Gesundheitspolitik

Kassenreserve wächst auf 20 Mrd. Euro

Minister Spahn: „Versichertenentlastungsgesetz ist der richtige Schritt“

BERLIN (ks) | Das Finanzpolster der gesetzlichen Krankenkassen wächst dank der guten Wirtschaftslage weiter. Zum Ende des zweiten Quartals 2018 überschritten die Reserven erstmals die Marke von 20 Mrd. Euro, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) vergangenen Dienstag mitteilte. Dies entspreche im Schnitt mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vor­gesehenen Mindestrücklage.

Minister Jens Spahn (CDU) bekräftigte mit Blick auf das bereits auf den Weg gebrachte Versichertenentlastungsgesetz, dass auch die Beitragszahler von weiter steigenden Reserven profitieren sollten. Vorgesehen ist, dass Kassen mit sehr hohen Reserven ab 2020 einen Teil ihrer Rücklagen über geringere Zusatzbeiträge abbauen müssen – derzeit liegt der durchschnittlich erhobene Zusatzbeitragssatz bei 1,07 Prozent. Voraussetzung ist jedoch, dass bis dahin eine Reform des Finanzausgleichs unter den Kassen geschafft ist.

Im ersten Halbjahr 2018 verbuchten die gesetzlichen Kassen insgesamt einen Überschuss von 720 Mio. Euro. Dabei standen Einnahmen von 120,3 Mrd. Euro Ausgaben von 119,6 Mrd. Euro gegenüber. Während die Einnahmen der Krankenkassen um 3,3 Prozent gestiegen sind, wuchsen die Ausgaben für Leistungen und Ver­waltungskosten um 3,8 Prozent – die Zahl der Versicherten stieg um knapp 0,9 Prozent. Die Ausgaben pro Versichertem wuchsen so über alle Leistungsbereiche hinweg um 2,9 Prozent.

AOKen mit höchstem Überschuss

Betrachtet man die beiden größten Kassenarten, so verzeichneten die AOKen mit rund 371 Mio. Euro den größten Überschuss. Bei den Ersatzkassen belief sich das Plus auf 151 Mio. Euro. Dabei haben die Ersatzkassen mit knapp 28 Millionen Versicherten den größten Anteil im GKV-Markt, die AOKen ­folgen mit rund 26 Millionen Versicherten knapp dahinter.

Ein genauerer Blick in die Ausgaben zeigt, dass sich diese weitgehend moderat entwickelten: Die Leistungsausgaben, die in einigen Bereichen derzeit noch Schätzwerte sind, stiegen um 3,7 Prozent auf 113,3 Mrd. Euro, die Verwaltungskosten um 6,5 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro.

Die drei größten Ausgabenblöcke sind weiterhin die Krankenhausbehandlung (3 Prozent Zuwachs), die ambulante ärztliche Behandlung (+ 2,6 Prozent) und die Arzneimittel (+ 3,9 Prozent).

Rabattvertragsvolumen steigt weiter

Bei Letzteren spielen laut BMG weiterhin die Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel eine zentrale Rolle. Bei den AOKen lag der Zuwachs bei Arzneimitteln übrigens bei lediglich 1,4 Prozent. Was die Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen und pharmazeutischen Unternehmern betrifft, erhöhte sich das Erstattungsvolumen laut BMG um 6,5 Prozent. Eine absolute Zahl ist nicht genannt. Im ersten Quartal 2018 beliefen sich diese vertrag­lichen Rabatte aber bereits auf knapp eine Milliarde Euro.

Nach den ersten sechs Monaten spreche alles dafür, dass die Kassen auch das Gesamtjahr mit einem deutlichen Überschuss abschließen, erklärte das BMG. Mit der Einnahmen- und Ausgaben­entwicklung 2019 wird sich Mitte Oktober der GKV-Schätzerkreis der Finanzexperten von Bundesversicherungsamt, BMG und GKV-Spitzenverband befassen. Nach Auswertung der Ergebnisse wird das BMG bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2019 bekanntgeben. |

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