Management

Mitarbeiterakquise mal anders

Auffallen und trotzdem authentisch bleiben

Egal, ob in Ihrer Region pharmazeutisches Fachpersonal Mangelware ist oder Sie auf der Suche nach Potenzialträgern sind – die Mitarbeiterakquise ist eine Herausforderung. Schließlich soll der neue Mitarbeiter zu Ihnen, dem Team, den Kunden und dem fachlichen Anforderungsprofil passen. Wie Sie im Bewerbermarkt auffallen und trotzdem authentisch bleiben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Immer häufiger versuchen Unternehmen, ihr Werben um Mitarbeiter unterhaltsam zu gestalten. Bezeichnet wird das als Recruitainment – eine Wortschöpfung aus Recruiting und Entertainment. Die potenziellen neuen Mitarbeiter sollen neben der Vermittlung der sachlichen und fachlichen Infor­mationen auch auf der Beziehungsebene angesprochen werden. Es soll menscheln. Schließlich ist in vielen Branchen die Zusammenarbeit im Team und der Umgang mit Menschen ein großer Teil der Arbeit. Da sollte der Bewerber schon gut ins Unternehmen passen.

„Auf jeden Fall sollte Ihre Stellenanzeige ein echter Hingucker sein und emotional ansprechen“, besagt ein viel gebrauchter Rat. Wie genau die Anzeige zu etwas Besonderem wird, bleibt jedoch oft der unternehmerischen Kreativität überlassen, und diese lässt sich am besten folgendermaßen wecken.

Kreativ zu einer ansprechenden Anzeige

Bei einem Blick in die Stellenbörse werden Sie ohne Weiteres solche oder ähnliche Werbetexte finden: „Wir suchen Verstärkung für unsere moderne und beratungsstarke Apotheke. Auf Sie warten ein hoch motiviertes Team, ein breites Aufgabenfeld und flexible Arbeitszeiten.“

Um von einem Standardtext den Bogen zu einer amüsanten Werbung, die Emotionen weckt, zu schlagen, gibt es ein sehr dankbares Vorgehen. Gemeint ist die von Alex Osborn inspirierte und von Bob Eberle veröffentlichte Kreativitätstechnik SCAMPER. SCAMPER ist ein Akronym für die einzelnen Arbeitsschritte der Technik: Substitute, Combine, Adapt, Modify, Put to another use, Eliminate und Reverse. Stellen Sie sich die Frage, ob Sie in Ihrer Stellenanzeige oder weiter gefasst beim Bewerbungsverfahren etwas er­setzen, kombinieren, adaptieren, modifizieren, ganz anders nutzen oder weglassen können, um damit eine effektvolle Veränderung zu erzielen. Viele andere Unternehmen haben durch die Anwendung der unterschiedlichen Schritte spannende Varianten für sich gefunden.

Foto: Baranov – stock.adobe.com
Bestechen durch Stärken und das Besondere So wie der Pfau sich mächtig ins Zeug legt, wenn er seine Angebetete umwirbt, kann man es auch in Stellenanzeigen machen: Aufmerksamkeit und Emotion wecken, ein „Wow“ hervorrufen.

Ersetzen

Die Leitfragen dieses Schrittes sind: Was lässt sich ersetzen? Was kann stattdessen genutzt werden?

Eine Restaurantkette mit gehobener Küche hat sich im Hinblick auf ihre Stellenanzeigen genau diese Fragen gestellt. Frei nach dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ hat sie den Werbetext durch ein aussagekräftiges Foto ersetzt. Auf den Werbeplakaten waren eine schwarze Schürze, eine Kellnerbörse, Notizzettel und Stift sowie ein Weinglas, Silberbesteck und eine Serviette zu sehen. Alles auf einem weißen Tischtuch drapiert. Der Werbetext lautete: „Passt diese Ausstattung zu Ihnen? Dann passen Sie auch zu uns. Bewerben Sie sich unter …“ Die Wirkung bei den Bewerbern: Klar, charmant, stilvoll – und das kam an.

Kombinieren

In diesem Schritt geht es darum, sinnvoll zu kombinieren. Ein gutes Beispiel ist die Fülle von Medien, die für die Suche nach Bewerbern zur Verfügung steht: Printmedien, Online-Stellenbörsen, die eigene Internetseite und Ladentür sowie soziale Netzwerke. Am meisten Erfolg verspricht es, wenn Sie für die Veröffentlichung eine Kombination der verschiedenen Kanäle wählen. Eine ansprechende Anzeige lässt sich an all diesen Stellen, ggf. in etwas modifizierter Form, platzieren.

Anpassen

Andere Unternehmen haben oft gute Ideen, die sich mit ein paar Anpassungen auch für die Apotheke nutzen lassen. Eine Stahl­baufirma in einer strukturschwachen Region hatte z. B. einen großen Erfolg mit einer eher skurrilen Akquise. Einmal im Jahr bevölkern die Besucher eines sehr beliebten Musikfestivals, unter denen sich durchaus Mengen an potenziellen Bewerbern finden, die Region. Deswegen arbeitete das Unternehmen mit dem Veranstalter zusammen und verloste unter allen Bewerbern vier der heiß begehrten und schnell vergriffenen Tickets für das nächste Jahr. Der Zuspruch war außerordentlich.

Modifizieren

Modifizieren bedeutet, Einzelbestandteile zu verändern, wie Form, Farbe, Größe oder Bedeutung. Auf die Modifikation des Bewerbungsverfahrens verstand sich ein traditionelles Kaffeehaus. Mit elegant gestalteten Postkarten machte es den Weg zu sich kürzer. Diese „Job-Karte“ enthielt auf der Rückseite alle nötigen Felder für persönliche Angaben, besondere Fähigkeiten und Kenntnisse sowie fachliche Schwerpunkte. Zusätzlich gab es Platz für ein Foto. Das Ganze wurde an die Zeugnis-Kopie getackert und schon war die Bewerbung fertig. Damit setzte das Unternehmen ganz bewusst den Schwerpunkt im Auswahl­verfahren auf das anschließende Bewerbungsgespräch.

Anders einsetzen

Hier ist die Frage: „Wen oder was kann ich anders einsetzen?“ Beispielsweise sind die eigenen Mitarbeiter oft sehr gut in der Akquise neuer Kollegen. Und was zwischen den Mitarbeitern und ihren ehemaligen Kolleginnen und Freundinnen aus der PTA-Schulzeit ohnehin besprochen wird, lässt sich durchaus auch für eine Anzeige nutzen. Anzeigen können einen besonderen Charme bekommen, wenn sie aus der Sicht der PTA oder eventuell sogar aus Kundensicht geschrieben sind.

Weglassen

Manchmal liegt in der Kürze die Würze. So warb ein Kollege in seiner Anzeige mit dem Namen der Apotheke und den Worten „Eine neue Perspektive“. Er hatte damit Erfolg. Reduzieren Sie es auch mal auf das Wesentliche.

Neu anordnen

Hier heißt es, alles in eine neue Reihenfolge zu bringen oder alles aus einer anderen Perspektive anzugehen. So können Sie sich als Arbeitgeber ganz neu positionieren. Es gibt Wettbewerbe für gute Arbeitgeber, wie „Great Place to Work“, oder lokale Rankings unter anderem bei Radiosendern. Auch branchenspezifische Modelle für Ausbildungsapotheken können Sie für Bewerber interessant machen.

Eine neue Position wäre auch, passende Kollegen direkt anzusprechen, wenn Sie ihnen begegnen oder Sie anderweitig auf sie aufmerksam werden. Viele Firmen gehen dazu über, unter Preisträgern oder in besonderen Projekten nach Potenzialträgern zu suchen, denen sie dann ein passend zugeschnittenes Angebot machen. Aber es müssen nicht immer die Preisträger sein. Auch die Kollegen, die ihr Stellengesuch in den Online-Stellenbörsen veröffentlichen, freuen sich über ein interessantes Angebot. Es lohnt sich, ab und zu einen Blick darauf zu werfen.

Klassisch informativ

Zu Ihnen passt die klassische, gut gemachte Anzeige einfach am besten? Dann punkten Sie durch das „Mehr“ an Informationen. Neben Stundenzahl, Gehalt und Dauer des Arbeitsverhältnisses sind nähere Informationen zu den Aufgaben­bereichen wichtig sowie die geforderten Qualifikationen und das besondere Angebot Ihrer Apotheke.

Der neue Mitarbeiter soll das Team optimal ergänzen. Die gewünschten Einsatzgebiete, wie Rezeptur, QMS oder BtM-Dokumentation, werden in vielen Anzeigen nicht genannt. Die Sorge, dadurch nur einen kleineren Teil der möglichen Bewerber anzusprechen, ist allerdings unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall. Durch Klarheit und Details zum Arbeitsalltag gewinnt die Stellenanzeige an Profil und wird interessanter. Schließlich möchte sich der neue Angestellte am liebsten mit seinen Stärken und Kernkompetenzen ins Unternehmen einbringen. Je nach Position können neben aktuellem pharmazeutischen Fachwissen auch Führungserfahrung oder persönliche Kompetenzen wie eigenverantwortliches Handeln, innovatives Denken oder Kommunikations- und Verhandlungs­geschick gefordert sein.

Und was Ihr eigenes Angebot angeht: Bestechen Sie durch Ihre Stärken und Ihre Einzigartigkeit. Bringen Sie auf das Papier, was Sie Ihren Mitarbeitern bieten und was diese ganz besonders schätzen. Das können die speziellen Qualifikationsmöglichkeiten sein, eine gute Ausbildung, der Tankgutschein für Nichtraucher, besondere Arbeitszeitmodelle, der Zuschuss zur Kinderbetreuung oder die günstigere Mitgliedschaft im Fitnessclub.

Ein ambulanter Pflegedienst lobte bei einem überzeugenden betriebsinternen Gesundheitsmanagement und großzügiger Zeitkalkulation für die Pflege eine Willkommensprämie für die neuen Mitarbeiter aus. Die versteckte Botschaft „Hier machen wertvolle Menschen wertvolle Arbeit“ kam an und das Unternehmen konnte sich vor Bewerbern kaum retten.

Foto: korkiatt – stock.adobe.com

Fazit

Es ist eine Kunst, neue Wege zu gehen und sich dabei selber treu zu bleiben. So sollte die Art der Stellenausschreibung vor allem das Unternehmen repräsentieren. Aber was soll bei einer ausgefallenen Werbeaktion schon passieren? Wenn sich keiner bewirbt, trifft man mit der nächsten Idee den Puls der Zeit. |

Anja Keck ist Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, Filialleiterin,
Coach (DGfC) und Systemische Beraterin, www.anjakeck.de

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