Gesundheitspolitik

Kommentar: Felix Austria

Christine Ahlheim

Fast könnte man neidisch werden, wenn man nach Österreich schaut. Nicht nur wegen der höheren Berge oder weil das Koalitionsschmieden etwas schneller geht als bei uns. Sondern weil es dort den Apothekern gelingt, ihre Interessen medienwirksam zu vertreten.

Bekanntlich strebt die Drogeriemarktkette dm in Österreich seit 2016 an, OTC-Arzneimittel zu verkaufen. Bereits zweimal ist sie damit beim Österreichischen Verfassungsgerichtshof abgeblitzt, ein dritter Anlauf steht bevor. Nun hat der Österreichische Apothekerverband eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) vorgelegt, in der die Auswirkungen von Deregulierungen des Arzneimittelmarktes in anderen Ländern analysiert werden. Zudem wurde in einer Pressekonferenz den Journalisten aufgezeigt, welche Folgen eine OTC-Freigabe für die Gesellschaft, die Gesundheit der Bevölkerung und die Arzneimittelsicherheit haben könnte.

Da bei dieser Pressekonferenz auch die Nachrichtenagentur APA vertreten war, können sich die österreichischen Apotheker nun über ein breites Medien­echo freuen – und über Überschriften wie „Medikamente sind keine Badekugeln“ oder „Liberalisierung bringt Nachtdienst von Apotheken in Gefahr“. Zudem ist landauf, landab zu lesen, dass in deregulierten Systemen die Arzneimittel keineswegs billiger seien.

In unseren Medien wird dagegen das Bild der Apotheker von mutmaßlichen Zyto-Betrügern und Ministeriumsspionen sowie angeblich überhöhten Honoraren geprägt. Was wir Apotheker wirklich leisten und warum wir unverzichtbar sind – darüber wird jedoch kaum je berichtet. Das zu ändern, sollte eine zen­trale Aufgabe unserer Standespolitiker im Jahr 2018 sein.

Christine Ahlheim, Chefredakteurin der Apotheker Zeitung

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