Gesundheitspolitik

Impfende Apotheker: Ärzte sind dagegen

Hausärzte-Chef will selbst Arzneimittel abgeben

bro/ks | Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) hat auf dem diesjährigen Deutschen Apothekertag in München eine seit Jahren immer wieder heiß diskutierte Debatte neu entflammt: Sollen Apotheker Impfungen anbieten und durchführen dürfen? In anderen europäischen Ländern hat sich dies bereits etabliert. Doch die Ärzte in Deutschland halten davon gar nichts. Der Prä­sident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, erklärte vergangene Woche beim Kongress für Patientensicherheit: „Schuster, bleib bei deinen Leisten, und das Impfen bleibt in der Hand des Arztes!“ Kurz darauf folgte, was die ABDA stets befürchtet hatte, wenn die Apotheker Impfungen übernehmen wollen: Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, forderte das Dispensierrecht für Ärzte. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt konterte prompt: Die Trennung ärztlicher Tätigkeit von der Ab­gabe von Arzneimitteln sei aus gutem Grund ein Eckpfeiler unseres Gesundheitssystems.

Beim Deutschen Apothekertag sagte Spahn, er könne sich vor­stellen, dass Apotheker impfen – wenn die Apotheker das selbst wollen. Blickt man auf die ABDA, ist das bislang nicht der Fall. Sie hat schon mehrfach klargestellt, dass man sich bestenfalls um Impfberatungen in der Apotheke bemühen wolle, die Impfungen selbst aber nicht „lobbyieren“ werde. Ein Grund, der auch gegenüber der Politik angeführt wurde: Die Furcht vor einer Retourkutsche der Ärzte – der Forderung nach dem ärztlichen Dispensierrecht.

Dagegen hat sich in den vergangenen Tagen der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) für das Impfen in der Apotheke stark gemacht und Spahn Gespräche angeboten. Besonders eifrig zeigte sich der Vorsitzende des Apothekerbeirats der gesund-leben-Apotheken Christian Flössner: „Apotheker sollten Mut und pharmazeutisches Selbstvertrauen haben.” Gerade zur Grippezeit könne ihre Kompetenz genutzt werden, um die Durchimpfungs­rate zu erhöhen.

Nun zeigt sich: Ganz unbegründet waren die Sorgen der ABDA nicht:

Zunächst machte Weigeldt seine Position im Allgemeinen deutlich: Apotheker können und sollen auch nicht impfen, etwa weil sie in allergisch-bedingten Notfallsituationen nicht eingreifen könnten. BÄK-Präsident Montgomery betonte, dass impfen eine Grundaufgabe der ärztlichen Tätigkeit sei. Dadurch dass Apotheker impften, seien Ärzte noch lange nicht hinsichtlich ihres Arbeitspensums entlastet.

„Wir wollen den Apotheker nicht ersetzen“

Vergangenen Freitag legte Weigeldt dann nach. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ forderte er das ärztliche Dispensierrecht ein. Er begründete dies aber nicht mit impfenden Apothekern. Vielmehr „könnten die Ressourcen besser genutzt werden, gerade auf dem Land“, wenn Ärzte Arzneimittel abgeben dürften. Die Frage, welche Arzneimittel in Arztpraxen vorgehalten werden könnten, ließ Weigeldt allerdings offen und sprach sich für einen Dialog mit den Apothekern aus. Ein komplettes Sortiment bereitzuhalten, sei nicht das Ziel. „Wir können und wollen die Apotheken nicht ersetzen.“ Das Verhältnis mit den Apothekern will er nicht zerstören. Denn: „Unser Ziel ist auch in Zukunft ein vernünftiges Miteinander mit den Apothekern.“

Auch ABDA-Präsident Schmidt ging auf Deeskalationskurs: „Ärzte können Apotheker so wenig ersetzen, wie Apotheker Ärzte ersetzen können“, kommentierte er Weigeldts Vorstoß. „Beide müssen zusammen dafür sorgen, dass die Versorgung der Patienten vor Ort funktioniert, gerade auch in ländlichen Gebieten. Kompetenzgerangel und der Rückfall in alte Revierkonflikte behindern uns bei dieser Aufgabe nur.“ Schmidt sieht auch keinen Anlass, die Arbeitsteilung von Apotheker und Arzt infrage zu stellen. „Wir haben in Deutschland eine gute flächendeckende Arzneimittelversorgung durch Präsenzapotheken, Tag und Nacht, an 365 Tagen im Jahr. Da braucht es keine Ersatzlösung.“ Zudem seien gerade Hausärzte schon heute oft überlastet und mancherorts rar. „Warum sollte man sie mit weiteren Aufgaben überfordern?” |

Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Kein Impfen um jeden Preis"

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