTrust Robinson Humphrey schätzt, dass Amazon die Zahl dieser Marken seit Anfang 2016 um mehr als das Neunfache erhöht hat.

Tatsächlich hat Amazon einigen Eigenmarkenprodukten zuletzt mehr Aufmerksamkeit auf seiner Webseite verschafft. Laut CNBC werden sie in den Suchergebnissen in einer separaten Box angezeigt. Zudem habe der Konzern begonnen, mehr Medizinprodukte auf seiner Webseite anzubieten, darunter Krankenhausbedarf und rezeptfreie Verbrauchergesundheitsprodukte.

Internes Gesundheits­forschungsteam

Der aktuelle Schritt reiht sich ein in Amazons Strategie, seine Präsenz im Gesundheitsbereich stetig zu erweitern. Laut CNBC verfügt der Konzern in den USA über ein Team, das medizinische Artikel an Arztpraxen und Krankenhäuser verkauft. Für den Sprachassistenten Alexa gebe es ein Gesundheitsteam, zudem verfüge Amazon über ein internes Gesundheits­forschungsteam namens „Grand Challenges“. Nicht zuletzt hat Amazon im vergangenen Juni die US-Apothekengruppe PillPack übernommen und angekündigt, mit der Großbank J.P. Morgan und Berkshire Hathaway zusammen eine Krankenkasse für die eigenen Mitarbeiter sowie in einem späteren Schritt für alle US-Amerikaner aufbauen zu wollen. |

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